Montag, 4. Juli 2011

Befreiung von egoistische Selbstliebe

C.H.Spurgeon
"Gott lieben und seine Gebote halten"
1Jo 5,2.

Thomas Manton sagt: "Die Menschen lassen sich aus der Selbstliebe nicht herausschrecken; es muss eine andere mächtigere Liebe sein, welche sie davon abzieht; wie ein Nagel einen andern austreibt."

Dies ist wahre Philosophie. Liebe zu Gott allein kann die Liebe zur Sünde austreiben. Viele vergessen dies und fangen an, die alte Liebe herauszuziehen: eine sehr mühsame Aufgabe; unmöglich, in der Tat, mit solch armseligen Werkzeugen, wie wir sie besitzen. Sie martern den Körper und quälen die Seele, aber der alte Nagel der Selbstliebe ist eingerostet und will sich nicht bewegen. Sie könnten eher ihren ganzen Menschen zerstören, als die alten, tief gewurzelten Neigungen herausreißen; der Selbst-Nagel ist gut eingehämmert und umgebogen dazu, und was können wir tun?

Es ist wundervoll, zu sehen, wie die Liebe zu Christo die Selbstliebe aus ihrer Stätte vertreibt. Zuerst erschüttert und löst sie dieselbe; nach und nach treibt sie sie ein wenig von ihrem Platz und zuletzt ganz und gar hinaus. Das Ich wird erst etwas verleugnet, dann gezüchtigt und unterdrückt, und zuletzt wird es mit Christus gekreuzigt, so vollständig, dass der Mensch ein Vergnügen daran findet, gegen dasselbe zu kämpfen, und sich der Unterwerfung des Fleisches unter Leiden und Verlust rühmt.

O, gesegnete Hand Jesu, treibe den Nagel der göttlichen Liebe
hinein! Schlage hart, Herr. Bringe mit Gewalt das rostige
Eisen meiner Selbstsucht heraus. Lass kein Stückchen davon
bleiben. Liebe allein kann Liebe überwinden. Du selbst allein
kannst das Selbst in mir besiegen. Keine untergeordnete Kraft
wird genügen. Mein Gott, Du musst Deiner Gottheit Liebesmacht
entfalten, sonst wird mein böses Herz sich nie vom Selbst
trennen.

Sonntag, 3. Juli 2011

Das Fleisch

Romans VII: The flesh

Abgelegt unter: Geglaubtes — Haso @ 5:18


Vermutlich kennt jeder meiner Leser die folgende Erfahrung. Ein Satz rutscht ihm heraus, und während die Worte noch über die Zunge gleiten, wird ihm bewusst, er hätte es anders sagen sollen. Also bessert er schnell nach, bevor die gesenkte Stimme dem Satz einen abschließenden Punkt verleiht. So ähnlich ging es gestern dem Mister “Ich”. Fast hätte er gesagt:


In mir wohnt nichts Gutes. (Vers 18)


Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass überall in ihm eine merkwürdige Kraft wohnt, der er nicht gewachsen ist. Wenn diese Kraft ihn nicht davon abhalten kann, das Gute zu tun, dann schafft sie es, das Gute zu verunreinigen. So hat er das Gefühl: “In mir wohnt nichts Gutes.”


Aber halt! Soviel hatte Mister “Ich” schon herausgefunden: die gefühlte Lebenstemperatur kann täuschen. Erste Nachmessungen ergaben bereits einen anderen Befund. Mister “Ich”s Leben gleicht der Beschreibung eines alten Landes in einer bedeutenden Werkreihe der Weltliteratur:


Ganz Mister “Ich” ist von der Sünde besetzt… Ganz Mister “Ich”? Nein! Ein vom Willen Gottes bewohnter Bereich hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.


Genauso real, wie Mister “Ich” sein ständiges Scheitern erlebt, genauso real ist auf der anderen Seite der Bereich in ihm, der mit “Gottes Willen in Übereinstimmung” ist (Vers 16). Und real ist auch seine Sehnsucht, endlich aus dem Kreislauf von Fallen und Aufstehen herauszukommen. Von daher ist nicht der ganze Mister “Ich” von der Sünde besetzt und kontrolliert. Deshalb bessert er schnell nach.


Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.


Zuerst hat Mister “Ich” also herausgefunden hat, dass nicht er selbst das Problem ist, sondern nur die Sünde, die in ihm wohnt. Jetzt hat er weiter festgestellt, dass diese Sünde nicht im ganzen Mister “Ich” wohnt, sondern nur in seinem Fleisch. Nur die Sünde! Nur das Fleisch! Und obendrein wird er bald noch feststellen, dass Gott nicht nur für ihn, sondern schon mitten in ihm ist. Denn es gibt in ihm dieses Dorf, in dem nicht Asterix und Obelix, sondern Christus und der Heilige Geist wohnen. Sollte da nicht etwas möglich sein?


Freitag, 1. Juli 2011

Andrew Wommack über Dreieinigkeit



1. Juli


Geheimnis der Dreieinigkeit


Johannes 8,12-27



Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich kennen würdet, so würdet ihr auch meinen Vater kennen.


Johannes 8,19


Jesus sprach davon, eins mit dem Vater zu sein - hierüber lesen wir besonders im Johannesevangelium, Kapitel 17. Dieses Einssein bedeutet mehr, als nur einer Meinung zu sein oder ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Sowohl das Alte als auch das Neue Testament sprechen von dem einen Gott (Mal 2,10; 1 Tim 2,5). Diese Wahrheit ist in der Heiligen Schrift so fest verankert, dass einige Gläubige nicht zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist unterscheiden; sie glauben, dass diese drei einfach ein Gott sind, der sich auf drei verschiedene Weisen ausdrückt. In Johannes 8 unterscheidet Jesus jedoch zwischen sich und seinem Vater. Er und sein Vater sind die zwei Zeugen, die die Anforderungen in 5. Mose 17,6 erfüllen. Jesus hätte die Juden getäuscht, wenn es keinen Unterschied zwischen ihm und seinem Vater geben würde, und trotzdem sind sie eins (Joh 10,30, 1 Joh 5,7). Das ist ein großes Geheimnis!


In 5. Mose 6,4 steht: Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Wir haben nicht drei Götter, sondern einen Gott, der klar als drei Personen zu identifizieren ist. Dies ist ein großes Geheimnis, das noch nicht ausreichend erläutert wurde. Die Heilige Schrift offenbart uns die Wahrheit der Dreieinigkeit, macht aber keinen Versuch, sie zu erklären. Wir sollen diese Offenbarung akzeptieren, so wie sie ist. Eines Tages werden wir alle Dinge erkennen, so wie auch wir erkannt sind (1 Kor 13,12).


Jesus erklärt, dass der Vater das wichtigste Zeugnis darüber ablegt, wer Jesus ist. Er sagte, wer ihn kennt, würde auch den Vater kennen. Wenn immer du darüber nachdenkst, ob du wirklich die Stimme und die Wege des Vaters im Himmel kennst, dann schaue auf Jesus. Jesus ist dem Vater gleich. Was immer Jesus glaubt, fühlt und tut, das glaubt, fühlt und tut auch der Vater. Für alle Fragen und Probleme, die du heute hast, ist Jesus der Schlüssel, um den Vater zu verstehen.


Dienstag, 28. Juni 2011

Andacht

Von Andrew Wommack



28. Juni


Was zweifelst du?


1. Mose 3,1-13



Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon eßt, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist.


1. Mose 3,5


Die Sünde von Adam und Eva war ihr Unglaube. Von der verbotenen Frucht zu essen, war nur der Ausdruck ihres Unglaubens, der bereits in ihren Herzen vorhanden war. Worin bestand ihr Zweifel? Zwei Dinge gebrauchte die Schlange, sie dazu zu verführen, an Gott zu zweifeln.


Zuerst zweifelten sie an Gottes Wort. Sie glaubten nicht an die Konsequenzen, die Gott ankündigte, wenn sie vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen würden. Gott sagte, sie würden sterben. Sie trafen die Entscheidung, von der Frucht zu essen, weil sie offensichtlich nicht mehr an das glaubten, was Gott gesagt hat. Sie zweifelten an Gottes Wort, was ihre erste Sünde war.


Aber weitaus wesentlicher war, dass Adam und Eva Gottes Liebe infrage stellten. Satan beschuldigte Gott, dass er nicht das Beste für sie wollte. Er sagte, dass Gott ihnen etwas vorenthielte, was sie noch weiser machen würde. Dies war ein direkter Angriff auf Gottes Liebe und Integrität. Er war wirklich gut zu ihnen gewesen, versorgte sie mit allem, was sie benötigten und besuchte sie sogar jeden Tag. Dennoch entschieden sich Adam und Eva dafür, an seiner Liebe zu zweifeln. Das Wort einer sprechenden Schlange hatte für sie mehr Gewicht als Gottes Wort.


Wenn du dir Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung bewusst machst, ist es unlogisch, jemals an Gottes Liebe zu zweifeln. Du hast hier eine Offenbarung, wie unermesslich groß Gottes Liebe ist, und dann machst du dir Sorgen darüber, ob deine Bedürfnisse gedeckt werden oder dein Körper Heilung erfährt. Du versuchst deine Sorgen damit zu rechtfertigen, indem du sagst: "Jeder hat sie, das ist doch normal." Das ist nur normal für Menschen, die Gottes große Liebe nicht kennen! Wenn du eine vollkommene Offenbarung über Gottes Liebe erfährst, werden deine Zweifel verschwinden.


Wenn du Zweifel an Gottes unendlicher Liebe und Fürsorge für dich hast, dann öffne deine Bibel, lies und glaub, was er über dich in seinem Wort sagt. Zerstreue alle Zweifel, indem du dich dafür entscheidest, zu glauben, was er sagt. Dann wird dein Glaube an ihn seine Segnungen in allen Bereichen deines Lebens freisetzen.


Montag, 27. Juni 2011

Allgegenwärtige Sünde

Weiter im Römer 7

Romans VII: The Hare and the Hedgehog

Abgelegt unter: Geglaubtes — Haso @ 6:28


Nachdem Mister “Ich” in den letzten Tagen einige erleichternde Entdeckungen gemacht hat, muss er sich heute einer unangenehmen Wahrheit stellen.


Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. (Vers 18)


Mit dieser Feststellung wird nichts außer Kraft gesetzt, was Mister “Ich” in den letzten Tagen herausgefunden hat. Es bleibt dabei, dass er in seinem Versagen letztlich nicht Täter, sondern Opfer ist, der immer wieder einer in ihm wohnenden Kraft erliegt, die er die “Sünde” nennt. Auch in Vers 18 ist das “nichts Gute” der feindselige Bewohner, nicht er selbst. Aber dieser Feind hat es in sich.


In mir wohnt nichts Gutes” - das heißt nicht, dass Mister “Ich” nie zu etwas Gutem fähig ist. Es heißt vielmehr, dass die Sünde schier allgegenwärtig ist. Selbst wenn er etwas Gutes tut, verhindert sie, dass das Gute frei von Verunreinigungen bleibt. Manchmal scheitert Mister “Ich” schon recht früh. Eine Kleinigkeit genügt, um ihn aus der Haut fahren zu lassen. Etwas Furcht, und schon bleibt seine Ehrlichkeit auf der Strecke. Ein bisschen Versuchung, und er gibt nach. Aber das bedeutet nicht, dass er mit etwas mehr Selbstbeherrschung, Mumm oder Standfestigkeit aus dem Schneider wäre.


Mister “Ich” kann im Volk Gottes geachtet sein. Vielleicht predigt er. Er predigt aufrichtig, er predigt für Gott, er predigt für die Menschen, Gott bekennt sich zu seiner Predigt, Menschen bekehren sich oder werden durch seine Predigt gefördert. Aber er kann, wie Haso aus leidvoller Erfahrung weiß, nichts daran ändern, dass bei all seinem Predigen sehr fleischliche Motive beteiligt sind. Vielleicht frisst der Neid an ihm, wenn ein anderer mehr gesegnet und geachtet ist als er. Oder sein Ehrgeiz geht weit über alles hinaus, was gesund ist. (Lässt sich beliebig auf andere “gute Werke” übertragen.)


Es ist zu hoffen, dass Mister “Ich” aus dieser Beobachtung nicht die falsche Konsequenz zieht und in Selbstverurteilung zurückfällt. Er soll nicht erneut schlecht von sich denken. Er soll nur eine Illusion verlieren. Diese Illusion lautet: “Wenn ich mich genug anstrenge und diszipliniere, schaffe ich es gegen die Sünde.” Aber das Problem “Sünde” lässt sich mit Disziplin und Entschlossenheit nicht lösen. Es lässt sich damit nur verlagern. Die Lösung ist eine andere.


Letztlich wird auch der Verlust dieser Illusion zu Mister “Ich”s Erleichterung beitragen. Er ist ja des “Wollens und Laufens” schon müde, und findet doch nach jeder neuen Anstrengung nur die grinsende Sünde vor, die wie der Igel dem Hasen sagt: “Ich bin schon da.” Solange er meint, er habe sich noch nicht genug bemüht, läuft er sich zu Tode oder - wahrscheinlicher - resigniert irgendwann. Jetzt aber kommt er dem Punkt näher, an dem er imstande sein wird, die bessere Alternative anzunehmen, die Gott ihm zeigen wird. Dieser Punkt liegt da, wo sein Scheitern ihn nicht nur theoretisch von der Aussichtslosigkeit seines Bemühens überzeugt hat. “In mir wohnt nichts Gutes.”



Sonntag, 26. Juni 2011

Gescheiterte Vorsätze

Romans VII: Interim result

Abgelegt unter: Geglaubtes — Haso @ 8:20


Was in Römer 7,14-25 bisher geschah: Mister “Ich”, der Christ der gescheiterten Vorsätze (V 15), macht Entdeckungen über sich selbst. Diese Entdeckungen sind Wahrheiten, die ihn Stück für Stück befreien. Zunächst befreien sie ihn von einigen Lügen, die er geglaubt hat.

Erste Lüge: Mister “Ich” ist ein schlechter Christ


Mister “Ich” ist ein völlig normaler Christ. Römer 7 ist nicht der Pranger, an den die Bibel gescheiterte Existenzen stellt. Römer 7 erklärt normalen Christen, warum sie erleiden, was sie erleiden.


Das Selbstbild von Mister “Ich” sieht nicht sehr rosig aus. Er fühlt sich immer wieder als christlicher Versager. Aber Gottes Wort sagt: Mister “Ich” “stimmt mit dem Willen Gottes überein” (Vers 16). In seinem Innern hat Mister “Ich” bereits eine große Veränderung erlebt. Er würde gern nach Gottes Willen leben, schafft es nur noch nicht. (Wie könnte jemand ein schlechter Christ sein, der jeden Tag Hasos Tafel liest, in der Hoffnung, hier einige Einsichten zu gewinnen, durch die er sein “Versagen” überwinden kann?)

Zweite Lüge: Mister “Ich” ist das Problem


Mister “Ich” meint, er selbst sei das Problem. Wenn er hingegebener, disziplinierter, entschiedener, frömmer oder wer weiß was wäre, wäre alles anders. Aber Gottes Wort sagt: Mister “Ich” ist nicht das Problem. Mister “Ich” hat lediglich ein Problem: die Sünde, die in ihm wohnt (V 17). Wenn in deinem Haus Ungeziefer wohnt, ist nicht dein Haus schlecht, sondern das Ungeziefer. Wenn in deinem Körper Viren wohnen, ist nicht dein Körper das Problem, sondern die Viren. Es fühlt sich so an, als sei dein Körper das Problem. Aber werde nur die Viren los, dann merkst du, er ist nicht das Problem. Er hat nur ein Problem.


Wenn in dir die Sünde wohnt, bist nicht du schlecht, sondern die Sünde, die in dir wohnt. Mister “Ich” ist kein Problemtyp, sondern ein ganz normaler Christ, der nur ein paar Sachen noch nicht herausgefunden hat. Lass ihn diese Sachen herausfinden und warte ab, was geschieht.

Dritte Lüge: Gott ist unzufrieden mit Mister “Ich”


Gott ist nicht böse auf Mister “Ich”. Gott ist böse auf die Sünde. Er hat die “Sünde im Fleisch” verurteilt (Römer 8,3), nicht den Mister “Ich”. Gott ist völlig auf seiner Seite und will ihm helfen. Gott hat keinen Stress mit Mister “Ich”.


An dieser Stelle taucht regelmäßig eine Besorgnis auf: ist das nicht zu viel Gnade? Was hindert dann die Menschen daran, einfach drauf los zu sündigen, wenn Gott nicht sauer ist und sie nur Opfer sind? Ja, was hindert sie wohl? Vielleicht das neue Leben in ihnen?


Ansonsten gebe ich diese Frage an Gott weiter. Ich habe das ganze Ding ja nicht erfunden. Die Aussage, dass nicht Mister “Ich” die bösen Dinge tut, sondern die Sünde, die in ihm wohnt (Vers 17), stammt ja nicht aus der Tafel des Haso, und auch nicht aus dem Brief des Paulus, sondern aus dem Wort des Herrn. Er hat dafür gesorgt, dass Römer 7,14-25 zuerst in den Römerbrief und dann ins Neue Testament kommt.


Gott wollte dir nämlich vom Himmel herab sagen: “Wenn du als Christ gerne meinen Willen tun möchtest, es aber nicht schaffst, dann erkläre ich, dein Vater im Himmel, dir: Nicht du tust es, sondern die Sünde, die in dir wohnt. In meinen Augen bist du nicht Täter, sondern Opfer. Wie könnte ich da anders als für dich sein, mein Kind. Schenk mir einfach weiter deine Aufmerksamkeit, und ich werde dich lehren, was dir hilft (Jesaja 48,17)”.


Montag, 20. Juni 2011

Auf dem Weg zur Freiheit

Romans VII: The victim

Abgelegt unter: Geglaubtes — Haso @ 7:48


Heute begleiten wir Mister “Ich” (aus Römer 7,14-25) erneut auf seinem Weg der Erkenntnis über sich selbst. Am Anfang stand die gefühlte Befindlichkeit: “Ich schaffe es nicht, als Christ zu leben. Was ich mir vornehme, gelingt mir nicht. Was ich nicht will, tue ich doch immer wieder. Ich bin ein Versager” (Vers 14-15). Wir haben ihm geraten, lieber noch einmal nachzumessen, ob es wirklich so schlecht um ihn steht. Als nächstes dämmerte ihm die Erkenntnis: “Wenn es mir etwas ausmacht, ständig den Willen Gottes zu verfehlen, dann muss mein Inneres in Übereinstimmung mit Gottes Willen sein. Sonst würde ich ja nicht am meinem Scheitern leiden” (Vers 16). Und nun folgt dieser Einsicht eine zweite:


So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. (Vers 17)


Wenn ich in meinem Inneren in Übereinstimmung mit Gottes Willen bin, folgert Mister “Ich”, dann kann ich nicht der eigentliche Urheber meines bedauerlichen Tuns sein. Ich will es ja gar nicht, und trotzdem kommt es immer wieder zustande. Es muss in mir eine Kraft geben, die etwas hervorbringt, was ich nicht will. Diese Kraft nenne ich die “Sünde” (Einzahl).


Damit ist das Problem von Mister “Ich” natürlich noch nicht gelöst. “Der Feind in mir”, das klingt immer noch nicht gut. Und trotzdem erleichtert ihn diese Einsicht. Denn allmählich geht ihm auf, dass er in Gottes Augen nicht Täter, sondern Opfer ist.


Gott ist in diesem inneren Konflikt nicht sein Richter und schon gar nicht sein Ankläger. Das übernehmen andere. Der Teufel zum Beispiel. Religiöse Leute stehen ihm da nichts nach. Das eigene Gewissen singt die dritte Stimme. Aber Gott macht mit Sicherheit kein Quartett aus dieser Condemnation Band.


Der klassische Mister “Ich” im Neuen Testament ist Petrus. (Er wird uns noch näher beschäftigen.) Er tat, was er nie tun wollte, er verleugnete Jesus. Als Folge davon erlitt er die volle Dosis der Selbstanklage. Nur einer klagte ihn nicht an - Jesus. “Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre” (Lukas 22,32), solidarisiert sich Jesus mit ihm.


Das Versagen von Mister “Ich” weckt in Gott keine Regung des Missfallens, sondern eine Regung der Barmherzigkeit. Gott steht immer auf der Seite des Opfers. Und ein solches ist Mister “Ich”. (Du brauchst Gott nie mehr, als wen du sündigst. Gehe ihm nie aus dem Weg, wenn du sündigst.)


Gottes Barmherzigkeit drückt sich darin aus, dass er Mister “Ich” hilft. Die größte Hilfe hat er ihm schon vor zweitausend Jahren geschickt. Das ist das Coolste: Mister “Ich” kann gar keine Sünde begehen, für die Jesus noch nicht bezahlt hat.


Aber nun fügt Gott noch zwei weitere Hilfemaßnahmen hinzu. Die erste ist dieselbe wie bei Petrus: Jesus betet für Mister “Ich” (Hebräer 7,25). Er betet nicht um Vergebung, die ist bereits geschehen. Er betet, dass auch Mister “Ich”s Glaube nicht aufhöre; dass er nicht an sich selbst verzweifelt, den anklagenden Stimmen Gehör schenkt und am Ende die Flinte ins Korn wirft.


Die zweite Hilfemaßnahme ist die “Wahrheit”. Gott hat einem anderen Ex-Mister-”Ich”, Paulus, Einsichten geschenkt, dass es viel besser um ihn stand, als der dachte. Gott hat dafür gesorgt, dass dieser Mister “Ich” seine Einsichten in einem Brief anderen Mister “Ich”s in Rom mitgeteilt hat. So kamen sie ins Neue Testament und können jetzt direkt oder auf dem Umweg über Hasos Tafel dich erreichen, wenn du Mister “Ich” bist.


Wahrheit macht frei. Nicht Appelle, Vorsätze, Bußübungen und Selbstvorwürfe. Mit diesen freimachenden Wahrheiten sind wir noch lange nicht am Ende. Ich fasse die ersten noch einmal kurz zusammen. (1) Mister “Ich” ist innerlich bereits in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. (2) Wann immer er diesen Willen verfehlt, ist er nicht Täter, sondern Opfer. Und Opfer haben Gott auf ihrer Seite.


Fortsetzung folgt.