Dienstag, 18. Mai 2010

Glaubensgerechtigkeit

Andacht von A.Christlieb zu Römerbrief 4, 5
A.Christlieb
Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den,
der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube
gerechnet zur Gerechtigkeit. Röm 4,5

Dieses Wort zeigt uns das Herzstück des in der Reformation neu entdeckten Evangeliums.

Wir sehen zunächst den falschen Weg, der nicht zum Ziel führt. Er wird umschrieben mit dem Worte: "Mit Werken umgehen".
Das war zu Luthers Zeiten der allgemein übliche Weg. Man befolgte pünktlich die Vorschriften der Kirche. Man fastete und gab Almosen. Oberflächliche Naturen beruhigten sich damit.

Aber ernste Wahrheitssucher fanden darin keinen Frieden. - Und wir? Wir sind alle geborene "Katholiken". Unvermerkt suchen wir zunächst allesamt das eigene Tun zur Grundlage unseres Heils zu machen. Es braucht viel göttlicher Geduldsarbeit, uns davon zu befreien.

- Der richtigeWeg ist gegeben in den Worten: "Glauben an den, der die Gottlosen gerecht macht". Zunächst stehen wir ratlos da, wenn uns klar wird, dass alles Umgehen mit Werken nicht zum Ziele führt. Wohl allen, die solche Verzweiflung durchlitten haben.
Sobald wir unsere Gottlosigkeit und Verlorenheit restlos anerkennen, dürfen wir uns dem in die Arme werfen, der die Gottlosen gerecht macht. Das ist der neue Weg. Wir hindern also Gott nur, wenn wir mit unserer Anstrengung und Gerechtigkeit sein Wohlgefallen verdienen wollen. Der Herr will den Ruhm unserer Rettung allein haben. Wenn wir es wagen, uns als verdammungswürdige Sünder, die unfähig sind zum Guten, auf Gnade und Ungnade Ihm zu Füßen zu werfen, dann spricht Gott über uns: "Jetzt bist du mir recht!" Das ist dann unsere Rechtfertigung.

Durch dieses blinde Sich-Gott-Anvertrauen wird unser tiefster Schaden, das Misstrauen gegen Gott, geheilt. Gottes Augen sehen nach dem Glauben . Stolze Heilige sind Gott ein Greuel. Aber Gottlose, die sich seiner Gnade rückhaltlos anvertrauen, die stößt er nicht hinaus. Das ist der rechte evangelische Weg.




W.Nee
Ich werde meinen Geist in euer Inneres geben und machen,
dass ihr in meinen Satzungen wandelt. Hes 36,27

Im Spätsommer wohnte ich einmal in einem Bergkurort bei einem Handwerkerehepaar, und zu meiner Freude konnte ich beide zu einem schlichten Glauben an den Erlöser führen. Als meine Zeit um war und ich nach Schanghai zurückkehren musste, ließ ich ihnen eine Bibel da. Im Winter hatte der Mann die Gewohnheit, bei den Mahlzeiten Alkohol zu trinken, manchmal im Übermaß. Bald darauf, als es kalt wurde, erschien wieder der Wein auf dem Tisch, und der Handwerker neigte, wie es jetzt seine Gewohnheit geworden war, das Haupt, um für das Mahl zu danken. Aber an diesem Tag wollte kein Wort aus seinem Mund kommen! Nach ein oder zwei vergeblichen Ansätzen wandte er sich an seine Frau. »Was ist los?« fragte er. »Warum können wir heute nicht beten?« Seine Frau nahm die Bibel und blätterte darin auf der Suche nach Erleuchtung, aber vergeblich. Sie konnten keine Erklärung finden, und ich war weit fort. »Trink doch deinen Wein«, sagte sie. Aber nein, er wusste, dass er das Dankgebet sprechen musste und es nicht konnte. »Nimm ihn weg«, rief er schließlich; und dann baten sie gemeinsam um den Segen für das Mahl.

Als der Mann einige Zeit später nach Schanghai fahren konnte, erzählte er mir die Geschichte. Unter Verwendung eines im Chinesischen gebräuchlichen Ausdrucks sagte er zu mir: »Bruder Nee, der Chef da drinnen wollte mich das Glas Wein nicht trinken lassen!« - »Sehr gut«, erwiderte ich, »hör du nur immer auf den Chef da drinnen!«


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