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Mittwoch, 4. April 2012

Glaubensleben

Hier wieder mal ein älterer Artikel von Harald Sommerfeld.

Es ist wirklich gut diese Büchlein einmal auszudrucken und 4-5mal ;-) betend zu lesen. ( Das Zwinkerzeichen ist deswegen gesetzt, weil 4-5mal natürlich nicht genügt) :-)
Wer will, de, kann ich diese Schrift auch als Pdf schicken.
Einfach im Kommentar die Bitte äußern, und die E-mail Adresse angeben.


Pin-Tan-Glaube


Der PIN-TAN-Glaube

Immer mehr Christen suchen neu nach dem Übernatürlichen. Sie haben genug von einem Glauben, der nur Welt-Anschauung ist. Sie wollen anders leben, als nur Regeln einzuhalten. Sie wollen sehen, wie durch Gottes Kraft Unmögliches möglich wird.

Ich gehöre zu ihnen. Manches machen wir schon richtig. “Nicht immer, aber immer öfter” erleben wir starke Sachen. Anderes machen wir noch falsch. Aber wir lernen.

Der “PIN-TAN-Glaube” ist ein Beitrag zum gemeinsamen Lernen.

Der PIN-TAN-Glaube

Gott ist gut, und Gott ist Gott. Er ist immer für uns, und er ist immer souverän. Er hilft uns, aber er handelt auf seine Weise. Er tut, “was die Gottesfürchtigen begehren” (Psalm 145,19), und ist doch kein Automat.

Wie können wir von diesem Gott bekommen, was wir wollen (Johannes 15,7), und gleichzeitig seinem Willen unterworfen sein? Eine gute Frage - scheint mir. Eine lohnende obendrein, denn durch die Antwort auf diese Frage werden nicht nur die Geschenke Gottes für uns greifbarer, sondern der Geber selbst wird vertrauter.

Am besten lassen wir uns die Antwort von Menschen geben, die sie kennen. Wir finden sie in der Bibel. Wenn sie zu kämpfen hatten, wollten sie siegen. Ihr Gott schenkte ihnen den Sieg. Wenn sie krank waren, wollten sie gesund werden. Ihr Gott heilte sie. Wenn sie in Notlagen kamen, wollten sie versorgt werden. Ihr Gott versorgte sie. Dennoch blieb er der souveräne Gott, wurde nie einfach nur zu einer nützlichen und berechenbaren Größe. Ihre Erfahrungen sind für uns aufgeschrieben.

1. Der Kampf ist des Herrn

Am Anfang dessen, was wir die Heilsgeschichte nennen, suchte Gott sich souverän einen Mann aus, durch dessen Nachkommen er seine Geschichte schreiben wollte: Abraham. Niemand hätte Gott zwingen oder überreden können, sich mit Israel zu verbinden. Und niemand hätte es ihm ausreden können - bis heute nicht. Mit diesem Volk ging Gott einen Bund ein. Er legte sich fest. Damit sein Volk ihm vertrauen konnte, schrieb er in einem Vertrag auf, was er ihnen garantierte, solange sie ihm im Rahmen dieses Bundes begegneten.

Eine seiner Festlegungen lautete: “Wenn du nun der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen wirst … wird der HERR deine Feinde, die sich gegen dich erheben, vor dir schlagen. Auf einem Weg sollen sie ausziehen wider dich und auf sieben Wegen vor dir fliehen” (5.Mose 28,1.7). Damit war klar: Treue gegenüber dem Bund bedeutete Sieg über den Feind. Die Berichte des Alten Testaments zeigen uns, wie zuverlässig dieses Versprechen war, genauso wie seine Umkehrung: Untreue führte zur Niederlage.

Stellen wir uns nun vor, wir würden die Führer jener Zeit fragen: “Wie schlägt Gott die Feinde vor euch?” Die Antworten könnten unterschiedlicher nicht sein. Josua: “Es ist ganz einfach. Man muss nur sieben Tage um die feindliche Stadt herumziehen, dann bringt Gott ohne menschliches Zutun ihre Mauern zum Einsturz” (Josua 6). Wenige Wochen später klingt es allerdings schon anders: “Man muss sehr wachsam sein. Ein Mann im Heer, der Gottes Anweisungen übertritt, macht alles zunichte. Zuerst muss das Volk völlig geheiligt sein, bevor der Herr eine Stadt in unsere Hände gibt” (Josua 7-8).

David: “Halt! Als ich das erste Mal an die Front kam, war das Heer alles andere als heilig. Dennoch ließ Gott uns siegen. Ich musste nur den stärksten Mann der Feinde aufs Korn nehmen, und nachdem Gott mir half, ihn zu erledigen, war der Rest reine Formsache” (1.Samuel 17). Joschafat: “Nicht einmal das ist nötig. Man zieht in die Wüste, um Gott den ganzen Tag lang anzubeten, dann sorgt er dafür, dass die Feinde sich von allein gegenseitig aufreiben” (2.Chronik 20). “So einfach ist es auch wieder nicht”, hören wir schließlich einige namenlose Heerführer Israels. “Wir haben bitteres Lehrgeld gezahlt. Obwohl wir einen gerechten Krieg führten, wurden wir zweimal geschlagen. Erst nachdem wir (mit Fasten und Opfern) durchgebetet hatten, gab Gott uns den Sieg” (Richter 20).

Ja, Gott gab ihnen allen den Sieg. Aber er gab ihn jedes Mal auf einem anderen Weg. Der Kampf ist des Herrn (1.Samuel 17,47). Seine Treue garantierte den Sieg. Seine Souveränität und Kreativität legte jedes Mal neu fest, wie er errungen wurde.

Das ist wichtig für uns, die wir nicht mehr gegen “Fleisch und Blut” antreten, aber mitten in einem Krieg ganz anderer Art stehen. Wir kämpfen um unsere Familien, Nachbarschaften und Städte. Viele unsichtbare zerstörerische Kräfte sind in ihnen am Werk. Sie treiben Menschen dazu, sich selbst und andere zu ruinieren. Sie halten Gottes gute Absichten für die Menschen auf. Ihnen treten wir entgegen.

Wir haben von Christen gehört, die wie Josua ihre Nachbarschaft durch Gebetsgänge verändert haben. Nun denken wir, das sei der Schlüssel. Aber andere Nachbarschaften sind gründlich gebetsspazier-begangen worden, ohne dass Gottlosigkeit und Kriminalität zurückgegangen wären.

Dann wurde uns berichtet, wie nach Aufarbeitung der Schuld eines Ortes und stellvertretender Buße Durchbrüche geschehen sind. Also - meinen wir - sei das nun der Schlüssel für unser Gemeinwesen. Aber nicht jede Bußkonferenz hat den Durchbruch gebracht. Und mancher Durchbruch ist geschehen, ohne dass vorher die Geschichte “durchgebüßt” wurde.

Vielleicht ist öffentliche Anbetung der Königsweg zur Transformation? Schließlich haben nicht nur Joschafat und sein Volk das so erlebt, sondern es gibt genug neuzeitliche Zeugnisse, wie durch Lobpreis Verhältnisse radikal umgedreht wurden. Ich erinnere mich an meine ersten Jahre als Christ. Eine Reihe von Büchern erfreuten sich großer Beliebtheit, die allesamt Variationen über ein einziges Thema waren: “Du musst nur in jeder Situation Gott loben und preisen, dann ändert sich alles.” Das Schöne ist, vieles hat sich so geändert. Das Hässliche ist, es hat sich eben nicht alles geändert.

Dann ist der Schlüssel sicher ein “Power Encounter” wie bei David? Demonstriere öffentlich die Überlegenheit deines Gottes durch Zeichen und Wunder verschiedenster Art, dann gewinnst du deine Stadt. Gott sei Dank, manche Städte sind so gewonnen worden. Andere nicht.

So bleibt nur das Durchbeten. Entsprechende Berichte haben uns immer wieder ermutigt und inspiriert. Aber was ist mit denen, die schon jahrelang fasten und beten und noch keine Veränderung erlebt haben? Demgegenüber scheint es fast ungerecht, wenn wir dann von anderen Gegenden hören, wo der Durchbruch ohne solches Zutun wie eine reife Frucht vom Baum fiel.

Halten wir erst einmal fest: Es gibt nicht den Schlüssel. “Neuer Kampf - neue Strategie”, sagt Gott.

2. Ich bin der Herr, der dich heilt.

Zu den Bundeszusagen Gottes gehörte auch die Heilung von Krankheiten. Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen … so bin ich der HERR, der dich heilt (2.Mose 15,26).

Diese Festlegung Gottes gilt erst recht für uns. Gott hat nämlich inzwischen den “Arbeitsvertrag” des Alten Bundes durch einen “Schenkungsvertrag” ersetzt, den Neuen Bund. Genauer gesagt: Gott erfüllt nicht nur seine eigenen vertraglichen Verpflichtungen. Er erfüllt auch unsere. Gott liefert und Gott bezahlt. In Jesus wird er einer von uns. Durch ihn erfüllt er stellvertretend alles, was der Bund von uns fordert - Gehorsam und Hingabe. So ist der Bund für alle gesichert, die sich im Glauben mit Jesus verbinden. “Durch seine Wunden sind wir geheilt” (Jesaja 53,5). Wer Gott auf der Grundlage des Bundes begegnet, hat sein Wort.

Wie erlebt man nun diesen kostbaren Segen? “Ganz einfach, du musst nur Jesus berühren, und schon fließt seine Kraft”, sagt uns die Frau, die wir durch Luthers Sprachgebrauch als “die Blutflüssige” kennen (Markus 5,25-29). “Nein, man wird ganz anders geheilt”, sagt uns ein ehemals blinder Mann. “Jesus muss auf die Erde spucken und einen Brei machen. Diesen legt er dann auf die kranke Stelle deines Körpers, und nachdem du den Brei an einer nahe gelegenen Wasserstelle abgewaschen hast, bist du geheilt” (Johannes 9,6-7). “Das ist alles überflüssiges Zeug”, fällt ihm ein römischer Hauptmann aus Kapernaum ins Wort. “Der Meister muss nur ein Wort sprechen, dann weicht jede Krankheit” (Matthäus 8,5-13).

Wäre das in Deutschland geschehen, hätten wir schon drei Konfessionen: die Berührer, die Bespucker und die Besprecher. Andere kämen hinzu. Und nicht nur im Empfangen von Heilung finden wir diese Unterschiedlichkeit, auch im Heilungsdienst am Kranken. Jesus heilte durch Handauflegung, durch ein an die Krankheit gerichtetes Wort, durch Speichel und Seufzen, durch eine Aufforderung an den Kranken, durch Kraft, die einfach von ihm floss … Wir sehen in ihm die Treue des Vaters, dessen Willen er ungebrochen ausführte. Gleichzeitig begegnet uns in ihm die Souveränität des Vaters, der in der Wahl der Mittel sehr für Abwechslung zu sein scheint.

3. Gott gibt Kraft, Vermögen zu schaffen

Ein Bund ohne göttliche Versorgung würde uns auf dieser Erde in vielen Situationen ziemlich hilflos lassen. Aber Gott hat sich auch hier festgelegt: “Gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Vermögen zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund” (5.Mose 8,18).

Dieser Gott des Bundes versorgte Israel 40 Jahre lang in der Wüste, gab ihnen ein Land, in dem “Milch und Honig floss”, ließ sie mehr Beute machen, als sie tragen konnten und öffnete die Fenster des Himmels. Selbst wenn durch Missachtung des Bundes das Gros des Volkes in ärgste Bedrängnis kam, fand Gott einen Weg, seine Getreuen am Leben zu erhalten und ihnen das Nötige zukommen zu lassen.

Es wundert uns nicht mehr, wenn wir wieder sehen: jedes Versorgungswunder läuft anders ab. Elia sitzt einfach nur am Bach und wartet auf die Raben, die vom Grill des Königs eine Prophetenabgabe kassieren und zu dem Mann Gottes bringen (1.Könige 17,3-6). Die Witwe in Zarpat muss das Letzte, was ihr geblieben ist, hergeben, damit durch diese Investition (auch “Saat” genannt) die Rendite (auch “Ernte” genannt) bei ihr eingeht: wie viel sie auch backt und verbraucht, Öl und Mehl werden nicht weniger (1.Könige 17,13-16). Eine andere Witwe bekommt von Elisa die Anweisung, so viel leere Gefäße wie möglich zu leihen, weil nach dem Prinzip “Vermehren durch Umschütten” anschließend ihr weniges Öl solange fließen und fließen und fließen wird, wie sie es in ordentlichen Krügen auffangen kann (2.Könige 4,1-6).

Also gibt es auch nicht den Weg der Versorgung. Es gibt nur einen treuen Versorger und unendliche viele Kanäle seiner Treue. Schmerzhaft musste das Mose erleben. Er wollte bei erneutem Wassermangel in der Wüste einem Felsen das kostbare Nass nach dem gleichen Verfahren entlocken wie beim letzten Mal. Gott war darüber nicht glücklich. Schließlich hatte ihn Gott beim zweiten Mal nicht an die noch junge Tradition verwiesen, sondern eine neue Anweisung gegeben (Vergleiche 2.Mose 17,1-6 und 4.Mose 20,7-12).

Diese Beispiele sind für meine Frau und mich von besonderer Bedeutung. Vor einigen Jahren hat Gott uns herausgefordert, eine Pastorenstelle aufzugeben und ohne jede Sicherheit zu leben. Wir sollten keine behördliche Unterstützung in Anspruch nehmen und von uns aus niemanden um Spenden oder Hilfe bitten. Gott würde alles auf den Weg bringen, was wir brauchen.

Bald stellte sich heraus, dass die regelmäßigen Eingänge durch Sponsoren, zu denen Gott gesprochen hatte, längst nicht für unsere Lebenshaltungskosten ausreichten. Wir waren darauf angewiesen, ständig Überraschungen Gottes zu erleben. Wir erlebten sie auch. Wir wohnen immer noch in unserer schönen Wohnung. Wir hungern nur, wenn wir fasten. Gott ist treu.

Kreativ ist er auch. Er lässt sich immer neue Wege einfallen, um diese Geschenke freizuschalten. Im Frühjahr 2002 war ich sicher, dass ich nach Israel reisen sollte. Ich “wusste”, die Finanzen würden ohne mein Zutun zweckbestimmt und vollständig eingehen. So kam es. Es fehlte hinterher nur noch ein kleiner Restbetrag - bis durch einen nachträglichen Rabatt auch der abgedeckt war. Etwas in mir rief “Ja!”, als ich diese Nachricht bekam. Etwas in mir hatte darauf gewartet.

In anderen Fällen stellte sich dieses “Wissen” nicht so mühelos ein. Unser Wohnzimmer war inzwischen renovierungsbedürftig geworden und brauchte eine neue Einrichtung. In diesem Fall fanden wir die Lösung in Markus 11,23. Dort ist zwar nur davon die Rede, zu einem Berg zu sprechen. Aber da Jesus sich ebenso an Sturm und Feigenbaum gewandt hat (und Josua sogar an Sonne und Mond; Josua 10,12), hielten wir es für angemessen, unserem Wohnzimmer eine klare Anweisung zu geben. Wir setzten uns also hin und sprachen: “Wohnzimmer, im Namen Jesu sagen wir dir: werde renoviert und eingerichtet!” Wenig später erhielten wir von unerwarteter Seite einige Tausend Euro, die genau für den besagten Zweck ausreichten. Der Leser ahnt jedoch schon: in anderen Fällen haben wir ebenfalls gesprochen, aber der Schrank blieb leer.

Dafür half das Prinzip von Saat und Ernte. Einmal schaute ich mir die Fernsehshow eines bekannten amerikanischen Evangelisten an. Dieser hatte, offensichtlich als Geldbeschaffungsmaßnahme, einen Studiogast eingeladen, der eine schreckliche Bibelauslegung ablieferte. Irgendwelche rituellen Geschehnisse des Alten Testaments wurden allegorisch so gedeutet, dass der Zuschauer am Ende genau wusste, bis zu welchem Datum er welchen Betrag einzusenden hatte. Das würde den eigenen finanziellen Durchbruch des Spenders herbeiführen.

Einen neuen Durchbruch brauchte ich. Aber diese manipulative Belehrung gefiel mir nicht. Bis eine leise Stimme in meinem Inneren mir sagte, ich sollte auf hochmütige Besserwisserei verzichten und mich demütigen. “Demütigen” klingt nicht nur unangenehm, es kostete in diesem Fall sogar Geld. Ich spendete. Gott lohnte. In den darauf folgenden Wochen erhielten wir ungefähr das Hundertfache der eigenen Investition. Später spendeten wir diesem Evangelisten erneut einen Betrag. Wen wundert es, dass in diesem Fall der Auszahlungsfaktor nicht 100 war, sondern 0?

Dafür säten wir auf andere Felder. Wir waren wieder einmal in den roten Zahlen. Da erfuhren wir von einer jungen Familie, die ihr Auto nicht halten konnten. Unser Auto hatte kurz vorher für TÜV und anderes 350 Euro weniger verschlungen, als ich befürchtet hatte. Obwohl wir selber sehr bedrängt waren, spürte ich in meinem Herzen den Wunsch, diese 350 Euro an diese Familie zu verschenken. Binnen weniger Wochen “ernteten” wir ca. 3500 Euro - diesmal hatte der Herr sich für den Faktor 10 entschieden.

Nicht jedes Mal haben wir postwendend geerntet, wenn wir etwas verschenkt haben. Aber immer hat es sich gelohnt. Denn Schenken selbst macht Freude, dem Empfänger und dem Geber. Manchmal ist es darüber hinaus der Schlüssel zu eigenem Segen, manchmal nicht. Wir leben in einem Spannungsfeld. Gott ist ebenso unberechenbar, wie er treu ist. Wer von ihm abhängig ist, für den ist Langeweile vorbei.

4. Online-Banking im Himmel

Immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte über das Internet. Ich auch. Dazu rufe ich die Web-Seite meiner Bank auf und melde mich an. Ich gebe mein Konto und eine PIN ein, die die Bank mir vor meinem ersten Online-Besuch mitgeteilt hat. Wenn diese PIN (Persönliche Identifikations-Nummer) stimmt, habe ich Zugang zu meinem Konto. “Willkommen, Haso”, begrüßt die Bank mich freundlich. Ich kann feststellen, was auf meinem Konto ist, und alle Ein- oder Ausgänge überprüfen. Durch die PIN habe ich Zugang.

Nun will ich über das, was mir gehört, auch verfügen. Ich will Einkäufe bezahlen, Geld überweisen, spenden oder Daueraufträge einrichten. Was ich habe, kann ich ausgeben. Also fülle ich fröhlich die entsprechenden Online-Formulare aus. Dann noch ein Klick auf “Auftrag ausführen”, und schon tut die Bank, was ich will. Von wegen! Stattdessen öffnet sich mir ein neues Fenster, in dem ich alle Eingaben überprüfen und eine TAN (Trans-Aktions-Nummer) eingeben soll, die ich ebenfalls von der Bank erhalten habe. Durch die PIN habe ich Zugang, durch die TAN kann ich verfügen.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen PIN und TAN. Die PIN ist immer und überall gleich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit habe ich durch dieselbe fünfstellige Zahl Zugang zu meiner Bank. Wenn ich auf die Fidschi-Inseln reise und dort ein Internet-Café finde, verschafft dieselbe PIN mir den Zugang zu meinem Konto: “Guten Morgen, Haso”, begrüßt mich meine Bank, obwohl es in Suva gerade 20.00 Uhr ist. Die PIN ist unabhängig davon, ob mein Konto im Plus oder im Minus ist. Sie ist meine Dauer-Verbindung mit der Bank.Ganz anders ist es mit der TAN. Am Anfang hat die Bank mir eine Liste mit 50 sechsstelligen Zahlen geschickt. Jede dieser TANs ist nur für eine einzige Bankverfügung gültig. Beim nächsten Mal muss ich eine andere wählen. Inzwischen gehen immer mehr Banken aus Sicherheitsgründen sogar dazu über, indizierte TANs (iTANs) zu verwenden. Bei diesem Verfahren gibt die Bank dem Kunden erst während der Transaktion an, wo auf seiner Liste die TAN steht, die er für diesen Vorgang eingeben muss. Somit weiß kein Kunde (und auch kein Betrüger) im Voraus, welche TAN für die nächste Überweisung gültig sein wird. Wenn es soweit ist, teilt die Bank es ihm mit. Erst nach dieser Mitteilung kann er über das verfügen, was sein ist.

Meine Bank ist nicht der Himmel. Aber der Himmel funktioniert genau wie meine Bank. Ich habe eine PIN bekommen, mit der ich Zugang zu Gottes Welt habe. Diese PIN besteht aus fünf Buchstaben: J-E-S-U-S. Dieser Name schließt mir den Himmel auf. Wo und wann immer ich ihn gebrauche, werde ich begrüßt: “Willkommen, Haso!”

Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater (Epheser 2,18). “Wir beide” heißt in diesem Fall “wir alle” - “ich und DU”. Die PIN für den Himmel ist für alle Menschen gleich. Deshalb musst du dir keine Sorgen machen, dass deine PIN durch Phishing (Passwort-Diebstahl) in falsche Hände gerät. Im Himmel ist sowieso für alle genug. Wer immer durch Jesus zum Vater kommt, darf einloggen. Behalte deine PIN bloß nicht für dich!

Du brauchst für den Zugang zu Gott kein Internet. Der Geist Gottes ist wie ein drahtloses Netzwerk allgegenwärtig. Wenn du im Glauben den Namen Jesus anrufst, verbindet er dich.

Der Himmel ist viel mehr als eine Bank. Der Anlass für den ersten Zugang kann sehr unterschiedlich sein, wie beim Internet. Du brauchst Hilfe, suchst Rat oder Auskunft? Im Himmel bist du richtig. Der Himmel ist Chat-Room (du kannst dich online mit Gott unterhalten), Suchmaschine (gib deine Fragen ein und warte, welche Antworten dir der Heilige Geist geben wird), Multimedia-Portal (durch Träume, Visionen und Gottes Stimme wird Gottes Weisheit zu dir downgeloaded) und noch mehr.

Früher oder später solltest du aber entdecken, dass der Himmel auch eine Bank ist. Ein Konto für dich ist schon eingerichtet - in der Bibel “Erbe” genannt. Über die Einzahlung kannst du dich nicht beklagen (Epheser 1,3). Es gibt sogar genaue Aufstellungen, was in deinem Kontodepot alles bereit liegt. Dazu gehören die Siege, die du brauchst (2.Korinther 2,14). Heilung gehört dir, weil du durch Jesus ein Kind Gottes bist (Matthäus 15,26; 1.Petrus 2,24). Dort ist alles, was du zum Leben und zum Geben brauchst (Philipper 4,19; 2.Korinther 9,8). Cool - nicht wahr?

Nun wird es dir mit dem Himmel wie mir mit meiner Bank gehen: Was dir gehört, darüber möchtest du auch verfügen. Also schickst du deinen Überweisungsauftrag - auch “Gebet” genannt - ab. Und schon hast du ein Problem. Manchmal funktioniert es, mehr als manchmal funktioniert es nicht. Du weißt nicht, warum. Also suchst du Erklärungen. Schließlich willst du über dein Erbe verfügen.

Mach jetzt bloß nicht den Fehler, dich an eine menschliche Hotline zu wenden. Wenn du in die Hände der Schriftgelehrten fällst, wirst du noch verwirrter, als du schon bist. Die einen sagen dir: “Die himmlische Bank ist souverän.” Ihre unerforschlichen Ratschlüsse legen fest, wann sie etwas hergibt. Im negativen Fall ist es am besten, wenn du dich über diesen Mangel mit der Gewissheit tröstest: “Der Himmel weiß besser, was gut für mich ist.”

Die anderen sagen dir: “Du brauchst mehr Glauben!” Aber du bist in dem Namen “Jesus” gekommen. Du hast nicht an Gott appelliert, dir etwas zu schicken, weil du so brav oder so verzweifelt bist. Alles, was dir gehört, gehört dir, weil Jesus für dich eingetreten ist. Wie willst du diesen Glauben noch steigern? Nicht “Jesus”, sondern “JESUS” oder“JESUS” oder “Jesus”?

Nein, “Jesus” ist genug. Was du brauchst, ist nicht ein PIN-Verstärker, sondern eine iTAN, ein praktischer Schlüssel, der deinen Glauben in diesem Fall wirksam macht. Ein Gedanke, eine Haltung, ein Wort oder eine Handlung, durch die der konkrete Segen freigeschaltet wird, damit er vom himmlischen Konto in deine irdische Realität fließen kann. Diese iTAN teilt der Heilige Geist dir mit - nicht auf Vorschuss, sondern immer dann, wenn eine konkrete Transaktion des Glaubens zu tätigen ist.

Alle Erfahrungen der Bibel (und auch eigene), die ich am Anfang erwähnt haben, kamen zustande, weil Menschen ihre jeweilige iTAN empfangen und eingesetzt haben. Immer war es der Glaube an Gott, an Jesus, der ihnen den Zugang verschaffte. Jedes Mal war es eine andere, neue iTAN, durch die Gottes Hilfe abgerufen wurde.

Brauchst du etwas aus dem Himmel? Dann brauchst du eine neue iTAN. Sonst kannst du stundenlang in Sprachen beten, tagelang Bibelverse proklamieren, wochenlang fasten, monatelang positive Bekenntnisse ablegen und jahrelang den Zehnten geben, ohne dass etwas passiert.

Sicher interessieren dich jetzt zwei Fragen: Was für iTANs gibt es? Und wie finde ich heraus, welche ich jeweils brauche? Erwarte nicht zuviel von mir. Der Heilige Geist ist der iTAN-Informant. Aber ein paar Tipps kann ich dir schon geben.

5. Schlüssel für göttliche Transaktionen

Hier also einige praktische Hinweise:

a) Deine iTAN ist nicht dieselbe wie beim letzten Mal.

Wir suchen Prinzipien, die wirksam sind. Gott sucht Herzen, die hörfähig sind. Wir möchten wissen, wie es funktioniert. Gott möchte, dass wir mit ihm vertraut werden. Wir würden gerne geistliche Universalschlüssel entdecken. Gott liebt iTANs.

Dass Gott es schon einmal “so” gemacht hat, bedeutet nicht, dass er es das nächste Mal wieder “so” macht. Ganz im Gegenteil. In einer bestimmten Phase deines Lebens begegnet dir ein Lied, durch das Gottes Gegenwart überwältigend in dein Leben eindringt. Einige Zeit später gehst du wieder durch die Wüste und sehnst dich nach ihm. Du erinnerst dich an dieses Lied und holst die CD raus. Du hörst und hörst, und der Himmel schweigt und schweigt.

Charles Finney war ein bekannter Evangelist des 19. Jahrhunderts. Als er ein junger Mann war, gab es in den Vereinigten Staaten an vielen Stellen Erweckung. Nachdem Finney zum Glauben kam, zeigte Gott ihm einige praktische Schritte (= iTANs), durch die er selber mit einigen besonders kraftvollen Aufbrüchen an diesen Erweckungen beteiligt war. So weit, so gut. Nur glaubte Finney, jetzt den Schlüssel für Erweckung gefunden zu haben. Er schrieb: “Eine Erweckung ist … das Ergebnis der rechten Anwendung der dazu nötigen Mittel - so wie jeder andere Effekt durch die Anwendung der geeigneten Mittel hervorgerufen werden kann … Eine Erweckung ist ein genauso natürliches Ergebnis des Gebrauchs geeigneter Mittel, wie eine Ernte auf den Einsatz der dazu nötigen Mittel folgt.” Seine Behauptung: Christen könnten jederzeit an jedem Ort Erweckung erleben, wenn sie nur den Schritten folgten, die er gefunden hatte.

Das Ergebnis: Es gibt kaum ein Buch, das so sehr die Sehnsucht von Christen nach Erweckung geweckt hat wie Finneys “Revival of Religion”. Und es gibt kaum ein Buch, das erweckungshungrige Christen so sehr unter Druck gebracht und frustriert hat wie Finneys “Revival of Religion”. Mein Rat: wenn du Erweckung haben willst, frage den Heiligen Geist und nicht Charles Finney. Er hat übrigens in seiner späteren Lebensphase mit seinen Prinzipien auch nicht mehr dieselben kraftvollen Erweckungen erlebt wie in jüngeren Jahren. Seine Bücher sind gut, wenn du ein reines Herz haben und Buße tun möchtest. Sie sind schlecht, wenn du den Schlüssel suchst. Es gibt nicht den allgemeingültigen Weg zur Erweckung - nicht einmal bei Charles Finney.

b) Deine iTAN ist nicht dieselbe wie bei einem anderen.

Du hörst den Bericht eines anderen Christen, wie Gott ihm geholfen hat. Er erzählt, welche Bibelstellen er dabei proklamiert hat. Du hast dasselbe Problem. Du proklamierst dieselben Bibelstellen. Dir wird nicht geholfen.

Der nächste erzählt dir, wie er als Kranker im Glauben aus dem Bett aufstand und zur Arbeit ging. Während er auf dem Weg war, wichen alle Symptome. Du bist auch krank. Du steht “im Glauben” aus dem Bett auf und gehst zur Arbeit. In der U-Bahn brichst du zusammen.

Bruder Schmidt hatte Schulden. Auf Gottes Wort hin spendete er den Differenzbetrag zu seinem Dispo-Limit an ein Missionswerk. Am nächsten Tag erhält er einen Umschlag mit 20.000 Euro. Du hast Schulden. Auf Bruder Schmidts Zeugnis hin gibst du den Differenzbetrag zu deinem Dispo-Limit ebenfalls an ein Missionswerk. Du kannst die nächste Miete nicht bezahlen und musst deine Eltern anpumpen.

Ich denke, du hast mich verstanden. Lass dich durch Berichte von anderen ermutigen. Aber kopiere sie nicht.

c) Falsche iTANs

Die meisten Missgriffe werden in Verbindung mit dem Wunsch nach Heilung gemacht. Das ist verständlich. Je größer der Leidensdruck, desto eher greifen wir in unserer Verzweiflung nach jedem Strohhalm. Was verständlich ist, muss nicht hilfreich sein. An dieser Stelle lassen manche sich von vermeintlichen iTANs locken, die in Wirklichkeit keine sind. Besonders anfällig sind dafür Christen, die wie ich stark von der “Glaubensbewegung” inspiriert sind. “Uns” gelten die folgenden Warnschilder.

Es ist in der Regel nicht deine iTAN, nicht zum Arzt zu gehen oder Medikamente wegzulassen. Es ist Christen anscheinend nicht auszureden, dass der Verzicht auf medizinische Hilfe besonders göttlich, geistlich und glaubensvoll ist. Gott ist dadurch nicht beeindruckt. Für dich kann es gefährlich sein. Und wenn du “im Glauben” ohne Brille Auto fährst, ist das nicht Glaube, sondern Unvernunft und Gefährdung der Allgemeinheit. Gottes Ehre steht nicht auf so tönernen Füßen, dass sie Schaden leidet, wenn ein Chirurg an deiner Wiederherstellung beteiligt ist.

Es ist meistens auch nicht deine iTAN, überall schon deine Heilung auszuposaunen, bevor die körperlichen “Symptome” verschwunden sind, weil du sie “im Glauben” und “durch seine Striemen” (Jesaja 53,5) ja schon hast. Ich weiß, dass es wichtig ist, “im Glauben” zu bekennen und auszusprechen, was noch nicht sichtbar ist. Aber tu das für dich. Den Glauben, den du hast, behalte bei dir selbst vor Gott (Römer 14,22). Mach kein öffentliches Zeugnis daraus - schon gar nicht, um dadurch eigene Unsicherheit zu kompensieren. Solche Muskelspiele bringen nichts. (Übrigens ist es kein Unglaube, wenn du dem Arzt oder der Mutter noch erzählst, wo es weh tut.)

d) Das Wort wird zum iTAN.

Ganz besonders liebt der Heilige Geist es, Problemlösungen durch Bibelworte freizuschalten. Dazu nimmt er ein Wort, das du bereits kennst oder gerade liest, und macht es so in deinem Inneren lebendig, dass es für dich ein persönlicher Zuspruch wird. In manchen Kreisen sagt man dazu: Der “Logos” (das allgemeine Wort Gottes) wird zum “Rhema” (dem aktuellen Wort Gottes). Dieses spezielle Rhema bereitet den Weg für Gottes Eingreifen.

Durch das Logos-Wort (die Bibel) hast du Wissen über Gott bekommen. Du kennst seine Verheißungen. Du kennst deine PIN, den Namen “Jesus”. Aber ohne “Rhema”, ohne ein lebendiges, frisch gehörtes Wort, kommst du oft nicht durch. Morgens und abends proklamierst du 6 Bibelstellen über Heilung. Aber nach wie vor brauchst du nach dem Mittagessen und vor dem Einschlafen 6 Tabletten. Bis eine von diesen 6 Bibelstellen dich im Innersten berührt. Jetzt weißt du, dass Gott am Werk ist. Bald nimmst du nur noch die Bibelstellen ein und kannst die Tabletten weglassen, weil du gesund bist.

Als junger Pastor war ich in einer Gemeinde tätig, die ihre Gehaltszahlungen stärker an der Tugend der Sparsamkeit als am Existenzminimum einer Familie bemaß. Das heißt, es konnte nicht reichen. Wir beteten und hofften. Das Konto ging weiter in die Miesen.

Eines Tages kam ich wieder mit einem wenig erfreulichen Kontoauszug von der Bank nach Hause. An diesem Tag wurden zwei Bibelstellen für mich zum Rhema. Die erste steht in 2.Könige 19,14. Der König Hiskia hatte gerade einen bedrohlichen Brief erhalten. Mit diesem Brief ging er in das Haus Gottes und breitete ihn vor Gott aus. Der Herr las ihn, und der Herr beantwortete ihn. Das Ende war glorreich - für Hiskia, nicht für den Schreiber.

Ich hatte gerade einen bedrohlichen Kontoauszug erhalten. Mit ihm ging ich in mein Büro, kniete mich nieder und breitete ihn auf einem Hocker vor dem Herrn aus. Der Herr schaute ihn an.

Dann ging ich zu meiner Frau in die Wohnung. Wir schlugen die Bibel auf und lasen Matthäus 6,25-34. Das Wort wurde zum Rhema, während wir lasen. Wir heulten. Gott handelte. Zwei Kollegen erkundigten sich kurz danach ohne mein Zutun nach unserer Situation und sorgten dafür, dass unser Gehalt angepasst wurde. Und anders als bei Hiskia kam niemand zu Schaden. Ich habe bei anderen Gelegenheiten dieses Verfahren wiederholt und Gott das eine oder andere Schriftstück zu lesen gegeben. Aber diese iTAN war verbraucht. Sie wirkte nicht mehr.

e) Die Gaben des Geistes

Zur iTAN für Gottes Eingreifen können auch die Gaben des Heiligen Geistes werden. Du hast ein hartnäckiges Problem, dass sich als resistent gegen Handauflegung, Fasten und dergleichen mehr erwiesen hat. In einem Gottesdienst wird plötzlich von vorn durch ein “Wort der Erkenntnis” deine Situation beschrieben, durch jemand, der sie nicht kennt. Jetzt weißt du, dass Gott eingreifen wird. Das geschieht auch bald danach.

In einem anderen Fall plagt dich eine ebenso beharrliche Not. Du suchst Gebet und Beratung. Gemeinsam hört ihr auf Gott. Der Heilige Geist spricht und zeigt einen Bereich deines Lebens, der bisher die Hilfe Gottes blockiert hat. Anschließend ist es ganz leicht, im Glauben Gottes Lösung zu empfangen.

Oft wird die Gabe des Glaubens zu einer iTAN. Die Gewissheit des guten oder gewünschten Ausgangs einer Sache stellt sich in deinem Herzen ein. Anschließend stellt sich der gute Ausgang in deinen Umständen ein. Wenn das geschieht, kommt es dir sehr leicht oder selbstverständlich vor. “Ich habe einfach nur geglaubt”, denkst du. “Was soll diese ganze iTAN-Geschichte? Die macht alles nur kompliziert.” Nein, dein “einfacher” Glaube war deine iTAN.

f) Saat und Ernte

Finanzielle - aber auch andere - Wunder werden häufig durch eine spezielle iTAN auf den Weg gebracht: ein Sonderopfer. So ging es der schon erwähnten Witwe von Zarpat (1.Könige 17,13-16). Kurz vor dem Verhungern wurde sie durch Elia herausgefordert, den letzten Rest an Nahrungsmitteln zu verschenken. Sie tat es, und der letzte Rest wurde nicht alle. Viele andere haben es ähnlich erlebt. Amerikanische Christen sagen: “If it doesn´t meet your need, make it a seed.” Auf Deutsch ungefähr: “Wenn es sowieso nicht reicht, säe (= opfere) es.” (Vielleicht leuchtet es nicht jedem Leser ein, dass man Geld wie Holundersamen und Obstkerne säen kann. Lies 2.Korinther 8-9.)

Aber Achtung! Pass auf, dass du nicht aus lauter Verzweiflung etwas tust, was du nicht von Gott gehört hast - und wofür du auch nicht wirklich innere Gewissheit hast. Deshalb auch hier einige Warnschilder.

Glaube nicht an Prinzipien oder Gesetze, sondern an Gott, deinen Versorger. Nicht immer ist dieses Sonderopfer die iTAN zum Durchbruch. Oder kannst du in 2.Könige 7 irgendetwas erkennen, was die vier Aussätzigen und der Rest der Stadt im Glauben gesät hätten?

Lass dich nicht unter Druck bringen. Es gibt leider Verkündiger, die bei dem Prinzip von Saat und Ernte vergessen, dass es noch andere Felder als ihr eigenes gibt. Wenn dir einer sagt, dass du nicht nur irgendwohin, sondern unbedingt in sein Werk säen musst, um durchzubrechen, denke daran: deine iTAN kommt vom Herrn, nicht von Evangelist Soundso.

In einer der ältesten Schriften der Christenheit nach dem Neuen Testament, der Didache, steht ein weiser Satz: “Es soll schwitzen dein Almosen in deinen Händen, bis du weißt, wem du es gibst.” Du weißt es, wenn Gott es dir gesagt hat. (Aber vergiss nicht: dein Geld ist dein Geld. Wenn du welches übrig hast, steht es dir völlig frei, zu spenden und zu verschenken, wohin du willst. Du brauchst keine ausdrückliche himmlische Erlaubnis. Aber wenn du Versorgung brauchst und dein Opfer eine iTAN sein soll, musst du von Gott hören, wie viel und wohin du geben sollst.

Nicht alles, was einleuchtend klingt, ist wahr. Davon sind auch Ansprachen vor der Opfersammlung nicht ausgenommen. Kollektenredner haben ein Ziel: sie wollen Geld für einen guten Zweck beschaffen. Kollektenredner haben ein Feindbild: den Geizkragen, der in jeder Versammlung sitzt. Kollektenredner bedenken oft eins nicht: In jeder Versammlung sitzt auch der Bedürftige, der mindestens so in Not ist wie das Werk, für das gerade gesammelt wird. Und vermutlich sitzt dort auch der verunsicherte, religiös angeschlagene Bedürftige, der sowieso immer das Gefühl hat, nie genug getan zu haben. Deshalb ist folgende Aussage nicht wahr: “Frage Gott, was du geben sollst. Und wenn dir eine große Zahl in den Sinn kommt, weißt du: das kannst nicht du selbst sein, die Zahl ist zu hoch; das kann nicht der Teufel sein, denn der Teufel wird dich nicht zu guten Werken anleiten; also muss es Gott sein.”

Falsch!!! Es kann sehr wohl der Teufel sein, oder zumindest dein eigenes schwaches Gewissen. Wenn du der Typus bist, der schon das letzte Hemd gegeben hat und immer noch besorgt ist, dass Gott ihm nicht helfen wird, solange er noch das letzte Unterhemd besitzt, dann bist du das ideale Opfer für “religiöse Geister”. Wenn sie sensible oder nervenschwache Christen nicht davon abbringen können, auf Gottes Wegen zu gehen, wollen sie sie auf Gottes Wegen zu Tode hetzen. Sie werden dich zu guten Werken prügeln, bis du erschöpft zusammenbrichst. Auf diese Weise stellen sie sicher, dass du nie in die Freiheit der Kinder Gottes kommst und ihnen nicht wirklich gefährlich wirst.

Ihr lieben Kollektenredner, sagt es so: “Frage Gott, was du geben sollst. Vielleicht kommt dir eine große Zahl in den Sinn. Dann lass den Frieden Christi in deinem Herzen den Schiedsrichter sein (Kolosser 3,15). Dein Gefühl mag dir sagen: das kann nicht sein. Aber wenn es von Gott ist, dann wirst du tief in dir Gewissheit und Frieden wahrnehmen. Wenn nicht, dann lass es. Gib nicht mehr, als du mit Frieden geben kannst. Schließlich bist nicht du der Versorger unseres Werkes, sondern Gott.”

g) Die Werke des Glaubens

Du glaubst, dass Gott treu ist. Du glaubst, dass Gott dich gegen den Teufel gewinnen lässt. Du glaubst, dass er dich gesund macht. Du glaubst, dass er dich versorgt. Du glaubst vieles mehr.

Sicher möchtest du, dass dieser Glaube lebendig ist. Eine aufgebahrte Glaubensleiche im Wohnzimmer deines Herzens bringt es schließlich nicht. Dann höre auf Jakobus: “Wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke” (2,26).

Was ich als “iTANs” bezeichne, nennt Jakobus “Werke” des Glaubens. Schließlich gab es damals noch kein Online-Banking. Werke des Glaubens sind Handlungen, durch die unsere Erwartung auf Gottes Eingreifen konkret wird.

Somit haben diese iTANs eine doppelte Funktion. Für dich sind sie die Freischalter deines himmlischen Erbes. Für Gott sind sie die Tests, ob du glaubst. Die Devise ist nicht: “Glaube und schufte!” Die Devise ist: “Zeige durch einen praktischen Schritt, dass du deinen Glauben ernst nimmst.”

Gott wird dir solche praktischen Schritte maßgeschneidert für deine Situation zeigen. Sie können ungewöhnlich, manchmal sogar skurril sein. Dann denke daran: Gott zu gehorchen ist besser als mit ihm zu diskutieren.

Für einen Offizier wie Naaman war die ideale iTAN, sich zu demütigen und siebenmal im Jordan unterzutauchen (2.Könige 5). Dieser Schritt war lächerlich einfach. Jedes Kind in Israel weiß, wo der Jordan ist. Jeder Offizier kann bis sieben zählen. Gottes iTANs sind nicht schwer (1.Johannes 5,3). Aber Naaman hätte lieber eine große Sache unternommen. Gott ignorierte seinen Wunsch nach einer standesgemäßen iTAN.

iTANs sind nicht schwer, aber sie können demütigend sein. Gott weiß, wo dein Stolz sitzt. Seine iTANs sind treffsicher. John Wimber hat einmal gesagt: “God offends the mind to reveal the heart.” Frei übersetzt: “Gott tut Dinge, die deinem Verstand ärgerlich oder lächerlich vorkommen, um dir zu zeigen, wie viel Stolz in deinem Herzen sitzt.”

Wundere dich nicht, wenn Gott dir merkwürdige iTANs benennt. Hier sind einige weitere biblische Beispiele. Wunder wurden ausgelöst, wenn Menschen auf Gottes Wort hin

  • einem Experten klares Brunnenwasser zur Weinprobe brachten
  • zum Angeln gingen, wenn sie Geld für die Steuer brauchten
  • am helllichten Tag einen Fischzug unternahmen, der nur in einem Fiasko enden konnte

  • wenige Brote unter eine große Menschenmenge austeilten

  • einen Stock über ein Meer hielten oder in einen Fluss steckten
  • andere Menschen mit ihrem Schatten berührten

Wichtig ist nur, dass Gott es gesagt hat. Randy Clark erzählt, wie er in einem Heilungsgottesdienst vor seinem inneren Auge Menschen stehen sah, die ihren Oberkörper vor und zurück bewegten. Gott sprach zu ihm: “Rufe alle Leute nach vorn, die Probleme mit ihrem Verdauungsapparat haben. Wenn sie sich so bewegen, werden sie geheilt werden.” Randy Clark wusste gleich: sie würden einige Zeit durchhalten müssen, mindestens so lange, bis sie sich total bescheuert vorkämen. Aber er war gehorsam. Nach seinem Aufruf kamen 200 Leute nach vorn. Zwei (sehr lange) Minuten beugten sie sich vor und zurück. Mehr nicht.

Viele Leute wurden geheilt. Vom Hals bis zum Darmausgang war Gottes Kraft in den verschiedensten körperlichen Bereichen durch diese iTAN freigeschaltet worden. Randy Clark selber hatte unter Darmblutungen gelitten - nicht sehr beruhigend, wenn der eigene Großvater an Darmkrebs gestorben ist. Von dem Tag an waren sie verschwunden. Eine Frau erzählte, dass ein chronisches Hämorrhoiden-Leiden augenblicklich beendet war, von dem sie 50 Jahre geplagt worden war. Was hat das mit lächerlichen Bewegungen des Oberköpers zu tun? Das weiß nur Gott. (Ich muss nicht mehr betonen, dass du deinen Oberkörper bis zum Jüngsten Tag vor und zurück schwingen lassen kannst, ohne dass etwas passiert - es sei denn, du hättest es auch von Gott gehört.)

h) Bleib dran!

Fast hätte ich eine etwas Wichtiges vergessen. Viele iTANs enthalten die Buchstabenfolge G-E-D-U-L-D. Oder vielleicht solltest du die Tasten deines Herzens etwas länger gedrückt halten, wenn du diese TAN eingibst: GGGGGGGGGeeeeeeeeeeeddddddddddduuuuuuuuulllllllllllddddddddddddddd!!!!!!!!!!!!

Wenn du geglaubt hast, was Gott dir versprochen hat, wenn du getan hast, was er dir gesagt hat, dann warte. Wenn dein Herz dir sagt, dass du im Frieden Gottes bist, bleibe in diesem Frieden. Grabe nicht im Unglauben wieder aus, was du im Glauben gesät hast.

Gib nicht auf!

6. Wie kommt man an seine iTANs?

Wie erfährst du nun in einer konkreten Situation, welches die jetzt zu verwendende iTAN ist? Diese Frage ist eigentlich falsch. Die richtige Frage ist: von wem erfährst du deine iTAN? “Von Gott natürlich”, denkst du jetzt. Aber du solltest es genauer wissen: “Von dem Gott, der dein Freund geworden ist.” Oder noch genauer: “Von dem Gott, dessen Freund du geworden bist.”

Erinnere dich: auch wenn du die iTAN noch suchst, die PIN hast du schon. Der Zugang zu ihm ist frei. Wenn du auf Erden noch Schulden hast, im Himmel hast du keine. Dort wartet nicht der Gerichtsvollzieher, sondern der Vater. Mach von deiner PIN nicht nur Gebrauch, wenn du Kohle brauchst oder ähnliches. Mach von ihr Gebrauch, weil es bei Gott schön ist.

“Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten (höher achten als alles andere), und seinen Bund lässt er sie wissen” (Psalm 25,14). Gott sucht Freunde, und an sie verteilt er seine iTANs. Suche nicht nur iTANs, suche Gott. Vertiefe deine Freundschaft mit ihm, und er flüstert dir deine iTANs zu.

Aber erwarte jetzt nicht eine Schrift aus Wolken am Himmel, einen Chor von Engeln in deinem Schlafzimmer, eine Stimme aus deinem Kamin oder eine Hotline zum Prophetenbüro “O. Fenbar”. Warum sollte Gott von außen zu dir reden, wenn er in dir wohnt?

Häufig erfährst du deine iTAN so: Du verbringst Zeit mit Gott, füllst dein Denken mit seinem Wort und beschäftigst dich mit seinen Taten und Verheißungen. Im Nachdenken verbindest du sie mit deinen Anliegen. Du stellst dir Gottes Lösungen vor. (Ja, ich rede vom Visualisieren! Habe keine Angst davor, auch wenn manche Ketzerjäger das für New Age halten. Wenn du es nämlich nicht tust, wird dein inneres Auge nicht untätig bleiben. Du wirst die Absichten des Teufels visualisieren - man nennt das “Sorge”. Davor sollten die Ketzerjäger dich warnen.)

Wenn du dich so auf Gott ausrichtest, werden dir Gewissheiten kommen oder Ideen einfallen, die in deinem Herzen Sicherheit oder Entschlossenheit auslösen. Das sind deine iTANs.

Anschaulich ist besser. Gehen wir noch einmal zu den drei geheilten Personen zurück, von denen schon die Rede war. Wie erhielten sie ihre iTAN?

Für den blindgeborenen Mann war es wirklich einfach. Er hatte sich nicht mit Jesus beschäftigt. Jesus hatte sich mit ihm beschäftigt (Johannes 9,1-3). Der Mann saß bettelnd am Weg und erwartete nichts Böses und nichts Gutes. Da trat Jesus auf ihn zu und strich ihm seine iTAN auf die Augen. Der anschließende Schritt des Glaubens, sich diesen Brei am nahe gelegenen Teich wieder abzuwaschen, wurde sicher durch sein Reinlichkeitsbedürfnis erleichtert. Nichts gesucht und alles gefunden. Manchmal geht es so.

Jetzt stelle dir die “blutflüssige” Frau vor. Zwölf Jahre körperliches Leiden. Zwölf Jahre “unrein” (nach damaligem Verständnis). Zwölf Jahre immer von anderen getrennt, kein gemeinsamer Raum, kein gemeinsamer Tisch, keine gemeinsamen Unternehmungen. Zwölf Jahre soziales Leiden. Natürlich auch kein Gang zur Synagoge, und schon gar nicht nach Jerusalem zum Tempel. Von Gott getrennt und verstoßen, sagten die Leute. Zwölf Jahre geistliches Leiden. Viele erfolglose Arztbesuche, bei Quacksalbern, die heute keine Kassenzulassung bekämen. Deshalb zahlte auch keine Kasse. Am Ende war sie arm. Zwölf Jahre finanzielles Leiden.

Dann hört sie von Jesus. Er heilt Menschen. Hoffnung kommt in ihr Herz. Und gleich stirbt die Hoffnung wieder. Sie ist ja unrein. Sie kann nicht zu ihm gehen. Aber ihre Gedanken kommen von diesem Jesus nicht los. Immer wieder kreisen ihre Vorstellungen um ihn. Sogar Aussätzige soll er geheilt haben. Gibt es nicht doch eine Möglichkeit? Man erzählt, dass manchmal so viel Kraft von ihm ausgeht, dass Leute durch eine bloße Berührung gesund werden. Da kommt ihr eine Idee: “Jesus trägt sicher wie alle Männer einen Tallit (einen Gebetsmantel). Von den Ecken dieses Mantels baumeln Quasten herab. Er wird es überhaupt nicht merken, wenn ich eine von diesen Quasten kurz antippe. In der Menge fällt das nicht auf.”

Mit diesen Gedanken kommt Entschlossenheit in ihr Herz. Äußerlich mag sie nervös sein, Angst vor Entdeckung haben. Schließlich ist es ein religiöses Verbrechen, was sie vorhat. Sie verunreinigt jeden, den sie berührt. Erwischen lassen darf sie sich nicht. Aber tief in ihrem Herzen ist diese Sicherheit: “Wenn ich nur seine Quaste berühre, werde ich gesund.” Sie hat ihre iTAN gefunden.

Oder stell dir den Hauptmann von Kapernaum vor. Sein Diener, der ihm mehr als ein Diener geworden war, liegt krank im Bett. Sehr krank. Unheilbar. Es ist schrecklich, seinen Verfall ansehen zu müssen, ohne helfen zu können. Die Ärzte der Stadt haben nichts vermocht.

Da taucht ein Wunderheiler in Kapernaum auf - Jesus aus Nazareth. Es gibt so viele Heilungen, dass man auch in der römischen Kaserne davon hört. Hoffnung kommt in das Herz des Offiziers. Er lässt sich alles berichten, was über diesen Jesus zu erfahren ist.

Der Diener ist nicht transportfähig. Wird Jesus auch zu einem Nichtjuden kommen? Der Hauptmann kennt die religiösen Skrupel der Juden. Aber versuchen kann er es ja. So sendet er eine Delegation zu Jesus und bittet ihn, in sein Haus zu kommen. Geschickterweise findet er einige jüdische Fürsprecher. Vielleicht können sie Jesus überreden?

Nun ist diese Delegation auf dem Weg. Aber der Hauptmann ist mit seinen Gedanken nicht fertig. Er sinnt weiter über Jesus nach. Woher hat dieser Mann seine Autorität? Von Autorität versteht der Hauptmann etwas. Er hat selber das Sagen in seinem Revier. Er weiß, woher Autorität kommt. Seine eigene kommt daher, dass er sich den Weisungen des Kaisers unterordnet. Er weiß, wie man Autorität ausübt: Sage deinen Untergebenen, was sie tun sollen, und sie tun es.

Da wird ihm klar: Mit Jesus ist das genauso. Seine Autorität kommt daher, dass er sich den Weisungen Gottes unterordnet. Deshalb erstreckt sie sich nicht nur auf Soldaten und Adjutanten, sondern auch auf Krankheiten und sonstige Nöte. Gott ist größer als der Kaiser. Deshalb muss auch Jesus nur sprechen, und schon verhalten sich Krankheiten wie gedrillte römische Legionen.

“Das ist die Lösung”, entfährt es dem Hauptmann. Jesus muss überhaupt nicht in mein Haus. Er muss nur ein Wort sprechen, und mein Diener wird gesund. Sein Herz hat seine iTAN vernommen. Und bald ist sein Diener und Freund wieder auf den Beinen.

Wenn du über Jesus, sein Wort und seine Absichten nachsinnst, wenn du Zeit mit ihm verbringst, werden in dir Gedanken aufsteigen, in denen dein Herz zur Gewissheit und zur Ruhe kommt. Das sind deine iTANs. Manchmal musst du darauf warten. Manchmal musst du sie suchen. Es lohnt sich.

Unser Gott ist berechenbar. In seinem Bund hat er Festlegungen getroffen, die so gewiss sind wie mathematische Gleichungen. Unser Gott ist unberechenbar. Ständig lässt er sich neue Wege einfallen, um seinen Bund zu halten. Dem Außenstehenden kommt das verwirrend und bedrohlich vor. Aber du bist kein Außenstehender. Du bist Gottes Freund.

Gott ist gut, und Gott ist Gott. Er ist immer für uns, und er ist immer souverän. Er hilft uns, aber er handelt auf seine Weise. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren (Psalm 145,19), und ist doch kein Automat. Er ist der Gott des PIN-TAN-Glaubens.

Mittwoch, 7. März 2012

Richtige Lehre

Hier mal wieder anen älteren Artikel von Haso



Himmel oder Hölle? (Warum ich fast nichts von dem glaube, was Christen über die Endzeit lehren)

Beim Thema Endzeit drängt es mich, wie meine Leser gemerkt haben dürften, zu irritieren, zu karikieren und zu provozieren zum Nachdenken anzuregen. Die Eschatologie ist nicht der Christen Ruhmesblatt. Ich bezweifle, ob in irgendeinem anderen Bereich gläubiger Lehre mehr Unhaltbares vertreten wurde als in diesem. Der Schaden sitzt tief, und es geht um mehr als nur die richtige Auslegung und Zuordnung bestimmter Bibelstellen. Ich beginne meine Polemik mit der Bitte an meine Leser, sie nicht persönlich zu nehmen, auch wenn die Kühe, die ich schlachten will, ihnen heilig sind.

Die Schwäche der Eschatologie ist eigentlich die Schwäche der Systematischen Theologie. Gibt die Bibel es wirklich her, zu einer logisch geordneten Weltanschauung systematisiert zu werden? Sie ist ein Buch, das zu weiten Teilen aus narrativen, poetischen und bildhaften Texten besteht und dessen Lehrabschnitte meist situationsbedingt sind und als Antwort auf konkrete Anlässe geschrieben wurden. Kann solch ein Buch das Material für eine geschlossene Weltanschauung liefern? Der Systematische Theologe gleicht einem Mann, der aus einem Steinbruch lauter naturbelassenes Baumaterial nimmt, daraus geschickt ein wohlgestaltetes Haus errichtet und beim Schlussstein aus lauter Freude über die gelungene Form meint, nun habe er die “wahre Aussageabsicht” des Steinbruchs dargestellt. Wohl ist alles Material “steinbruchtreu”, doch das fertige Gebäude verrät mehr über den Baumeister als über den Schöpfer der Steine.

Die (lehrhaften) Ausagen der Bibel sind eben kein Puzzle, bei dem man buntgemischte Teile zunächst sortiert (”das Wort der Wahrheit recht teilt”) und anschließend mit Randstücken (”Belegstellen”) den Rahmen zusammenstellt, in den sich wunderbarerweise alle anderen Teile einfügen, wenn nur jedes an seinen Platz kommt. Sie gleichen eher dem Steinbruch, denn es geht eben bei keinem theologischen System alles auf und es gibt immer noch Aussagen, die in ihm keinen Platz gefunden haben. Am Ende verrät das entstandene Bauwerk zum Beispiel mehr über Herrn Scofield als über den wiederkommenden Herrn.

Meine Beobachtung ist: systematische Theologen klassischen Zuschnitts machen mindestens von einem der beiden folgenden Kunstgriffe Gebrauch.

1. Aus Eins mach Zwei

In ihrem Bestreben, die Dinge zu harmonisieren, stoßen Theologen auf “widersprüchliche” Aussagen zu einem Gegenstand. Folglich können diese Aussagen sich gar nicht auf denselben Gegenstand beziehen, denn die Bibel ist widerspruchsfrei. Und schon hat man nicht einen, sondern zwei Gegenstände.

Bereits Calvin spottete über Bibelausleger, die aufgrund der Tatsache, dass die Heilung des Bartimäus bei einem Evangelisten geschah, als Jesus Jericho verließ, bei einem anderen, als er sich der Stadt näherte, und dass einmal von einem und einmal von zwei Geheilten berichtet wird, am Ende vier verschiedene Heilungen konstruierten.

Ernsthafter ist folgendes Beispiel. Jesus sagt, dass die an ihn Gläubigen “nicht ins Gericht” kommen (Johannes 5,24). Paulus schreibt, dass wir alle “vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen” (2. Korinther 5,10) . Anstatt sich von beiden Wahrheiten beeindrucken zu lassen (wir entgehen den Konsequenzen unserer Sünde, aber nicht der Wahrheit über unser Leben), folgert der Systematiker: wenn wir nicht ins “Gericht” kommen, aber dennoch vor dem “Richterstuhl” stehen, dann kann es sich nicht um dasselbe Gericht handeln. Und schon sind aus dem einen Weltgericht ein “Strafgericht” und ein “Preisgericht” hervorgegangen. Die Vermehrung der Endgerichte ist damit keineswegs abgeschlossen, und schließlich muss die Menschheit auf dem Weg ins Neue Zeitalter durch ebensoviele Instanzen hindurch wie der Kleine Mann, der sich dank einer guten Rechtschutzversicherung vom Amtsgericht bis zum Bundesgerichtshof durchprozessiert, bis er endgültig erfährt, wie es um sein Recht steht.

2. Was nicht passt, wird “ausgelegt”

Jede Theologie hat ihre “Grundsteine”, an denen nicht gerüttelt wird. Wenn biblische Aussagen auftauchen, die sich nicht nach diesem Grundstein richten, werden sie bearbeitet, bis sie passen. Der hermeneutische Hammer lautet: “Die Bibel legt sich selbst aus.” Was in diesem Fall gleichbedeutend ist mit folgendem Verfahren: “Da ich von anderen Bibelstellen bereits weiß, was die Bibel zu einem bestimmten Thema sagt, kann diese Stelle nicht das meinen, was dort steht, sondern ich lege sie im Lichte dessen aus, was schon feststeht.” Den systematischen Theologen alter Schule müsste ich erst noch treffen, bei dem ich nicht Bibelstellen finde, die er aufrecht stehen lässt, und solche, die er biegt, damit sie zu den aufrechten passen. (Nebenbei: dass die Bibel sich selbst auslegt, vertrete auch ich. Das Gesamtzeugnis der Schrift wirft Licht auf einzelne Aussagen, aber es verbiegt sie nicht.)

Wenn ein reformierter Kommentator auf Stellen wie folgende stößt: “Wer da will, der komme”, fügt er reflexartig den Nachsatz hinzu: “Aber nur der wird wollen, dem es von Gott geschenkt wird.” Bibelstellen, die von der souveränen Erwählung durch Gott reden, bleiben bei ihm “aufrecht” stehen, Bibelstellen, die vom menschlichen Willen reden, werden durch die Erwählung “gebogen”, “ausgelegt” oder näher qualifiziert. Bei einem Arminianer ist es umgekehrt. Wenn er auf biblische Aussagen stößt, die von der Erwählung der Gläubigen handeln, erklärt er ebenso reflexartig: “Natürlich geschieht solche Erwählung nicht ohne Bezug auf unsere Entscheidung.” Auch bei ihm steht und biegt sich das Wort, nur nach der anderen Richtung. Wenn ich mich zwischen beiden entscheiden müsste, wäre ich Calvinist. Aber warum lassen wir nicht beides “aufrecht” stehen und freuen uns, dass Gott ein wunderbar paradoxes Universum geschaffen hat, in dem das Licht gleichzeitig Welle und Teilchen ist, auch wenn das in unseren Kopf genauso wenig hineingeht wie die Erwählung.

Ich glaube an die Einheit und Wahrheit von Gottes Wort, aber seine Widerspruchsfreiheit erschließt sich nicht auf der Ebene menschlicher Logik, und was uns widersprüchlich vorkommt, mag dennoch beides wahr sein.

3. Eschatologische Systeme

Beide Verfahren finden in der Eschatologie ihre Verwendung. Ich freue mich darauf, dass Jesus “das andere Mal” kommt - “denen, die auf ihn warten, zum Heil” (Hebräer 9,28). Davon ist in der Schrift oft die Rede. Doch wer aus den Gleichnissen, Apokalypsen, poetischen Texten und situationsbezogenen Lehren der Bibel ein stimmiges System, sozusagen eine vorgezogene Reportage der Endzeitereignisse, konstruieren will, stellt fest, dass das biblische Material sich gegen solche Systematisierung sperrt. Und schon wird aus dem “anderen Mal” ein zweites Mal, dem ein drittes folgt, und ich erfahre aus bestimmten Büchern, dass Jesus vor der großen Trübsal “heimlich” wiederkommt, vielleicht aber auch erst dreieinhalb Jahre später, auf jeden Fall erneut nach sieben Jahren. Was am Ende des Tausendjährigen Reiches geschieht, habe ich nicht wirklich verstanden. Kommt Jesus noch einmal, oder besitzt der bereits wiedergekehrte und auf der Erde regierende Jesus so eingeschränkte Autorität, dass ein freigelassener Teufel ihm eine Schlacht abverlangen kann? (Würde die Christenheit mit Genesis 1-2 und den Schöpfungspsalmen so umgehen, wie sie es mit den Endzeittexten tut, dann wäre die Erde inzwischen drei- bis siebenmal erschaffen worden, und möglicherweise jedesmal ex nihilo.)

Von der Vervielfältigung des Weltgerichts war schon die Rede. Weil scheinbar nicht alle biblischen Aussagen zum Endgericht stimmig sind, gibt es inzwischen Gerichte über die Nationen, über Israel, vor und nach bestimmten Ereignissen, über die Gläubigen usw. Andere variable Betonungen der Schrift haben eine Vielzahl an Dispensationen hervorgebracht. Am Ende ist aus dem Buch mit den sieben Siegeln eine Geheimwissenschaft mit siebzigmal sieben Siegeln geworden, nur dass der, der sie öffnet, nicht mehr der Herr ist, sondern der Endzeit-Experte.

Auch das Verfahren der “Auslegung” nicht systemkompatibler Bibelstellen findet Anwendung. Für den einen sind Aussagen wie die, dass der Gläubige “nicht ins Gericht kommt” und niemand ihn “aus der Hand des Herrn reißen” kann, die Basis. “Einmal in Gnaden, immer in Gnaden” ist seine Devise, und alle Aussagen der Schrift, dass auch der Nachfolger Jesu scheitern könnte, deutet er anders. Es sind ihm hypothetische Fälle, oder sie beziehen sich nicht aufs Endgericht, sondern auf die Entrückung, oder er biegt sie anders.

Wer hingegen die Schule “Nur wer bis ans Ende beharrt, wird selig” besucht hat, dem ist die Verlierbarkeit und Bedingtheit des Heils unanfechtbares Axiom. Stößt er auf die Aussage, dass uns “nichts aus Gottes Hand reißen kann”, fügt er hinzu, “außer uns selbst”, obwohl Paulus nicht “außer uns selbst” hinzugefügt hat. Schließlich hat man seine “aufrechten” und seine “biegsamen” Worte.

Beiden gemeinsam ist, dass zu ihrem Grundkontingent an Wahrheit gehört, nur der an Jesus Gläubige werde gerettet werden und diese Rettung müsse zu Lebzeiten erfolgen. Es gibt ein “zu spät”. Wie reagieren sie auf folgende Worte Jesu?

Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.
Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt. (Matthäus 12,31-32)

Der unbedarfte Bibelleser könnte auf die Idee kommen, mit dieser Aussage sei eine Vergebung in der zukünftigen Welt in Aussicht gestellt. Er könnte darauf hoffen, letztlich werde jede Sünde außer der endgültigen Festlegung des Menschen gegen Gott vergeben werden. Doch der gläubige Systematiker weiß bereits, dass Jesus nicht gemeint hat, was er sagte. (Warum hat er dann nicht gesagt, was er meinte?)

Also legt er aus. Die Aussage, dass “alle Sünde und Lästerung vergeben” wird, bezeichnet nur eine Möglichkeit. Natürlich wird sie nur dann vergeben, wenn der Betreffende bereut, bekennt und umkehrt. Und solche Umkehr muss zu Lebzeiten geschehen, denn danach ist das Schicksal eines Menschen entschieden. Die Worte “weder in dieser noch in jener Welt” sind bloßes Stilmittel.

Rein hypothetisch (ich will hier nicht Hasos alternatives System vorstellen, sondern heilsames Ärgernis geben) könnte man auch umgekehrt vorgehen: Matthäus 12,31-32 gelten als klare, tonangebende Worte Jesu. Wenn man nun in der Schrift auf die Aussage stößt,

Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht (2. Thessalonicher 1,9)

wäre die Konsequenz: da Jesus gesagt hat, dass es letztlich für alle Sünden außer der gegen den Heiligen Geist Vergebung gibt, wird auch das “ewige Verderben” dieser Leute überwunden werden. Und wenn sie die Vergebung nicht in dieser Welt empfangen, dann in jener. Und wo die Bibel von “ewig” spricht, ist mit diesem Stilmittel eine lange Dauer gemeint.

Wie gesagt, das ist nicht meine Theologie, und ich nehme 2. Thessalonicher 1,9 ernster als diese flapsige Karikatur. Ich bitte nur meine evangelikalen Freunde, Matthäus 12,31-32 ebenso ernst zu nehmen und nicht mit einer exegetischen Handbewegung vom Tisch zu fegen.

Vom rechten Warten auf Christus

Letztlich geht es mir nicht um theologische Korrekturen. Es geht mir darum, unsere Leidenschaft für die letzten Dinge wiederzugewinnen. Von dem Kirchenvater Hieronymus wird berichtet, er habe täglich mit Tränen in den Augen zum Himmel aufgeschaut und sich nach der Wiederkunft des Herrn gesehnt. Solche Haltung finde ich selten in diesen Tagen. Wo bestimmte Endzeitlehren unterwegs sind, folgen ihnen häufig Streit, Spekulation oder Angst auf dem Fuß. Es gibt mehr Christen, als wir meinen, die nicht “seine Erscheinung liebhaben”, sondern sich fürchten, ob sie bei der Entrückung dabei sind und ihnen die “Große Trübsal” erspart bleibt - die ich mehr für einen Aspekt als für eine Periode der Geschichte halte.

Der Himmel und die zukünftige Welt Gottes spielen in meiner Frömmigkeit eine viel größere Rolle als fast jedes andere Thema. Ich bin “dort” zu Hause. Ich warte auf jenen Tag, wo er kommen wird und alles wiederherstellen wird. Ich freue mich auf den neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt und in denen getröstet werden, die in dieser Welt gelitten haben. Und wenn ich nicht Frau und Kinder hätte und unseren Städten ein wenig Transformation gut täte, wäre mein Gebet: “Jesus, nimm mich zu dir.” So aber bleibe ich hier, um in diesem Äon schon im Geist und mit den Kräften des zukünftigen Äon zu leben. “Amen, ja, komm, Herr Jesus!” Die “letzten Dinge” sind meine Hoffnung, nicht mein System.


Montag, 17. Oktober 2011

Haso und der Eskimo


Mission

Wie erreicht man Menschen.
Ein Artikel von Haso, den ich mir von Zeit zur Zeit immer wieder lese.
Ich hab Ihn Hier auch schon ein paar mal veröffentlicht.
Aber es tut mir immer wieder gut, diesen Artikel zu lesen, und mich zu fragen ob ich das Lebe, und ob andere Menschen die Gegenwart Gottes bei mir spüren können.



14
Dezember
2005

Haso und der Eskimo

Text?Mein Eindruck: Die meisten Leute packen das Christentum in eine der beiden folgenden Schubladen:

1. Eine Weltanschauung, von der man auf Biegen und Brechen (gegen Wissenschaft und Augenschein) überzeugt zu sein hat.

2. Ein Regelwerk, das man einzuhalten hat, obwohl man es lieber nicht einhalten möchte.

Besonders mit den Regeln (auch “Gebote” genannt) haben es die Leute. Ich stoße immer wieder auf Christen, die ausgesprochen glücklich sind, wenn sie oder andere diese Regeln trotzig und lautstark dem Zeitgeist entgegengehalten haben. So denkt Haso nicht.

Oder ich treffe auf die, die immer wegen der Regeln besorgt sind: für sich selber, dass sie auch ja alle einhalten - oder für andere, dass sie ja keine übertreten. So besorgt ist Haso nicht.

Wen wundert´s, dass Gespräche mit anderen sich dann allzu oft um Regeln drehen. “Kann denn … Sünde sein?” “Darf man als Christ … ?” Solche Gespräche liebt Haso nicht.

Natürlich habe auch ich Überzeugungen von dem, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Aber - wenn einer weiß, wie ich über bestimmte ethische Themen denke, weiß er noch lange nicht, was mir wirklich wichtig ist. Deshalb antworte ich auf solche Fragen am liebsten mit der folgenden Geschichte.

Der Eskimo und der Anorak

Text?Haso kommt nach Grönland. Er trifft einen Eskimo.
“Eskimo”, sagt Haso, “zieh deinen Anorak aus. Er ist schmutzig.”
“Ich ziehe meinen Anorak nicht aus”, sagt der Eskimo, “denn sonst friere ich.”
“Ich würde dich gern in mein Iglu einladen”, sagt Haso, “aber dein Anorak stinkt.”
“Dann kann ich nicht zu dir kommen”, sagt der Eskimo, “ohne meinen Anorak friere ich mich zu Tode.”
“Gib mir sofort deinen Anorak”, sagt Haso streng.
“Ich gebe dir meinen Anorak nicht”, sagt der Eskimo entschlossen.
“Du wirst erstinken, wenn du deinen Anorak anbehältst”, sagt Haso.
“Aber ich werde nicht erfrieren”, sagt der Eskimo.
“Du bist nur ein kleiner, schmutziger Eskimo”, sagt Haso.
“Du hast mich nicht lieb”, sagt der Eskimo.
Haso will zum Äquator. Er trifft den Eskimo.
“Eskimo”, fragt Haso, “kommst du mit zum Äquator?”
“Ich komme mit”, sagt der Eskimo.
Haso und der Eskimo steigen in ein Flugzeug. Am Äquator steigen sie wieder aus.
“Es ist warm hier”, sagt der Eskimo, “ich will meinen Anorak ausziehen.”
“Aber du wolltest ihn doch unbedingt anbehalten”, sagt Haso.
“Das war früher in Grönland”, sagt der Eskimo, “da hatte ich nichts anderes, um mich zu wärmen.”
“Wirst du dich ohne deinen Anorak nicht unglücklich fühlen?”, fragt Haso.
“Nein, ich fühle mich mit meinem Anorak ganz unglücklich. In meinem Anorak schwitze ich mich zu Tode.”
Der Eskimo versucht, den Anorak auszuziehen.
“Haso”, sagt der Eskimo, “kannst du mir helfen, der Reißverschluss klemmt?”
“Ich helfe dir gern”, sagt Haso.
“Du hast mich lieb”, sagt der Eskimo.

Viele Menschen suchen etwas, was sie in einer kalten Welt warm hält. Sie suchen Liebe in einer Welt, in der es wenig Liebe gibt. Sie suchen Freude in einer Welt, in der es nicht viel Freude gibt. Was sie dabei finden, wird ihr Lebensstil.

Was hilft es ihnen, wenn einer ihnen die Flecke auf ihrem Lebensstil zeigt? Wenn er sie verurteilt, meidet, auffordert, warnt oder ablehnt? Dieser Lebensstil ist alles, was sie an Liebe und Freude kennen. Ohne ihn frieren sie noch mehr.

Meine Message ist nicht: “Du brauchst einen anderen Lebensstil.” Meine Message ist: “Es gibt einen anderen Ort, an dem es viel wärmer und heller ist.” Dieser Ort ist uns näher als Grönland dem Äquator. Es ist unser Platz im Herzen Gottes.

Ich möchte mit Leuten in die Nähe Gottes gehen, wo es hell und warm ist. (Wo es nicht hell und warm ist, da ist Gott nicht, meine lieben religiösen Freunde.) In Gottes Nähe kann es sein, dass uns manches zum Schwitzen bringt, was uns vorher gewärmt hat. Wir wollen manches loswerden, worauf wir vorher um nichts in der Welt verzichtet hätten. Einiges davon ist schon so eingefahren und klemmt, dass wir uns allein nicht davon lösen können. Dann helfen wir einander.

Solche Veränderungen unseres Lebensstils sind immer Befreiungen, keine Einschränkungen.

Die Frage ist nicht: “Was muss und darf ein Christ?” Die Frage ist: “Wo gehören wir hin?” Ins Licht, in die Wärme, zu Gott.


Donnerstag, 1. September 2011

Autorität 2

Harald Sommerfeld: Der Schiedsrichter Teil 2 - wie wir mit Vollmacht beten

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Harald Sommerfeld: Der Schiedsrichter - wie wir unsere Vollmacht erkennen

Jesus hat seinen Jüngern ganz am Ende, als er sie verlassen musste, gesagt: "Bisher hab ihr nichts gebeten in meinem Namen. Aber jetzt..."
Als Jesus sagte, dass die Jünger in seinem Namen beten werden, da meinte er nicht, dass sie am Schluss des Gebetes die Formel "im Namen Jesu" einfügen werden. Er meinte keine liturgische Form. Er sagte auch nicht: "Ihr werdet an mich appellieren, als den übergeordneten Schiedsrichter." Sondern er sagt: "Ihr seid an meiner Stelle hier. Ihr seid jetzt in meinem Namen, mit der Autorität, die ich habe, auf der Erde, weil ich wieder zum Vater gehe."



Ich weiß, dass nicht alle das leicht glauben können, es ist ein Bewusstsein, das uns in Mitteleuropa über Jahrhunderte aus dem Blick entschwunden ist. Aber es steht so in der Bibel, und jetzt wird es an vielen Orten gleichzeitig wieder entdeckt.
"So wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch. Ihr seid jetzt meine Vertreter, meine Repräsentanten. In meinem Namen handeln heißt, dass ihr in Situationen hineingeht und den Willen des Vaters befehlt."

Viele Worte im Gebet können manchmal Ausdruck für wenig Glauben sein. Man redet ellenlang drum herum, anstatt präzise auf den Punkt zu kommen.
Das heißt nun allerdings nicht, dass unsere Gebete immer kurz sind. Es gibt mehr zu entdecken im Gebet als die Fürbitte.
Jesus sagt in Matthäus 6, 7:
"Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen." "Seid lieber kurz und präzise", meint Jesus, "denn ein endloser Redeschwall ist etwas für die Heiden."
Aber vorher sagt Jesus:
"Du aber, wenn du betest, geh in dein Kämmerlein und schließ deine Türe zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten öffentlich." (Vers 6)

Das Beten hat zwei Phasen

Die erste ist die, in der du zum Vater gehst. Dafür brauchst du Zeit. Das dauert. Da musst du Gemeinschaft mit ihm haben. Da musst du sein Herz suchen, immer mehr mit ihm zusammenwachsen.
Und dann, das ist Phase zwei, gehst du raus, und der Vater steht hinter dir, und dann gibst du die kurzen, präzisen Anweisungen - und dann passiert was.

So hat es auch Jesus gemacht. Wir sehen das, als er in die Situation mit dem dämonisierten Jungen hinein kam, dem seine Jünger nicht hatten helfen können. Er führt ein kurzes Diagnosegespräch mit dem Vater, der Dämon fängt an zu wüten und Jesus sagt: "Schluss! Ruhe! Raus aus dem Jungen und nie wieder hinein!"
Der Dämon sträubt sich noch, wie ein Spieler, der gerade die rote Karte gesehen hat, aber dann geht er und das Kind ist fit und gesund.

Das ganze hatte eine Vorgeschichte. Die Nacht davor hatte Jesus auf einem Berg verbracht. Auf diesem Berg hat er gebetet, Zeit verbracht mit seinem Vater im Himmel. Das, was in dieser Nacht auf dem Berg passiert ist zeigt, wie Jesus gebetet hat, wenn er lange Gemeinschaft mit dem Vater hatte. Er hat keine Gebetsliste mit auf den Berg geschleppt, um Punkt für Punkt durchzubeten, viele Worte darüber zu machen...
Stattdessen hat er intensiv den Heiligen Geist aufgenommen, sich in der Herrlichkeit Gottes ausfüllen lassen mit aller notwendigen Kraft und Freude. Jesus verstand es so meisterhaft, die Nähe des Vaters zu suchen, dass sein Gesicht anfing zu leuchten und seine Kleider weiß wurden. Das kann die Folge sein, wenn man die Herrlichkeit Gottes in sich aufnimmt.
Jesus hat auch das Wort des Vaters empfangen, in diesem Fall hat der Vater durch Mose und Elia sein Wort ausgesprochen. Wir haben ja Mose und Elia in unserer Bibel, und noch vieles darüber hinaus. Jesus hat das auch oft getan, die Weisung des Vaters aus der Schrift zu holen und zu empfangen. So kann man den Willen des Vaters kennen lernen.
Das dritte: Der Vater sprach aus der Wolke: "Das ist mein lieber Sohn." Jesus hat sich neu lieben lassen von seinem Vater, hat sich das neu zusprechen lassen, dass er der liebe Sohn des Vaters war. Das hat ihm gut getan. Der Vater hat auch gesagt: "Den sollt ihr hören", womit er noch einmal die Autorität bestätigt hat. Er hat bestätigt: "Du bist in meinem Namen auf der Erde und ich stehe zu dir und die Leute sollen dich hören. Wer sich gegen dich stellt, stellt sich gegen mich."

Das hat Jesus in der Zeit des Gebetes getan und empfangen. Beten ist so schön, wenn man so betet. Das ist nicht langweilig, trocken, da schaut man nicht auf die Uhr, ob die Stunden wohl bald vorbei sein werden.
Wenn man Gottes Wort in sich aufnimmt, entdeckt, was er alles an guten Dingen uns zugedacht hat, wenn man in seiner Herrlichkeit verweilt und sie in sich aufnimmt, wenn man empfängt, dass der Vater einen lieb hat, dass er Autorität gegeben hat.
Dann kann man hinunter gehen ins Tal wie Jesus und so mit Bewusstsein der Autorität erfüllt sein, dass man einfach anordnet: "Schluss hier, du Dämon. Raus aus dem Jungen."

Die Jünger kamen ja später und fragten, warum es bei ihnen nicht geklappt hatte. Sie wussten ja, dass die Autorität ihnen schon früher verliehen worden war. Jesus hatte sie ihnen gegeben: Autorität über alle Dämonen.
Jesus sagt ihnen, dass ihr Bewusstsein der Autorität in der Situation nicht stark genug war. Die Vorbereitung war mangelhaft. "
Diese Art fährt nur aus durch Beten."
Damit meinte er
nicht, dass die Jünger hätten stundenlang mit diesem Jungen beten sollen. Er meint, dass ihnen die Stunden der Gemeinschaft mit dem Vater fehlten. Sie hätten sich neu die Autorität bestätigen lassen, sich lieben lassen, erfüllen lassen sollen. Wenn sie wie Jesus die Nacht in der Gegenwart Gottes verbracht hätten, wäre diese Autorität für sie genauso abrufbar gewesen.

Ein anderes Beispiel aus Apostelgeschichte 9: Petrus wird zu einer Frau gerufen, die gestorben ist. Er hört unausgesprochen den Wunsch der Gemeinde, er solle doch etwas tun, damit diese Tabitha wieder lebendig wird.
Eine nicht geringe Herausforderung. Petrus spürt wohl: "Das kann ich nicht von Null auf Hundert." Deswegen tut er Folgendes: Er sorgt zuerst dafür, dass er Ruhe hat, indem er alle rausschickt. Es gibt manchmal Situationen, in denen man alle Mitleidigen und Neugierigen rausschicken muss. Die würden einen nur in die Krisen hineinreden.
Nachdem er also allein ist, heißt es, dass er betete. Und
dann drehte er sich zu dem Leichnam. Das heißt, er hatte sich vorher abgewandt. Petrus spürte, dass sein Bewusstsein der Autorität bei solch einer Herausforderung in den Keller sank. "Wenn ich mir jetzt die ganze Zeit die tote Frau anschaue, dann kriege ich hier überhaupt nichts mehr auf die Reihe."
Deshalb hat er sich von den Tatsachen abgewandt und sich ganz Gott zugewandt. Er hat einfach Gott angebetet, sich der Liebe des Vaters neu vergewissert. Er hat sich erinnert an die Dinge, der er schon mit Gott erlebt hat, das, was er bei Jesus gesehen hat, an das, was im Wort steht.
Dann, als er sich so aufgebaut hatte, heißt es, dass er sich umdrehte und sagte: "Tabitha, steh auf." Und sie stand auf.

Nun wirst du wahrscheinlich nicht gleich mit einer Verstorbenen beginnen, wenn du das umsetzen willst, was ich hier darlege. Aber nimm doch mal eine Rechnung, die kommt, und für die du nicht das Geld hast.
Wenn du die Rechnung auf den Tisch legst, dich davor hinsetzt und genau die Zahl anschaust, und dann anfängst zu beten, dann geht dein Bewusstsein der Autorität in den Keller. "Herr, so viel Geld habe ich doch gar nicht, wie soll ich das jetzt bezahlen? Wie soll das gut gehen?" Wenn du eine, zwei oder drei Stunden ständig um diese Rechnung herum betest, dann wirst du es möglicherweise nicht schaffen, genug Bewusstsein der Autorität aufzubauen, um hier einen Sieg zu erringen.
Du musst erst mal der Rechnung den Rücken drehen und dich daran erinnern, wie oft der Vater dir geholfen hat. Wie gut er zu dir ist. Wie viele Verheißungen in der Bibel stehen. Du musst seine Liebe empfangen. Dich in der Gegenwart Gottes erfrischen und dein Bewusstsein der Autorität wieder aufrichten lassen.
Dann erst, dann kannst du dich zu der Rechnung umdrehen und sagen: "Im Namen Jesu befehle ich, dass das Geld kommt, um diese Rechnung zu bezahlen." Und dann wartest du, dass es geschieht.

Die Autorität ist schon da

Du brauchst ein
Bewusstsein der Autorität. Du hast Autorität. Viel mehr, als du ahnst, aber das Bewusstsein muss noch wachsen. Das muss bei jedem von uns noch wachsen. Keiner von uns hat das bereits in dem Maße, in dem es eigentlich biblisch gedeckt wäre. Aber wir wachsen darin und ich habe in der letzten Zeit immer häufiger von verschiedenen Seiten gehört, dass sich dieses Bewusstsein entwickelt und dass die Folgen sichtbar werden. Immer mehr Christen geben sich nicht mehr damit zufrieden, Opfer zu sein, sich übel mitspielen zu lassen, und genau das meint Jesus. Dieses Bewusstsein der Autorität muss in uns wachsen, und das ist das, was die Bibel Glauben nennt.

Jesus sagt: "Habt den Glauben Gottes. Habt das Bewusstsein, dass ihr die Autorität Gottes habt. Wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge..."
An dieser Stelle haben wir oft falsche Vorstellungen vom Glauben. Jesus meint nicht: "Stell dich vor einen Berg und befiehl ihm, sich ins Meer zu werfen. Und dann glaube ganz fest daran, dass der Berg sich ins Meer verfügt. Und dann schaust du nach: Bewegt er sich schon einen Millimeter? Hmmm, noch nicht, also vielleicht hat es noch nicht funktioniert, also beobachtest du die ganze Zeit den Berg und versuchst zu glauben, strengst dich an, dass der sich endlich bewegt."
Wenn ein Schiedsrichter auf dem Platz ein Foul beobachtet, dann sagt er nicht: "Oh, jetzt glaube ich ganz fest, dass die einen Elfmeter ausführen" und kneift alles zusammen vor Anstrengung. "Jetzt glaub ich, dass die einen Elfmeter ausführen, trotz der Umstände. Es sieht zwar nicht so aus, aber ich glaube fest daran!"
Der Glaube des Schiedsrichters fängt viel früher an. Er geht nämlich von vorne herein mit dem Bewusstsein auf den Platz: "Hier passiert, was ich pfeife. Weil ich dafür delegiert bin. Wenn ich was sage, steht der Fußballbund dahinter. Hier habe ich die Autorität, zu entscheiden."
Wenn er mit diesem Bewusstsein in die Situation geht, ist der Elfmeter nur einer von vielen Fällen, in denen er seine Autorität praktiziert und einsetzt.

Jesus sagt nicht "...und glaubt, dass der Berg sich ins Meer hebt...", sondern er sagt: "...und glaubt, dass geschehen wird, was er sagt...".
Du musst ein Bewusstsein entwickeln, dass deine Worte Kraft haben, wenn du im Namen Jesu, also im Auftrag Jesu, redest.
Leider haben deine Worte auch manchmal Kraft, ohne dass du dieses Bewusstsein hast. Du sagst: "Auf mich hört nie einer" und dann wunderst du dich, dass auf dich nie einer hört. Du sagst "Alle sind gegen mich" und wunderst dich, dass alle gegen dich sind. Du sagst "Bei mir geht immer alles schief" und wunderst dich, dass bei dir immer alles schief geht. Du sagst: "Alle erleben Gott, aber ich spüre nie was" und wunderst dich, warum du nie etwas spürst.

Manches in unserem Leben ist das Resultat dessen, was wir früher ausgesprochen haben

Fang an, anders zu reden, und du wirst sehen, dass im Verlauf der Monate dein Leben sich positiv verändert. Du wirst erleben, dass die Autorität deiner Anordnungen auch dein eigenes Befinden betrifft.
Jesus sagt hier: "Hab doch die Erwartung, dass das passiert, was du verfügst. Wenn du weißt, wer du bist, nämlich ein Kind Gottes, wenn du weißt, was du verfügst, nämlich das Wort Gottes, dann erwarte doch, dass das Wort Gottes in deinem Mund Kraft hat. Dann rechne doch damit, dass das passiert, was du anordnest, egal, ob der Berg sich sofort bewegt oder nicht."

Wenn wir zum Beispiel um Heilung beten, dann ist das Entscheidende nicht, dass wir sagen: "Ich glaube jetzt ganz fest, jetzt muss ich alle fünf Minuten nachschauen, ob das Fieber schon weg ist, ob die Krankheit gewichen ist." Oder alle paar Minuten in unseren Körper hineinhorchen, ob sich was bewegt oder nicht.
Nein, stattdessen ist es wichtig, dass wir wissen, wozu Gott uns gesandt hat, dass er etwas versprochen hat und dass wir dieses Wort ergreifen. Dieses Wort gilt nämlich auch, wenn es manchmal nicht zur sofortigen Ausführung kommt. Jesus sagt deshalb im nächsten Satz: "...glaubt, dass ihr es empfangen habt, so wird es euch werden."

Das ist der Moment, in dem der biblische Glaube für manche so verwirrend wird. Glaube, dass du es
schon hast, und dann kommt es. Da denkt man: Wie kann einer sagen, "ich habe Heilung empfangen", wenn?s noch weh tut? Da ist doch alles durcheinander, das stimmt doch dann gar nicht.

Vielleicht kann dir dieses Beispiel helfen, das zu verstehen.
Jemand ruft in eine Konferenzschaltung der Fußballübertragung von mehreren Spielen hinein: "Strafstoß in Rostock." Die Regie schaltet um auf den Fußballplatz in Rostock. Du rechnest mit einem Strafstoß, weil der Reporter das eben gesagt hat, und stattdessen sieht das Fernsehbild nach allem aus, nur nicht nach Strafstoß.
Du weißt, dass der Ball beim Strafstoß auf dem Elfmeterpunkt zu liegen hat, aber er liegt irgendwo im Feld. Der Torwart hat im Torbereich zu sein, aber er läuft außerhalb des Spielfeldes herum. Du weißt, dass alle Spieler außer dem ausführenden Schützen den 16-Meterraum verlassen haben müssen, aber die stehen wild diskutierend um den Schiedsrichter herum.
"Das ist doch kein Strafstoß", sagst du. "ich weiß doch, wie ein Strafstoß aussieht, so doch nicht."
Wie konnte der Reporter sagen: "Strafstoß in Rostock?"
Ganz einfach. 30 Sekunden vorher hat der Schiedsrichter gepfiffen und auf den Punkt gezeigt. Der Zeitpunkt, in dem ein Strafstoß gegeben wird, ist nicht der Zeitpunkt, an dem er ausgeführt wird. Als Fußballfreund zumindest verstehst du das. Manchmal liegen nur zwanzig Sekunden zwischen dem Moment, in dem er gegeben wird und der Ausführung, manchmal kann es sehr lange dauern, weil die Spieler rebellieren. Und trotzdem weißt du die ganze Zeit: Strafstoß in Rostock - auch bevor es überhaupt danach aussieht auf dem Platz. Du weiß aber, dass das gültig ist, was der Schiedsrichter eben entschieden hat.

So ist der Zeitpunkt, an dem eine Heilung gegeben wird nicht unbedingt der, an dem sie ausgeführt wird. Der Zeitpunkt, an dem dir die Bekehrung deines Kindes gegeben wird ist nicht unbedingt der, an dem das Kind tatsächlich Buße tut und umkehrt. Du kannst in deinem Herzen bereits die Gewissheit empfangen, dass du die Errettung des Kindes hast, obwohl dein Junge am nächsten Tag den größten Müll anstellt. Trotzdem weißt du: "Mein Kind ist ein Kind Gottes, das ist eine abgemachte Sache. Also erwarte ich, dass es ausgeführt wird."
Das kann Tage, Monate, manchmal Jahre dauern. Wir werden aber erleben, dass wir die Resultate immer schneller sehen. Wir müssen nur beim Beten lernen, dass der Zeitpunkt, an dem etwas gegeben wird, nicht immer der Zeitpunkt ist, an dem es ausgeführt wird. Wir dürfen Dinge als geklärt ansehen, bevor es sichtbar ist, dass sie geklärt sind.
Warum? Weil wir Gottes Regeln kennen, weil wir wissen wer wir in ihm sind, weil wir etwas in diesem Bewusstsein und dieser Autorität anordnen und Gewissheit haben, dass der Himmel hinter uns steht.
Wir verfügen: "So gilt es jetzt" und dazu stehen wir.

Der kritische Punkt

Dann kommt der kritische Moment für den Glauben, so wie der kritische Moment für den Schiedsrichter nach dem Pfiff kommt. Dann kommen nämlich die Spieler und wollen irgendwelche Diskussionen entfachen. Es gibt nämlich in den Regeln des DFB eine Bestimmung, dass der Schiedsrichter eine Entscheidung ändern darf, wenn sie falsch war oder wenn er es für nötig hält, auch auf einen Hinweis eines Schiedsrichterassistenten hin. Das wissen die Spieler: Wenn sie den Schiedsrichter in dem Moment weich kochen, kann er seine Anordnung ändern. Das Publikum hilft und brüllt mit 50.000 Stimmen den Schiedsrichter nieder...
Wenn du im Namen Jesu Entscheidungen triffst, passiert manchmal das gleiche. Manchmal wird die Situation erst mal schlimmer, quasi zum Hexenkessel eines Fußballstadions. Das ist sogar in gewisser Hinsicht ganz gut.
Wenn nämlich gar nichts passiert, kann es sein, dass die Spieler deinen Pfiff nicht gehört haben. Sie spielen einfach weiter wie vorher.
Manchmal passiert es, dass erst mal ein paar Dämonen auftauchen und dich umringen. Die versuchen, dich in deiner Regelkenntnis irre zu machen: "Bist du wirklich sicher, dass Gott das gesagt hat? Bist du wirklich sicher, dass seine Verheißung ausgerechnet in deinem Leben zutrifft? Vielleicht soll das ja gar nicht so sein?"

Kennen wir diese Situation? Nachdem du etwas entschieden hast, einen Schritt im Glauben gemacht hast, prasseln die Zweifel auf dich ein. Zurückweisung. Widerstand.
"War meine Entscheidung vielleicht doch nicht richtig? Sollte ich das abmildern, auf Abstoß statt Elfmeter?"
Wenn du das zwanzig Mal so gemacht hast, dann hat der Feind irgendwann den Fuß fest in der Tür. Diesbezüglich ist er clever. So wie es Bauernschläue gibt, gibt es Dämonenschläue. In einigen Dingen sind die geschickt. Wenn du ständig hin und her schwankst, etwas entscheidest, und dann wieder revidierst, weil du überlegst, ob du nicht etwas zu viel Autorität angenommen hast - das merken sie. Dann sagen sie: "Dem lassen wir nichts mehr durchgehen. Wenn wir nur genug den Druck erhöhen, gibt er immer nach."

Deshalb müssen wir es lernen, diese Standfestigkeit eines guten Schiedsrichters zu bekommen, der Charakter beweist. Wenn er eine Entscheidung getroffen hat, steht er dazu. Er wusste, dass er die Autorität des DFB hatte, als er etwas verfügte, und dazu steht er jetzt. Egal, was passiert, er steht, bis das, was er angeordnet hat, sichtbar wird, ausgeführt wird.
Solche Leute sollen wir werden im Gebet.

Das Beispiel mit den Schiedsrichtern hat hoffentlich die Sache etwas veranschaulicht. Es sollte dir helfen, zu verstehen, wer du eigentlich als Jünger Jesu Christi bist. Du hast Autorität und Deine Aufgabe ist es, den Willen Gottes auf dieser Erde anzuordnen.
Es geht um mehr als um ein Spiel, so anschaulich auch der Vergleich mit dem Fußball sein mag. Dass du Zeit mit Gott und seinem Wort verbringst, um dein Bewusstsein der Autorität aufzubauen, immer mehr in den Willen Gottes hineinzuwachsen, das kann über Leben und Tod in deiner Umgebung entscheiden. Es kann über Himmel und Hölle, Segen und Fluch entscheiden, dass wir lernen, Schiedsrichter zu sein im Namen des Herrn.
Unsere Welt braucht Leute, die bereit sind, Gott zuzutrauen, dass er wirklich hinter ihnen steht. Menschen, die bereit sind, in Situationen hinein zu gehen und zu entscheiden, auch wenn sie sich bei 50.000 Leuten unbeliebt machen. Menschen, die stehen für das, was Gott ihnen gezeigt hat. Sie kommen aus der intensiven Gemeinschaft mit ihrem Herrn und haben die Gewissheit: "So ist es, dafür stehe ich im Namen Jesu."
Sonst hört das Foulspiel auf dieser Welt nie auf. Wenn wir nicht auf Erden binden, wird es nicht im Himmel gebunden sein. Wenn wir nicht hingehen im Namen Jesu und Dinge verfügen, für Menschen, die es noch nicht über sich selbst verfügen können, die einen Schiedsrichter brauchen, der sie in Schutz nimmt - dann wird der Feind sie ungehindert weiter misshandeln. Es gibt so viele Menschen um uns herum, die das dringend und bitter nötig brauchen, dass wir sie so in Schutz nehmen, damit sie nicht weiter vom Feind getreten und gequält und bespuckt werden. Diese Leute können in deiner Familie, deiner Schulklasse, in deiner Arbeitsstelle um dich herum sein.

Es geht hier nicht um just for fun, es geht um das Leben deiner Mitmenschen. Bestürme den Herrn und sage: "Zeig mir mehr, was meine Autorität ist, zeig mir mehr, wozu meine Kraft da ist, zeig mir mehr, was dein Wille für mein Leben und die Menschen um mich herum ist."
Es geht darum, dass wir dann den Mut haben, solche Schiedsrichter zu sein, die sich in Situationen hinein begeben, in denen sonst niemand Glauben hat. Dort, wo alles durcheinander geht, sagen sie: "Mein Gott steht hinter mir. Ich bin an seiner Stelle hier. Er hat mich delegiert und ich bin hier, um die Regeln des Himmels durchzusetzen. Dort, wo ich nominiert bin, entscheide ich. Geschehe, Wille Gottes!"

Lasst uns zu solchen Christen heranwachsen, die Schiedsrichter Gottes auf Erden sind. Der Himmel steht hinter uns.