Mittwoch, 18. April 2012

Ich lebe nicht nach der Bibel

Ein älterer, aber dennoch sehr aktueller Artikel von Harald Sommerfeld.

Ich lebe nicht nach der Bibel

Was siehst du hier?

Richtig. Beides sind Baupläne von Pflanzen. Bei dem linken Bild handelt es sich um den Samen des Ackergauchheil (Anagallis arvensis). In ihm ist das gesamte Erbgut (Genom) dieser Pflanze gespeichert.

Rechts dagegen siehst du die Erbgut-Analyse (DNA-Sequenz), die Biologen von einer anderen Pflanze gemacht haben. Hast du sie erkannt? Ja, es ist der Asparagus officinalis, von Laien auch “Gemüsespargel” genannt. Genau genommen ist es nur ein winzig kleiner Ausschnitt seines Genoms. Aber mein Speicherplatz ist begrenzt – und deine Geduld sicher auch.

Jetzt habe ich noch eine Frage. Was siehst du hier?

“Eine Bibel natürlich.” Aber das war noch nicht die eigentliche Frage. Die kommt jetzt: Welchem der beiden Bilder von vorhin gleicht die Bibel mehr? “Dem rechten, das sieht doch jeder. Ein Buchstabe neben dem anderen.” Wirklich?

Ich will dir erklären, warum ich das anders sehe und warum ich aufgehört habe, nach der Bibel zu leben.

Ich lebe nicht nach der Bibel

Gottes Wort hat Power, mehr als alles andere im Universum. Klar, denn durch dieses Wort ist das All entstanden. Am Anfang sprach Gott: “Bang.” Vielleicht auch “Big Bang.” Und ein Universum wurde geboren. Die einen meinen, dass Gott sehr schnell gesprochen hat. Die anderen meinen, er habe gaaaaanz langsam gesprochen. Ich lasse das offen. Gott kann total fix sein. Er kann sich auch furchtbar viel Zeit lassen. Denke darüber, wie du willst. Ich werde mit dir nicht streiten.

Auf jeden Fall sprach Gott mit unvorstellbarer Kraft. Seine Worte brachten alles hervor, was existiert. Himmel und Erde, Land und Meer, Fauna und Flora. Hier ein Auszug aus dem Protokoll:

Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin. So geschah es. Das Land brachte junges Grün hervor, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem Samen darin. Gott sah, daß es gut war. (Genesis 1,11-12; Einheitsübersetzung)

Nun ist Gott jemand, der denkt, bevor er spricht. (Das ist nachahmenswert.) Bevor Gott anfing, die Welt in Existenz zu sprechen, existierte die Welt in seinen Gedanken. (Theologen nennen das den “Ratschluss Gottes”, den er “vor Grundlegung der Welt” gefasst hatte.) Der Bauplan für jede Pflanze war in Gottes Gedanken bereits vorhanden, ehe der erste Halm auf dieser Erde wuchs und die erste Blüte aufging. Dann sprach Gott, und seine Gedanken wurden sichtbar – bunt und vielfältig.

Zu diesen Gedanken gehörte auch eine geniale Erfindung: der Same. Ein Samenkorn ist eigentlich nichts anderes als ein aufgezeichnetes Wort Gottes. Wie Gott sich eine Pflanze gedacht hatte, so sprach er sie, und so wurde sie. Alle diese Informationen sind jetzt in ihrem Samen enthalten.

Gottes gesamter Bauplan für den Ackergauchheil ist in diesem Samen gespeichert – auf molekularer Grundlage. Deshalb sage ich, der Same ist ein aufgezeichnetes Wort Gottes. Forscher sind dabei, solche Worte Gottes zu entschlüsseln. Sie nennen es Erbgut oder Genom. Für den Speisespargel sieht ein kleines Stück davon so aus:

Hier sind die Informationen nicht mehr durch Moleküle aufgeschrieben, sondern durch Buchstaben (man nennt das eine DNA-Sequenz). Aber es sind dieselben Informationen, die in Gottes Gedanken waren, bevor er sprach. Und es sind dieselben Informationen, die in einem Samenkorn stecken.

Es gibt allerdings einen großen Unterschied zwischen einem Samenkorn und solchen DNA-Sequenzen. Samenkörner enthalten nicht nur die Informationen über eine Pflanze. Sie enthalten auch die Kraft ihres Lebens.

Mit DNA-Sequenzen kann man viel anfangen. Man kann Pflanzen und ihren Samen erforschen und sogar verändern. Aber man kann weder Samen noch Pflanze hervorbringen. Drucke die gesamten Erbinformationen des Spargels aus und pflanze sie in einen Acker, es wird nichts wachsen. Baue sie mit Nanotechnik nach, es wird nichts leben.

Ganz anders steht es mit dem Samen. Wirf ihn in einen Acker, und er bringt seine Art hervor. In ihm ist die Kraft des Lebens, die Kraft des Wortes Gottes. Lass dich durch seine Winzigkeit nicht täuschen. Ein Same ist ein kraftvolles Ding. Er wirkt so schwach. Du kannst ihn zwischen zwei Fingern zerquetschen. Aber wenn du ihn einpflanzt, bringt er einen Baum hervor, aus dessen Holz du einen Baseball-Schläger fertigen kannst, der deine Finger zerquetscht. Wenn der Wind den Samen in einen kleinen Felsspalt weht, musst du nur lange genug warten, um zu sehen, wie die Wachstumskraft der Wurzel den Felsen sprengt.

Die “neue” Schöpfung

Pflanzen sind, wie du weißt, nicht das einzige, was Gott geschaffen hat. Aber immer findest du dieses Prinzip: Gott hat gedacht. Gott hat gesprochen. Das Gedachte wurde.

Das gilt auch für die “neue” Schöpfung. Die “alte” ist ja nicht mehr im Originalzustand. Und anstatt sie notdürftig zu flicken, hat Gott sich gedacht: “Ich mache lieber etwas Neues.” Nicht irgendwann einmal, sondern hier und heute, mitten in der “gefallenen” Schöpfung, fange ich an, etwas ganz anderes hervorzubringen.

Bei der Erschaffung des neuen Universums geht Gott übrigens in umgekehrter Reihenfolge vor. Diesmal fängt er nicht mit der Umwelt an und hört mit dem Menschen auf, wie beim ersten Mal. Diesmal fängt er mit dem Menschen an.

Die “neue” Schöpfung beginnt mit “neuen Menschen”, zum Beispiel mit dir. Und – du kannst es dir schon denken – Gott hat wieder gesprochen:

Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien. Denkt daran, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn bereit; denn im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist. Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. (Jakobus 1,18-21; Einheitsübersetzung)

Die Bibel, das “Wort der Wahrheit”, gleicht dem Samen, nicht der DNA-Sequenz. Sie beschreibt nicht nur das christliche Leben, sie bringt es hervor. Die Bibel ist nicht in erster Linie ein Studierbuch, sondern ein Same. Deshalb spricht Jakobus davon, dass wir durch dieses Wort “geboren” wurden. Wir haben nicht Konzepte, sondern Leben empfangen. Das Wort ist uns “eingepflanzt”, nicht eingetrichtert worden. Gottes Wort lebt und bringt hervor.

Viele Menschen wissen das nicht. Sie studieren die Bibel wie eine DNA-Sequenz, wie eine Beschreibung des neuen Lebens. Am Ende wissen sie eine Menge darüber, wie ein Christ sein sollte. Aber sie sind nicht so. Sie mühen sich ab, ihre Einsichten umzusetzen. Sie versuchen, den Bauplan des christlichen Lebens nachzubauen. Aber die Ergebnisse sind unbefriedigend und nicht wirklich lebendig.

Anscheinend haben sie die Vorstellung, dass das Wort nur die Information enthält. Der Rest ist ihr Job. Und so plagen sie sich ab und versuchen, nach den Anweisungen der Schrift geistliches Leben zusammenzusetzen. Aber so läuft das nicht. Geistliches Leben ist kein Lego oder Mosaik. Geistliches Leben ist ein Organismus.

Die Bibel enthält nicht nur unsere geistliche Erbinformation. Sie enthält Kraft. Jakobus sagt: das Wort “hat die Macht, dich zu retten” (wörtlich: deine Seele zu retten = zu verändern). Wie der Same ist Gottes Wort gefüllt mit der Kraft des Lebens. Die Bibel beschreibt nicht nur, was für ein Mensch du werden sollst. Die Bibel macht dich zu diesem Menschen. Sie braucht nur den richtigen Acker, und schon wächst und blüht geistliches Leben. Am Ende steht die Frucht. Die Bibel hat die Kraft, all das hervorzubringen, wovon sie redet.

Deshalb habe ich aufgehört, nach der Bibel zu leben. Das schaffe ich gar nicht. Das fängt damit an, dass ich gar nicht alles im Auge behalten kann, was laut Bibel mein Leben kennzeichnen soll. Ich soll

  • glauben wie Abraham
  • demütig sein wie Mose
  • kämpfen wie Gideon
  • anbeten wie David
  • geduldig sein wie Hiob
  • beten wie Daniel
  • stark und mutig sein wie Josua
  • Gott vertrauen wie Hiskia

Ich soll

  • geistlich arm sein
  • sanftmütig sein
  • nach Gerechtigkeit hungern und dürsten
  • barmherzig sein
  • ein reines Herz haben
  • Frieden stiften
  • Verfolgung erleiden
  • mich selbst verleugnen
  • mein Kreuz auf mich nehmen

Ich soll

  • Salz sein
  • Licht sein
  • weise sein
  • hingegeben sein
  • brennend sein
  • zuversichtlich sein
  • heilig sein
  • ein Überwinder sein

Ich soll

  • Zeugnis geben
  • den Zehnten geben
  • Almosen geben
  • vergeben
  • nachgeben
  • wem sie gebührt, Ehre geben
  • keinen Anstoß geben
  • mein Leben geben
  • und wahrscheinlich noch mehr geben

Ich soll

  • Gott lieben
  • meinen Nächsten lieben
  • meinen Feind lieben
  • die Brüder lieben
  • die Schwestern lieben
  • die Gemeinde lieben
  • die Welt lieben
  • die Welt andererseits nicht lieben
  • das Leben und gute Tage lieben
  • ohne Geld und Ehre zu lieben

Das kann ich gar nicht alles im Auge behalten. Schließlich muss ich ja auch noch so profane Dinge tun wie Verkehrszeichen beachten, Post erledigen, Termine wahrnehmen und vieles mehr.

Von dem, was ich im Auge behalten kann, verstehe ich nicht alles. Und von dem, was ich verstehe, schaffe ich nicht alles. Ich lebe nicht nach der Bibel.

Nein – die Bibel lebt in mir! Gottes Wort hat angefangen, in mir zu leben. Nicht ich ändere mich, sondern das Wort ändert mich. Nicht gute Vorsätze bringen mich voran, sondern die Kraft des Lebens, das im Wort ist.

Gib der Bibel ihren Acker

Damit die Bibel das für dich tut, braucht sie – wie ein Same – nur eins: einen Acker. Dieser Acker ist nicht mein Kopf. Es ist mein Herz. Ich habe ihr mein Herz als Acker zur Verfügung gestellt. Und ich erlebe ihre Kraft. Sie bringt Neues hervor.

Wenn ein Same seinen Acker gefunden hat, macht er alles von selbst. Er keimt, schlägt Wurzeln. Er braucht nur Zeit. Gottes Wort braucht nur Zeit, dann bringt es Wunder hervor. Es ist immer noch die stärkste Kraft im Universum. Du musst es nicht tun. Das Wort tut es in dir, wenn du ihm dein Herz zuwendest.

Mein Sohn, achte auf meine Worte, neige dein Ohr meiner Rede zu! Lass sie nicht aus den Augen, bewahre sie tief im Herzen! Denn Leben bringen sie dem, der sie findet, und Gesundheit seinem ganzen Leib. Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. (Sprüche 4,20-23; Einheitsübersetzung).

Jesus sagte “zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien” (Johannes 8,30-31; Einheitsübersetzung).

Beachte: die Wahrheit befreit dich. In dieser Aussage bist du nicht das Subjekt (der Handelnde). Die Wahrheit ist es. Du bist das Objekt (der, an dem etwas geschieht). Lass dir vom Wort Gutes tun. Hör auf Jakobus und nimm das Wort sanftmütig (ohne Widerspruch) an. Es ist schon in dich gepflanzt. Es hat Kraft. Es rettet deine Seele. Es tut dir gut.

Damit das Wort in deinem Herzen Wurzeln schlägt, ist vor allem eins wichtig: das Hören. Deshalb rät Jakobus dir, damit sehr fix zu sein. Glaube kommt aus dem Hören, und vieles andere auch. Der beste Weg zum Hören ist, dir das Wort selber laut vorzulesen. Sei sicher, dein Herz hat Ohren.

Es ist überhaupt kein Problem, wenn du in der Bibel etwas noch nicht verstehst. Oder wenn du dich dadurch überfordert fühlst. Oder wenn du dich daran reibst und dir manches nicht passt. Das sind alles nur Reaktionen deiner Seele, deines Verstandes, deines Willens. Dein neues Leben steckt viel tiefer in dir, in deinem Geist, deinem Herzen. Sprich einfach weiter, was du nicht verstehst, nicht willst, nicht magst. Tief in dir passiert etwas.

Und dann kommt eines Tages die Erleuchtung. Auf einmal kommt es dir vor, als werde ein Vorhang weggezogen. Du siehst es. Du erkennst es. Das Fragezeichen ist weg. Deine Missverständnisse und damit auch deine Bedenken werden ausgeräumt. In dir wird etwas freigesetzt. Das Leben, das im Samen ist, bricht sich Bahn.

Lass uns noch etwas weiterlesen bei Jakobus:

“Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein” (1,22-25; Elberfelder).

Vielleicht denkt der eine oder andere jetzt: “Da siehst du, dass du Unrecht hast. Das Wort ist super. Aber der Täter sind immer noch wir, nicht die Bibel.” Warte ab. Ich behaupte, diese Verse gehören zu den am meisten missverstandenen Worten der Bibel. Also ran an ein bisschen Auslegung.

Schlüsselbegriff dieses Abschnitts ist der “Spiegel”. Das ist ein anderes Bild für Gottes Wort. Jetzt kenne ich deinen Spiegel nicht, aber wenn ich morgens ins Badezimmer gehe, zeigt mir mein Spiegel nie, wie ich sein sollte. Er zeigt mir immer, wie ich bin. Wie mein Spiegel, so meine Bibel. Ich lese sie nicht, um herauszufinden, wer ich sein sollte. Ich lese sie, um herauszufinden, wer ich bin.

Dieses Spiegelbild sagt mir ungemein zu. Mir gefällt, was ich da über mich entdecke. Ich bin “die Gerechtigkeit Gottes” (2.Korinther 5,21). Das heißt, Gott findet mich voll in Ordnung. Ich bin eine “neue Kreatur” (2.Korinther 5,17). Das war in meinem Fall auch unbedingt nötig. In der Bibel sehe ich, dass das Alte vorbei ist, ein für allemal. (Ohne die Bibel wäre mir das gar nicht so klar. Sehe ich nicht manchmal noch ganz schön alt aus? Aber die Bibel sagt mir: Das ist nur der Schnee von gestern, der noch nicht ganz getaut ist. Das zählt eigentlich nicht mehr.)

Ich schaue weiter in den Spiegel. Er zeigt mir, dass ich ein Sohn Gottes bin. Jemand, der mit Jesus eins geworden ist. Sein Leben fließt ständig in mich hinein. Cool.

Jetzt erinnere ich dich an etwas, was wir vorhin bei Jakobus gelesen haben. Du sollst dir das Wort “sanftmütig” zu Herzen nehmen. Sanftmütig bedeutet: ohne Gegenwehr, ohne Widerspruch. Viele Christen, die ich kenne, reden schlecht von sich, wie von einem Wesen voller Defizite. Das ist nicht Sanftmut. Gott redet in seinem Wort gut von dir. Höre auf, dich dagegen zu wehren, dass du durch Jesus okay bist. Nimm es an, dass Gott dich super findet. Sei sanftmütig. Sprich nicht anders als Gott.

Diese Sanftmut fällt manchem schwer. Er findet in sich Gefühle von Minderwertigkeit, Ablehnung. Er erinnert sich an Versäumnisse und Fehler. Daraus formt er sich sein Bild von sich selbst. “Ich weiß doch, wie schlecht ich bin”, denkt er. “Du weißt nicht, wie gut du bist”, sage ich. Was meinst du, warum Gott dir diesen Spiegel gegeben hat. Wenn du aus deinen Gefühlen oder Erinnerungen ablesen könntest, wie du in seinen Augen aussiehst, hätte er sich diesen Spiegel schenken können.

Zurück zum Samen. Wenn ein Landwirt seinen Acker besät, weiß er, dass der Same unter der Oberfläche aufgeht, bevor die Pflanze die Erde durchstößt. Für deine laienhaften Augen ist es nur ein schmutziges Stück Land, dunkle braune Erde. Für den Bauern ist es ein Acker voller Weizen. Er weiß, was er gesät hat.

Wenn dann die grünen Blattspitzen sichtbar werden, ist für dich nicht erkennbar, was da wächst: Unkraut, Gras, Getreide – keine Ahnung. Der Landwirt sagt dir: das ist Weizen, auch wenn vieles noch zu fehlen scheint, was du mit Weizen verbindest. Er weiß, was er gesät hat. Er weiß, was die Saat hervorbringt.

Gott weiß auch, was er in dein Herz gesät hat. Selbst das, was noch nicht sichtbar durchgebrochen ist, hat schon gekeimt. Er sieht schon in dir, was du noch nicht siehst. Deshalb gibt er dir seinen Spiegel, damit du nicht mehr besorgt bist und schlecht von dir denkst. Nimm “sanftmütig” an, was Gott über dich sagt. Dann bringt sein Same in deinem Herzen alles ans Tageslicht, was tief in dir schon von Gott geboren ist.

Jetzt können wir verstehen, was es heißt, ein Täter des Wortes zu sein. Wir sollen so ausgiebig in den Spiegel des Wortes schauen, dass wir im Alltag nicht vergessen, wer wir sind. Und dann leben wir einfach als das, was wir sind.

Auf eine Formulierung von Jakobus möchte ich dich noch hinweisen: “Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat …” Ich würde das heute so ausdrücken: “Schau so lange in das Wort, bis es in dir etwas freisetzt.” Wenn dir das Wort noch wie ein Appell von draußen vorkommt, zu dem du dich mühsam durchringst, ist dieser Punkt noch nicht erreicht. Dann bist du nicht ein Täter des Wortes, sondern ein Täter religiöser Überzeugungen. Das Wort steckt erst wie eine DNA-Sequenz in deinem Kopf, ist noch nicht wie ein Same in deinem Herzen aufgegangen. Alles, was du so tust, tust DU, mit deiner eigenen Kraft.

Mach dir nichts draus. Das ist vorübergehende Normalität. Schau einfach weiter, bis etwas in deinem Herzen “Bang” sagt. Bis eine Kraft in dir dich freisetzt. Dann ist es das Wort, das handelt, das hervorbringt. So hat Gott es gemeint.

Fotos: Ackergauchweil © 2005 Derek Lilly (Jusben@morgueFile)
Fotos: Bibel © 2005 Gerson Robles (gershom@stock.xchng)

Mittwoch, 4. April 2012

Glaubensleben

Hier wieder mal ein älterer Artikel von Harald Sommerfeld.

Es ist wirklich gut diese Büchlein einmal auszudrucken und 4-5mal ;-) betend zu lesen. ( Das Zwinkerzeichen ist deswegen gesetzt, weil 4-5mal natürlich nicht genügt) :-)
Wer will, de, kann ich diese Schrift auch als Pdf schicken.
Einfach im Kommentar die Bitte äußern, und die E-mail Adresse angeben.


Pin-Tan-Glaube


Der PIN-TAN-Glaube

Immer mehr Christen suchen neu nach dem Übernatürlichen. Sie haben genug von einem Glauben, der nur Welt-Anschauung ist. Sie wollen anders leben, als nur Regeln einzuhalten. Sie wollen sehen, wie durch Gottes Kraft Unmögliches möglich wird.

Ich gehöre zu ihnen. Manches machen wir schon richtig. “Nicht immer, aber immer öfter” erleben wir starke Sachen. Anderes machen wir noch falsch. Aber wir lernen.

Der “PIN-TAN-Glaube” ist ein Beitrag zum gemeinsamen Lernen.

Der PIN-TAN-Glaube

Gott ist gut, und Gott ist Gott. Er ist immer für uns, und er ist immer souverän. Er hilft uns, aber er handelt auf seine Weise. Er tut, “was die Gottesfürchtigen begehren” (Psalm 145,19), und ist doch kein Automat.

Wie können wir von diesem Gott bekommen, was wir wollen (Johannes 15,7), und gleichzeitig seinem Willen unterworfen sein? Eine gute Frage - scheint mir. Eine lohnende obendrein, denn durch die Antwort auf diese Frage werden nicht nur die Geschenke Gottes für uns greifbarer, sondern der Geber selbst wird vertrauter.

Am besten lassen wir uns die Antwort von Menschen geben, die sie kennen. Wir finden sie in der Bibel. Wenn sie zu kämpfen hatten, wollten sie siegen. Ihr Gott schenkte ihnen den Sieg. Wenn sie krank waren, wollten sie gesund werden. Ihr Gott heilte sie. Wenn sie in Notlagen kamen, wollten sie versorgt werden. Ihr Gott versorgte sie. Dennoch blieb er der souveräne Gott, wurde nie einfach nur zu einer nützlichen und berechenbaren Größe. Ihre Erfahrungen sind für uns aufgeschrieben.

1. Der Kampf ist des Herrn

Am Anfang dessen, was wir die Heilsgeschichte nennen, suchte Gott sich souverän einen Mann aus, durch dessen Nachkommen er seine Geschichte schreiben wollte: Abraham. Niemand hätte Gott zwingen oder überreden können, sich mit Israel zu verbinden. Und niemand hätte es ihm ausreden können - bis heute nicht. Mit diesem Volk ging Gott einen Bund ein. Er legte sich fest. Damit sein Volk ihm vertrauen konnte, schrieb er in einem Vertrag auf, was er ihnen garantierte, solange sie ihm im Rahmen dieses Bundes begegneten.

Eine seiner Festlegungen lautete: “Wenn du nun der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen wirst … wird der HERR deine Feinde, die sich gegen dich erheben, vor dir schlagen. Auf einem Weg sollen sie ausziehen wider dich und auf sieben Wegen vor dir fliehen” (5.Mose 28,1.7). Damit war klar: Treue gegenüber dem Bund bedeutete Sieg über den Feind. Die Berichte des Alten Testaments zeigen uns, wie zuverlässig dieses Versprechen war, genauso wie seine Umkehrung: Untreue führte zur Niederlage.

Stellen wir uns nun vor, wir würden die Führer jener Zeit fragen: “Wie schlägt Gott die Feinde vor euch?” Die Antworten könnten unterschiedlicher nicht sein. Josua: “Es ist ganz einfach. Man muss nur sieben Tage um die feindliche Stadt herumziehen, dann bringt Gott ohne menschliches Zutun ihre Mauern zum Einsturz” (Josua 6). Wenige Wochen später klingt es allerdings schon anders: “Man muss sehr wachsam sein. Ein Mann im Heer, der Gottes Anweisungen übertritt, macht alles zunichte. Zuerst muss das Volk völlig geheiligt sein, bevor der Herr eine Stadt in unsere Hände gibt” (Josua 7-8).

David: “Halt! Als ich das erste Mal an die Front kam, war das Heer alles andere als heilig. Dennoch ließ Gott uns siegen. Ich musste nur den stärksten Mann der Feinde aufs Korn nehmen, und nachdem Gott mir half, ihn zu erledigen, war der Rest reine Formsache” (1.Samuel 17). Joschafat: “Nicht einmal das ist nötig. Man zieht in die Wüste, um Gott den ganzen Tag lang anzubeten, dann sorgt er dafür, dass die Feinde sich von allein gegenseitig aufreiben” (2.Chronik 20). “So einfach ist es auch wieder nicht”, hören wir schließlich einige namenlose Heerführer Israels. “Wir haben bitteres Lehrgeld gezahlt. Obwohl wir einen gerechten Krieg führten, wurden wir zweimal geschlagen. Erst nachdem wir (mit Fasten und Opfern) durchgebetet hatten, gab Gott uns den Sieg” (Richter 20).

Ja, Gott gab ihnen allen den Sieg. Aber er gab ihn jedes Mal auf einem anderen Weg. Der Kampf ist des Herrn (1.Samuel 17,47). Seine Treue garantierte den Sieg. Seine Souveränität und Kreativität legte jedes Mal neu fest, wie er errungen wurde.

Das ist wichtig für uns, die wir nicht mehr gegen “Fleisch und Blut” antreten, aber mitten in einem Krieg ganz anderer Art stehen. Wir kämpfen um unsere Familien, Nachbarschaften und Städte. Viele unsichtbare zerstörerische Kräfte sind in ihnen am Werk. Sie treiben Menschen dazu, sich selbst und andere zu ruinieren. Sie halten Gottes gute Absichten für die Menschen auf. Ihnen treten wir entgegen.

Wir haben von Christen gehört, die wie Josua ihre Nachbarschaft durch Gebetsgänge verändert haben. Nun denken wir, das sei der Schlüssel. Aber andere Nachbarschaften sind gründlich gebetsspazier-begangen worden, ohne dass Gottlosigkeit und Kriminalität zurückgegangen wären.

Dann wurde uns berichtet, wie nach Aufarbeitung der Schuld eines Ortes und stellvertretender Buße Durchbrüche geschehen sind. Also - meinen wir - sei das nun der Schlüssel für unser Gemeinwesen. Aber nicht jede Bußkonferenz hat den Durchbruch gebracht. Und mancher Durchbruch ist geschehen, ohne dass vorher die Geschichte “durchgebüßt” wurde.

Vielleicht ist öffentliche Anbetung der Königsweg zur Transformation? Schließlich haben nicht nur Joschafat und sein Volk das so erlebt, sondern es gibt genug neuzeitliche Zeugnisse, wie durch Lobpreis Verhältnisse radikal umgedreht wurden. Ich erinnere mich an meine ersten Jahre als Christ. Eine Reihe von Büchern erfreuten sich großer Beliebtheit, die allesamt Variationen über ein einziges Thema waren: “Du musst nur in jeder Situation Gott loben und preisen, dann ändert sich alles.” Das Schöne ist, vieles hat sich so geändert. Das Hässliche ist, es hat sich eben nicht alles geändert.

Dann ist der Schlüssel sicher ein “Power Encounter” wie bei David? Demonstriere öffentlich die Überlegenheit deines Gottes durch Zeichen und Wunder verschiedenster Art, dann gewinnst du deine Stadt. Gott sei Dank, manche Städte sind so gewonnen worden. Andere nicht.

So bleibt nur das Durchbeten. Entsprechende Berichte haben uns immer wieder ermutigt und inspiriert. Aber was ist mit denen, die schon jahrelang fasten und beten und noch keine Veränderung erlebt haben? Demgegenüber scheint es fast ungerecht, wenn wir dann von anderen Gegenden hören, wo der Durchbruch ohne solches Zutun wie eine reife Frucht vom Baum fiel.

Halten wir erst einmal fest: Es gibt nicht den Schlüssel. “Neuer Kampf - neue Strategie”, sagt Gott.

2. Ich bin der Herr, der dich heilt.

Zu den Bundeszusagen Gottes gehörte auch die Heilung von Krankheiten. Wirst du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen … so bin ich der HERR, der dich heilt (2.Mose 15,26).

Diese Festlegung Gottes gilt erst recht für uns. Gott hat nämlich inzwischen den “Arbeitsvertrag” des Alten Bundes durch einen “Schenkungsvertrag” ersetzt, den Neuen Bund. Genauer gesagt: Gott erfüllt nicht nur seine eigenen vertraglichen Verpflichtungen. Er erfüllt auch unsere. Gott liefert und Gott bezahlt. In Jesus wird er einer von uns. Durch ihn erfüllt er stellvertretend alles, was der Bund von uns fordert - Gehorsam und Hingabe. So ist der Bund für alle gesichert, die sich im Glauben mit Jesus verbinden. “Durch seine Wunden sind wir geheilt” (Jesaja 53,5). Wer Gott auf der Grundlage des Bundes begegnet, hat sein Wort.

Wie erlebt man nun diesen kostbaren Segen? “Ganz einfach, du musst nur Jesus berühren, und schon fließt seine Kraft”, sagt uns die Frau, die wir durch Luthers Sprachgebrauch als “die Blutflüssige” kennen (Markus 5,25-29). “Nein, man wird ganz anders geheilt”, sagt uns ein ehemals blinder Mann. “Jesus muss auf die Erde spucken und einen Brei machen. Diesen legt er dann auf die kranke Stelle deines Körpers, und nachdem du den Brei an einer nahe gelegenen Wasserstelle abgewaschen hast, bist du geheilt” (Johannes 9,6-7). “Das ist alles überflüssiges Zeug”, fällt ihm ein römischer Hauptmann aus Kapernaum ins Wort. “Der Meister muss nur ein Wort sprechen, dann weicht jede Krankheit” (Matthäus 8,5-13).

Wäre das in Deutschland geschehen, hätten wir schon drei Konfessionen: die Berührer, die Bespucker und die Besprecher. Andere kämen hinzu. Und nicht nur im Empfangen von Heilung finden wir diese Unterschiedlichkeit, auch im Heilungsdienst am Kranken. Jesus heilte durch Handauflegung, durch ein an die Krankheit gerichtetes Wort, durch Speichel und Seufzen, durch eine Aufforderung an den Kranken, durch Kraft, die einfach von ihm floss … Wir sehen in ihm die Treue des Vaters, dessen Willen er ungebrochen ausführte. Gleichzeitig begegnet uns in ihm die Souveränität des Vaters, der in der Wahl der Mittel sehr für Abwechslung zu sein scheint.

3. Gott gibt Kraft, Vermögen zu schaffen

Ein Bund ohne göttliche Versorgung würde uns auf dieser Erde in vielen Situationen ziemlich hilflos lassen. Aber Gott hat sich auch hier festgelegt: “Gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist’s, der dir Kräfte gibt, Vermögen zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund” (5.Mose 8,18).

Dieser Gott des Bundes versorgte Israel 40 Jahre lang in der Wüste, gab ihnen ein Land, in dem “Milch und Honig floss”, ließ sie mehr Beute machen, als sie tragen konnten und öffnete die Fenster des Himmels. Selbst wenn durch Missachtung des Bundes das Gros des Volkes in ärgste Bedrängnis kam, fand Gott einen Weg, seine Getreuen am Leben zu erhalten und ihnen das Nötige zukommen zu lassen.

Es wundert uns nicht mehr, wenn wir wieder sehen: jedes Versorgungswunder läuft anders ab. Elia sitzt einfach nur am Bach und wartet auf die Raben, die vom Grill des Königs eine Prophetenabgabe kassieren und zu dem Mann Gottes bringen (1.Könige 17,3-6). Die Witwe in Zarpat muss das Letzte, was ihr geblieben ist, hergeben, damit durch diese Investition (auch “Saat” genannt) die Rendite (auch “Ernte” genannt) bei ihr eingeht: wie viel sie auch backt und verbraucht, Öl und Mehl werden nicht weniger (1.Könige 17,13-16). Eine andere Witwe bekommt von Elisa die Anweisung, so viel leere Gefäße wie möglich zu leihen, weil nach dem Prinzip “Vermehren durch Umschütten” anschließend ihr weniges Öl solange fließen und fließen und fließen wird, wie sie es in ordentlichen Krügen auffangen kann (2.Könige 4,1-6).

Also gibt es auch nicht den Weg der Versorgung. Es gibt nur einen treuen Versorger und unendliche viele Kanäle seiner Treue. Schmerzhaft musste das Mose erleben. Er wollte bei erneutem Wassermangel in der Wüste einem Felsen das kostbare Nass nach dem gleichen Verfahren entlocken wie beim letzten Mal. Gott war darüber nicht glücklich. Schließlich hatte ihn Gott beim zweiten Mal nicht an die noch junge Tradition verwiesen, sondern eine neue Anweisung gegeben (Vergleiche 2.Mose 17,1-6 und 4.Mose 20,7-12).

Diese Beispiele sind für meine Frau und mich von besonderer Bedeutung. Vor einigen Jahren hat Gott uns herausgefordert, eine Pastorenstelle aufzugeben und ohne jede Sicherheit zu leben. Wir sollten keine behördliche Unterstützung in Anspruch nehmen und von uns aus niemanden um Spenden oder Hilfe bitten. Gott würde alles auf den Weg bringen, was wir brauchen.

Bald stellte sich heraus, dass die regelmäßigen Eingänge durch Sponsoren, zu denen Gott gesprochen hatte, längst nicht für unsere Lebenshaltungskosten ausreichten. Wir waren darauf angewiesen, ständig Überraschungen Gottes zu erleben. Wir erlebten sie auch. Wir wohnen immer noch in unserer schönen Wohnung. Wir hungern nur, wenn wir fasten. Gott ist treu.

Kreativ ist er auch. Er lässt sich immer neue Wege einfallen, um diese Geschenke freizuschalten. Im Frühjahr 2002 war ich sicher, dass ich nach Israel reisen sollte. Ich “wusste”, die Finanzen würden ohne mein Zutun zweckbestimmt und vollständig eingehen. So kam es. Es fehlte hinterher nur noch ein kleiner Restbetrag - bis durch einen nachträglichen Rabatt auch der abgedeckt war. Etwas in mir rief “Ja!”, als ich diese Nachricht bekam. Etwas in mir hatte darauf gewartet.

In anderen Fällen stellte sich dieses “Wissen” nicht so mühelos ein. Unser Wohnzimmer war inzwischen renovierungsbedürftig geworden und brauchte eine neue Einrichtung. In diesem Fall fanden wir die Lösung in Markus 11,23. Dort ist zwar nur davon die Rede, zu einem Berg zu sprechen. Aber da Jesus sich ebenso an Sturm und Feigenbaum gewandt hat (und Josua sogar an Sonne und Mond; Josua 10,12), hielten wir es für angemessen, unserem Wohnzimmer eine klare Anweisung zu geben. Wir setzten uns also hin und sprachen: “Wohnzimmer, im Namen Jesu sagen wir dir: werde renoviert und eingerichtet!” Wenig später erhielten wir von unerwarteter Seite einige Tausend Euro, die genau für den besagten Zweck ausreichten. Der Leser ahnt jedoch schon: in anderen Fällen haben wir ebenfalls gesprochen, aber der Schrank blieb leer.

Dafür half das Prinzip von Saat und Ernte. Einmal schaute ich mir die Fernsehshow eines bekannten amerikanischen Evangelisten an. Dieser hatte, offensichtlich als Geldbeschaffungsmaßnahme, einen Studiogast eingeladen, der eine schreckliche Bibelauslegung ablieferte. Irgendwelche rituellen Geschehnisse des Alten Testaments wurden allegorisch so gedeutet, dass der Zuschauer am Ende genau wusste, bis zu welchem Datum er welchen Betrag einzusenden hatte. Das würde den eigenen finanziellen Durchbruch des Spenders herbeiführen.

Einen neuen Durchbruch brauchte ich. Aber diese manipulative Belehrung gefiel mir nicht. Bis eine leise Stimme in meinem Inneren mir sagte, ich sollte auf hochmütige Besserwisserei verzichten und mich demütigen. “Demütigen” klingt nicht nur unangenehm, es kostete in diesem Fall sogar Geld. Ich spendete. Gott lohnte. In den darauf folgenden Wochen erhielten wir ungefähr das Hundertfache der eigenen Investition. Später spendeten wir diesem Evangelisten erneut einen Betrag. Wen wundert es, dass in diesem Fall der Auszahlungsfaktor nicht 100 war, sondern 0?

Dafür säten wir auf andere Felder. Wir waren wieder einmal in den roten Zahlen. Da erfuhren wir von einer jungen Familie, die ihr Auto nicht halten konnten. Unser Auto hatte kurz vorher für TÜV und anderes 350 Euro weniger verschlungen, als ich befürchtet hatte. Obwohl wir selber sehr bedrängt waren, spürte ich in meinem Herzen den Wunsch, diese 350 Euro an diese Familie zu verschenken. Binnen weniger Wochen “ernteten” wir ca. 3500 Euro - diesmal hatte der Herr sich für den Faktor 10 entschieden.

Nicht jedes Mal haben wir postwendend geerntet, wenn wir etwas verschenkt haben. Aber immer hat es sich gelohnt. Denn Schenken selbst macht Freude, dem Empfänger und dem Geber. Manchmal ist es darüber hinaus der Schlüssel zu eigenem Segen, manchmal nicht. Wir leben in einem Spannungsfeld. Gott ist ebenso unberechenbar, wie er treu ist. Wer von ihm abhängig ist, für den ist Langeweile vorbei.

4. Online-Banking im Himmel

Immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte über das Internet. Ich auch. Dazu rufe ich die Web-Seite meiner Bank auf und melde mich an. Ich gebe mein Konto und eine PIN ein, die die Bank mir vor meinem ersten Online-Besuch mitgeteilt hat. Wenn diese PIN (Persönliche Identifikations-Nummer) stimmt, habe ich Zugang zu meinem Konto. “Willkommen, Haso”, begrüßt die Bank mich freundlich. Ich kann feststellen, was auf meinem Konto ist, und alle Ein- oder Ausgänge überprüfen. Durch die PIN habe ich Zugang.

Nun will ich über das, was mir gehört, auch verfügen. Ich will Einkäufe bezahlen, Geld überweisen, spenden oder Daueraufträge einrichten. Was ich habe, kann ich ausgeben. Also fülle ich fröhlich die entsprechenden Online-Formulare aus. Dann noch ein Klick auf “Auftrag ausführen”, und schon tut die Bank, was ich will. Von wegen! Stattdessen öffnet sich mir ein neues Fenster, in dem ich alle Eingaben überprüfen und eine TAN (Trans-Aktions-Nummer) eingeben soll, die ich ebenfalls von der Bank erhalten habe. Durch die PIN habe ich Zugang, durch die TAN kann ich verfügen.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen PIN und TAN. Die PIN ist immer und überall gleich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit habe ich durch dieselbe fünfstellige Zahl Zugang zu meiner Bank. Wenn ich auf die Fidschi-Inseln reise und dort ein Internet-Café finde, verschafft dieselbe PIN mir den Zugang zu meinem Konto: “Guten Morgen, Haso”, begrüßt mich meine Bank, obwohl es in Suva gerade 20.00 Uhr ist. Die PIN ist unabhängig davon, ob mein Konto im Plus oder im Minus ist. Sie ist meine Dauer-Verbindung mit der Bank.Ganz anders ist es mit der TAN. Am Anfang hat die Bank mir eine Liste mit 50 sechsstelligen Zahlen geschickt. Jede dieser TANs ist nur für eine einzige Bankverfügung gültig. Beim nächsten Mal muss ich eine andere wählen. Inzwischen gehen immer mehr Banken aus Sicherheitsgründen sogar dazu über, indizierte TANs (iTANs) zu verwenden. Bei diesem Verfahren gibt die Bank dem Kunden erst während der Transaktion an, wo auf seiner Liste die TAN steht, die er für diesen Vorgang eingeben muss. Somit weiß kein Kunde (und auch kein Betrüger) im Voraus, welche TAN für die nächste Überweisung gültig sein wird. Wenn es soweit ist, teilt die Bank es ihm mit. Erst nach dieser Mitteilung kann er über das verfügen, was sein ist.

Meine Bank ist nicht der Himmel. Aber der Himmel funktioniert genau wie meine Bank. Ich habe eine PIN bekommen, mit der ich Zugang zu Gottes Welt habe. Diese PIN besteht aus fünf Buchstaben: J-E-S-U-S. Dieser Name schließt mir den Himmel auf. Wo und wann immer ich ihn gebrauche, werde ich begrüßt: “Willkommen, Haso!”

Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater (Epheser 2,18). “Wir beide” heißt in diesem Fall “wir alle” - “ich und DU”. Die PIN für den Himmel ist für alle Menschen gleich. Deshalb musst du dir keine Sorgen machen, dass deine PIN durch Phishing (Passwort-Diebstahl) in falsche Hände gerät. Im Himmel ist sowieso für alle genug. Wer immer durch Jesus zum Vater kommt, darf einloggen. Behalte deine PIN bloß nicht für dich!

Du brauchst für den Zugang zu Gott kein Internet. Der Geist Gottes ist wie ein drahtloses Netzwerk allgegenwärtig. Wenn du im Glauben den Namen Jesus anrufst, verbindet er dich.

Der Himmel ist viel mehr als eine Bank. Der Anlass für den ersten Zugang kann sehr unterschiedlich sein, wie beim Internet. Du brauchst Hilfe, suchst Rat oder Auskunft? Im Himmel bist du richtig. Der Himmel ist Chat-Room (du kannst dich online mit Gott unterhalten), Suchmaschine (gib deine Fragen ein und warte, welche Antworten dir der Heilige Geist geben wird), Multimedia-Portal (durch Träume, Visionen und Gottes Stimme wird Gottes Weisheit zu dir downgeloaded) und noch mehr.

Früher oder später solltest du aber entdecken, dass der Himmel auch eine Bank ist. Ein Konto für dich ist schon eingerichtet - in der Bibel “Erbe” genannt. Über die Einzahlung kannst du dich nicht beklagen (Epheser 1,3). Es gibt sogar genaue Aufstellungen, was in deinem Kontodepot alles bereit liegt. Dazu gehören die Siege, die du brauchst (2.Korinther 2,14). Heilung gehört dir, weil du durch Jesus ein Kind Gottes bist (Matthäus 15,26; 1.Petrus 2,24). Dort ist alles, was du zum Leben und zum Geben brauchst (Philipper 4,19; 2.Korinther 9,8). Cool - nicht wahr?

Nun wird es dir mit dem Himmel wie mir mit meiner Bank gehen: Was dir gehört, darüber möchtest du auch verfügen. Also schickst du deinen Überweisungsauftrag - auch “Gebet” genannt - ab. Und schon hast du ein Problem. Manchmal funktioniert es, mehr als manchmal funktioniert es nicht. Du weißt nicht, warum. Also suchst du Erklärungen. Schließlich willst du über dein Erbe verfügen.

Mach jetzt bloß nicht den Fehler, dich an eine menschliche Hotline zu wenden. Wenn du in die Hände der Schriftgelehrten fällst, wirst du noch verwirrter, als du schon bist. Die einen sagen dir: “Die himmlische Bank ist souverän.” Ihre unerforschlichen Ratschlüsse legen fest, wann sie etwas hergibt. Im negativen Fall ist es am besten, wenn du dich über diesen Mangel mit der Gewissheit tröstest: “Der Himmel weiß besser, was gut für mich ist.”

Die anderen sagen dir: “Du brauchst mehr Glauben!” Aber du bist in dem Namen “Jesus” gekommen. Du hast nicht an Gott appelliert, dir etwas zu schicken, weil du so brav oder so verzweifelt bist. Alles, was dir gehört, gehört dir, weil Jesus für dich eingetreten ist. Wie willst du diesen Glauben noch steigern? Nicht “Jesus”, sondern “JESUS” oder“JESUS” oder “Jesus”?

Nein, “Jesus” ist genug. Was du brauchst, ist nicht ein PIN-Verstärker, sondern eine iTAN, ein praktischer Schlüssel, der deinen Glauben in diesem Fall wirksam macht. Ein Gedanke, eine Haltung, ein Wort oder eine Handlung, durch die der konkrete Segen freigeschaltet wird, damit er vom himmlischen Konto in deine irdische Realität fließen kann. Diese iTAN teilt der Heilige Geist dir mit - nicht auf Vorschuss, sondern immer dann, wenn eine konkrete Transaktion des Glaubens zu tätigen ist.

Alle Erfahrungen der Bibel (und auch eigene), die ich am Anfang erwähnt haben, kamen zustande, weil Menschen ihre jeweilige iTAN empfangen und eingesetzt haben. Immer war es der Glaube an Gott, an Jesus, der ihnen den Zugang verschaffte. Jedes Mal war es eine andere, neue iTAN, durch die Gottes Hilfe abgerufen wurde.

Brauchst du etwas aus dem Himmel? Dann brauchst du eine neue iTAN. Sonst kannst du stundenlang in Sprachen beten, tagelang Bibelverse proklamieren, wochenlang fasten, monatelang positive Bekenntnisse ablegen und jahrelang den Zehnten geben, ohne dass etwas passiert.

Sicher interessieren dich jetzt zwei Fragen: Was für iTANs gibt es? Und wie finde ich heraus, welche ich jeweils brauche? Erwarte nicht zuviel von mir. Der Heilige Geist ist der iTAN-Informant. Aber ein paar Tipps kann ich dir schon geben.

5. Schlüssel für göttliche Transaktionen

Hier also einige praktische Hinweise:

a) Deine iTAN ist nicht dieselbe wie beim letzten Mal.

Wir suchen Prinzipien, die wirksam sind. Gott sucht Herzen, die hörfähig sind. Wir möchten wissen, wie es funktioniert. Gott möchte, dass wir mit ihm vertraut werden. Wir würden gerne geistliche Universalschlüssel entdecken. Gott liebt iTANs.

Dass Gott es schon einmal “so” gemacht hat, bedeutet nicht, dass er es das nächste Mal wieder “so” macht. Ganz im Gegenteil. In einer bestimmten Phase deines Lebens begegnet dir ein Lied, durch das Gottes Gegenwart überwältigend in dein Leben eindringt. Einige Zeit später gehst du wieder durch die Wüste und sehnst dich nach ihm. Du erinnerst dich an dieses Lied und holst die CD raus. Du hörst und hörst, und der Himmel schweigt und schweigt.

Charles Finney war ein bekannter Evangelist des 19. Jahrhunderts. Als er ein junger Mann war, gab es in den Vereinigten Staaten an vielen Stellen Erweckung. Nachdem Finney zum Glauben kam, zeigte Gott ihm einige praktische Schritte (= iTANs), durch die er selber mit einigen besonders kraftvollen Aufbrüchen an diesen Erweckungen beteiligt war. So weit, so gut. Nur glaubte Finney, jetzt den Schlüssel für Erweckung gefunden zu haben. Er schrieb: “Eine Erweckung ist … das Ergebnis der rechten Anwendung der dazu nötigen Mittel - so wie jeder andere Effekt durch die Anwendung der geeigneten Mittel hervorgerufen werden kann … Eine Erweckung ist ein genauso natürliches Ergebnis des Gebrauchs geeigneter Mittel, wie eine Ernte auf den Einsatz der dazu nötigen Mittel folgt.” Seine Behauptung: Christen könnten jederzeit an jedem Ort Erweckung erleben, wenn sie nur den Schritten folgten, die er gefunden hatte.

Das Ergebnis: Es gibt kaum ein Buch, das so sehr die Sehnsucht von Christen nach Erweckung geweckt hat wie Finneys “Revival of Religion”. Und es gibt kaum ein Buch, das erweckungshungrige Christen so sehr unter Druck gebracht und frustriert hat wie Finneys “Revival of Religion”. Mein Rat: wenn du Erweckung haben willst, frage den Heiligen Geist und nicht Charles Finney. Er hat übrigens in seiner späteren Lebensphase mit seinen Prinzipien auch nicht mehr dieselben kraftvollen Erweckungen erlebt wie in jüngeren Jahren. Seine Bücher sind gut, wenn du ein reines Herz haben und Buße tun möchtest. Sie sind schlecht, wenn du den Schlüssel suchst. Es gibt nicht den allgemeingültigen Weg zur Erweckung - nicht einmal bei Charles Finney.

b) Deine iTAN ist nicht dieselbe wie bei einem anderen.

Du hörst den Bericht eines anderen Christen, wie Gott ihm geholfen hat. Er erzählt, welche Bibelstellen er dabei proklamiert hat. Du hast dasselbe Problem. Du proklamierst dieselben Bibelstellen. Dir wird nicht geholfen.

Der nächste erzählt dir, wie er als Kranker im Glauben aus dem Bett aufstand und zur Arbeit ging. Während er auf dem Weg war, wichen alle Symptome. Du bist auch krank. Du steht “im Glauben” aus dem Bett auf und gehst zur Arbeit. In der U-Bahn brichst du zusammen.

Bruder Schmidt hatte Schulden. Auf Gottes Wort hin spendete er den Differenzbetrag zu seinem Dispo-Limit an ein Missionswerk. Am nächsten Tag erhält er einen Umschlag mit 20.000 Euro. Du hast Schulden. Auf Bruder Schmidts Zeugnis hin gibst du den Differenzbetrag zu deinem Dispo-Limit ebenfalls an ein Missionswerk. Du kannst die nächste Miete nicht bezahlen und musst deine Eltern anpumpen.

Ich denke, du hast mich verstanden. Lass dich durch Berichte von anderen ermutigen. Aber kopiere sie nicht.

c) Falsche iTANs

Die meisten Missgriffe werden in Verbindung mit dem Wunsch nach Heilung gemacht. Das ist verständlich. Je größer der Leidensdruck, desto eher greifen wir in unserer Verzweiflung nach jedem Strohhalm. Was verständlich ist, muss nicht hilfreich sein. An dieser Stelle lassen manche sich von vermeintlichen iTANs locken, die in Wirklichkeit keine sind. Besonders anfällig sind dafür Christen, die wie ich stark von der “Glaubensbewegung” inspiriert sind. “Uns” gelten die folgenden Warnschilder.

Es ist in der Regel nicht deine iTAN, nicht zum Arzt zu gehen oder Medikamente wegzulassen. Es ist Christen anscheinend nicht auszureden, dass der Verzicht auf medizinische Hilfe besonders göttlich, geistlich und glaubensvoll ist. Gott ist dadurch nicht beeindruckt. Für dich kann es gefährlich sein. Und wenn du “im Glauben” ohne Brille Auto fährst, ist das nicht Glaube, sondern Unvernunft und Gefährdung der Allgemeinheit. Gottes Ehre steht nicht auf so tönernen Füßen, dass sie Schaden leidet, wenn ein Chirurg an deiner Wiederherstellung beteiligt ist.

Es ist meistens auch nicht deine iTAN, überall schon deine Heilung auszuposaunen, bevor die körperlichen “Symptome” verschwunden sind, weil du sie “im Glauben” und “durch seine Striemen” (Jesaja 53,5) ja schon hast. Ich weiß, dass es wichtig ist, “im Glauben” zu bekennen und auszusprechen, was noch nicht sichtbar ist. Aber tu das für dich. Den Glauben, den du hast, behalte bei dir selbst vor Gott (Römer 14,22). Mach kein öffentliches Zeugnis daraus - schon gar nicht, um dadurch eigene Unsicherheit zu kompensieren. Solche Muskelspiele bringen nichts. (Übrigens ist es kein Unglaube, wenn du dem Arzt oder der Mutter noch erzählst, wo es weh tut.)

d) Das Wort wird zum iTAN.

Ganz besonders liebt der Heilige Geist es, Problemlösungen durch Bibelworte freizuschalten. Dazu nimmt er ein Wort, das du bereits kennst oder gerade liest, und macht es so in deinem Inneren lebendig, dass es für dich ein persönlicher Zuspruch wird. In manchen Kreisen sagt man dazu: Der “Logos” (das allgemeine Wort Gottes) wird zum “Rhema” (dem aktuellen Wort Gottes). Dieses spezielle Rhema bereitet den Weg für Gottes Eingreifen.

Durch das Logos-Wort (die Bibel) hast du Wissen über Gott bekommen. Du kennst seine Verheißungen. Du kennst deine PIN, den Namen “Jesus”. Aber ohne “Rhema”, ohne ein lebendiges, frisch gehörtes Wort, kommst du oft nicht durch. Morgens und abends proklamierst du 6 Bibelstellen über Heilung. Aber nach wie vor brauchst du nach dem Mittagessen und vor dem Einschlafen 6 Tabletten. Bis eine von diesen 6 Bibelstellen dich im Innersten berührt. Jetzt weißt du, dass Gott am Werk ist. Bald nimmst du nur noch die Bibelstellen ein und kannst die Tabletten weglassen, weil du gesund bist.

Als junger Pastor war ich in einer Gemeinde tätig, die ihre Gehaltszahlungen stärker an der Tugend der Sparsamkeit als am Existenzminimum einer Familie bemaß. Das heißt, es konnte nicht reichen. Wir beteten und hofften. Das Konto ging weiter in die Miesen.

Eines Tages kam ich wieder mit einem wenig erfreulichen Kontoauszug von der Bank nach Hause. An diesem Tag wurden zwei Bibelstellen für mich zum Rhema. Die erste steht in 2.Könige 19,14. Der König Hiskia hatte gerade einen bedrohlichen Brief erhalten. Mit diesem Brief ging er in das Haus Gottes und breitete ihn vor Gott aus. Der Herr las ihn, und der Herr beantwortete ihn. Das Ende war glorreich - für Hiskia, nicht für den Schreiber.

Ich hatte gerade einen bedrohlichen Kontoauszug erhalten. Mit ihm ging ich in mein Büro, kniete mich nieder und breitete ihn auf einem Hocker vor dem Herrn aus. Der Herr schaute ihn an.

Dann ging ich zu meiner Frau in die Wohnung. Wir schlugen die Bibel auf und lasen Matthäus 6,25-34. Das Wort wurde zum Rhema, während wir lasen. Wir heulten. Gott handelte. Zwei Kollegen erkundigten sich kurz danach ohne mein Zutun nach unserer Situation und sorgten dafür, dass unser Gehalt angepasst wurde. Und anders als bei Hiskia kam niemand zu Schaden. Ich habe bei anderen Gelegenheiten dieses Verfahren wiederholt und Gott das eine oder andere Schriftstück zu lesen gegeben. Aber diese iTAN war verbraucht. Sie wirkte nicht mehr.

e) Die Gaben des Geistes

Zur iTAN für Gottes Eingreifen können auch die Gaben des Heiligen Geistes werden. Du hast ein hartnäckiges Problem, dass sich als resistent gegen Handauflegung, Fasten und dergleichen mehr erwiesen hat. In einem Gottesdienst wird plötzlich von vorn durch ein “Wort der Erkenntnis” deine Situation beschrieben, durch jemand, der sie nicht kennt. Jetzt weißt du, dass Gott eingreifen wird. Das geschieht auch bald danach.

In einem anderen Fall plagt dich eine ebenso beharrliche Not. Du suchst Gebet und Beratung. Gemeinsam hört ihr auf Gott. Der Heilige Geist spricht und zeigt einen Bereich deines Lebens, der bisher die Hilfe Gottes blockiert hat. Anschließend ist es ganz leicht, im Glauben Gottes Lösung zu empfangen.

Oft wird die Gabe des Glaubens zu einer iTAN. Die Gewissheit des guten oder gewünschten Ausgangs einer Sache stellt sich in deinem Herzen ein. Anschließend stellt sich der gute Ausgang in deinen Umständen ein. Wenn das geschieht, kommt es dir sehr leicht oder selbstverständlich vor. “Ich habe einfach nur geglaubt”, denkst du. “Was soll diese ganze iTAN-Geschichte? Die macht alles nur kompliziert.” Nein, dein “einfacher” Glaube war deine iTAN.

f) Saat und Ernte

Finanzielle - aber auch andere - Wunder werden häufig durch eine spezielle iTAN auf den Weg gebracht: ein Sonderopfer. So ging es der schon erwähnten Witwe von Zarpat (1.Könige 17,13-16). Kurz vor dem Verhungern wurde sie durch Elia herausgefordert, den letzten Rest an Nahrungsmitteln zu verschenken. Sie tat es, und der letzte Rest wurde nicht alle. Viele andere haben es ähnlich erlebt. Amerikanische Christen sagen: “If it doesn´t meet your need, make it a seed.” Auf Deutsch ungefähr: “Wenn es sowieso nicht reicht, säe (= opfere) es.” (Vielleicht leuchtet es nicht jedem Leser ein, dass man Geld wie Holundersamen und Obstkerne säen kann. Lies 2.Korinther 8-9.)

Aber Achtung! Pass auf, dass du nicht aus lauter Verzweiflung etwas tust, was du nicht von Gott gehört hast - und wofür du auch nicht wirklich innere Gewissheit hast. Deshalb auch hier einige Warnschilder.

Glaube nicht an Prinzipien oder Gesetze, sondern an Gott, deinen Versorger. Nicht immer ist dieses Sonderopfer die iTAN zum Durchbruch. Oder kannst du in 2.Könige 7 irgendetwas erkennen, was die vier Aussätzigen und der Rest der Stadt im Glauben gesät hätten?

Lass dich nicht unter Druck bringen. Es gibt leider Verkündiger, die bei dem Prinzip von Saat und Ernte vergessen, dass es noch andere Felder als ihr eigenes gibt. Wenn dir einer sagt, dass du nicht nur irgendwohin, sondern unbedingt in sein Werk säen musst, um durchzubrechen, denke daran: deine iTAN kommt vom Herrn, nicht von Evangelist Soundso.

In einer der ältesten Schriften der Christenheit nach dem Neuen Testament, der Didache, steht ein weiser Satz: “Es soll schwitzen dein Almosen in deinen Händen, bis du weißt, wem du es gibst.” Du weißt es, wenn Gott es dir gesagt hat. (Aber vergiss nicht: dein Geld ist dein Geld. Wenn du welches übrig hast, steht es dir völlig frei, zu spenden und zu verschenken, wohin du willst. Du brauchst keine ausdrückliche himmlische Erlaubnis. Aber wenn du Versorgung brauchst und dein Opfer eine iTAN sein soll, musst du von Gott hören, wie viel und wohin du geben sollst.

Nicht alles, was einleuchtend klingt, ist wahr. Davon sind auch Ansprachen vor der Opfersammlung nicht ausgenommen. Kollektenredner haben ein Ziel: sie wollen Geld für einen guten Zweck beschaffen. Kollektenredner haben ein Feindbild: den Geizkragen, der in jeder Versammlung sitzt. Kollektenredner bedenken oft eins nicht: In jeder Versammlung sitzt auch der Bedürftige, der mindestens so in Not ist wie das Werk, für das gerade gesammelt wird. Und vermutlich sitzt dort auch der verunsicherte, religiös angeschlagene Bedürftige, der sowieso immer das Gefühl hat, nie genug getan zu haben. Deshalb ist folgende Aussage nicht wahr: “Frage Gott, was du geben sollst. Und wenn dir eine große Zahl in den Sinn kommt, weißt du: das kannst nicht du selbst sein, die Zahl ist zu hoch; das kann nicht der Teufel sein, denn der Teufel wird dich nicht zu guten Werken anleiten; also muss es Gott sein.”

Falsch!!! Es kann sehr wohl der Teufel sein, oder zumindest dein eigenes schwaches Gewissen. Wenn du der Typus bist, der schon das letzte Hemd gegeben hat und immer noch besorgt ist, dass Gott ihm nicht helfen wird, solange er noch das letzte Unterhemd besitzt, dann bist du das ideale Opfer für “religiöse Geister”. Wenn sie sensible oder nervenschwache Christen nicht davon abbringen können, auf Gottes Wegen zu gehen, wollen sie sie auf Gottes Wegen zu Tode hetzen. Sie werden dich zu guten Werken prügeln, bis du erschöpft zusammenbrichst. Auf diese Weise stellen sie sicher, dass du nie in die Freiheit der Kinder Gottes kommst und ihnen nicht wirklich gefährlich wirst.

Ihr lieben Kollektenredner, sagt es so: “Frage Gott, was du geben sollst. Vielleicht kommt dir eine große Zahl in den Sinn. Dann lass den Frieden Christi in deinem Herzen den Schiedsrichter sein (Kolosser 3,15). Dein Gefühl mag dir sagen: das kann nicht sein. Aber wenn es von Gott ist, dann wirst du tief in dir Gewissheit und Frieden wahrnehmen. Wenn nicht, dann lass es. Gib nicht mehr, als du mit Frieden geben kannst. Schließlich bist nicht du der Versorger unseres Werkes, sondern Gott.”

g) Die Werke des Glaubens

Du glaubst, dass Gott treu ist. Du glaubst, dass Gott dich gegen den Teufel gewinnen lässt. Du glaubst, dass er dich gesund macht. Du glaubst, dass er dich versorgt. Du glaubst vieles mehr.

Sicher möchtest du, dass dieser Glaube lebendig ist. Eine aufgebahrte Glaubensleiche im Wohnzimmer deines Herzens bringt es schließlich nicht. Dann höre auf Jakobus: “Wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke” (2,26).

Was ich als “iTANs” bezeichne, nennt Jakobus “Werke” des Glaubens. Schließlich gab es damals noch kein Online-Banking. Werke des Glaubens sind Handlungen, durch die unsere Erwartung auf Gottes Eingreifen konkret wird.

Somit haben diese iTANs eine doppelte Funktion. Für dich sind sie die Freischalter deines himmlischen Erbes. Für Gott sind sie die Tests, ob du glaubst. Die Devise ist nicht: “Glaube und schufte!” Die Devise ist: “Zeige durch einen praktischen Schritt, dass du deinen Glauben ernst nimmst.”

Gott wird dir solche praktischen Schritte maßgeschneidert für deine Situation zeigen. Sie können ungewöhnlich, manchmal sogar skurril sein. Dann denke daran: Gott zu gehorchen ist besser als mit ihm zu diskutieren.

Für einen Offizier wie Naaman war die ideale iTAN, sich zu demütigen und siebenmal im Jordan unterzutauchen (2.Könige 5). Dieser Schritt war lächerlich einfach. Jedes Kind in Israel weiß, wo der Jordan ist. Jeder Offizier kann bis sieben zählen. Gottes iTANs sind nicht schwer (1.Johannes 5,3). Aber Naaman hätte lieber eine große Sache unternommen. Gott ignorierte seinen Wunsch nach einer standesgemäßen iTAN.

iTANs sind nicht schwer, aber sie können demütigend sein. Gott weiß, wo dein Stolz sitzt. Seine iTANs sind treffsicher. John Wimber hat einmal gesagt: “God offends the mind to reveal the heart.” Frei übersetzt: “Gott tut Dinge, die deinem Verstand ärgerlich oder lächerlich vorkommen, um dir zu zeigen, wie viel Stolz in deinem Herzen sitzt.”

Wundere dich nicht, wenn Gott dir merkwürdige iTANs benennt. Hier sind einige weitere biblische Beispiele. Wunder wurden ausgelöst, wenn Menschen auf Gottes Wort hin

  • einem Experten klares Brunnenwasser zur Weinprobe brachten
  • zum Angeln gingen, wenn sie Geld für die Steuer brauchten
  • am helllichten Tag einen Fischzug unternahmen, der nur in einem Fiasko enden konnte

  • wenige Brote unter eine große Menschenmenge austeilten

  • einen Stock über ein Meer hielten oder in einen Fluss steckten
  • andere Menschen mit ihrem Schatten berührten

Wichtig ist nur, dass Gott es gesagt hat. Randy Clark erzählt, wie er in einem Heilungsgottesdienst vor seinem inneren Auge Menschen stehen sah, die ihren Oberkörper vor und zurück bewegten. Gott sprach zu ihm: “Rufe alle Leute nach vorn, die Probleme mit ihrem Verdauungsapparat haben. Wenn sie sich so bewegen, werden sie geheilt werden.” Randy Clark wusste gleich: sie würden einige Zeit durchhalten müssen, mindestens so lange, bis sie sich total bescheuert vorkämen. Aber er war gehorsam. Nach seinem Aufruf kamen 200 Leute nach vorn. Zwei (sehr lange) Minuten beugten sie sich vor und zurück. Mehr nicht.

Viele Leute wurden geheilt. Vom Hals bis zum Darmausgang war Gottes Kraft in den verschiedensten körperlichen Bereichen durch diese iTAN freigeschaltet worden. Randy Clark selber hatte unter Darmblutungen gelitten - nicht sehr beruhigend, wenn der eigene Großvater an Darmkrebs gestorben ist. Von dem Tag an waren sie verschwunden. Eine Frau erzählte, dass ein chronisches Hämorrhoiden-Leiden augenblicklich beendet war, von dem sie 50 Jahre geplagt worden war. Was hat das mit lächerlichen Bewegungen des Oberköpers zu tun? Das weiß nur Gott. (Ich muss nicht mehr betonen, dass du deinen Oberkörper bis zum Jüngsten Tag vor und zurück schwingen lassen kannst, ohne dass etwas passiert - es sei denn, du hättest es auch von Gott gehört.)

h) Bleib dran!

Fast hätte ich eine etwas Wichtiges vergessen. Viele iTANs enthalten die Buchstabenfolge G-E-D-U-L-D. Oder vielleicht solltest du die Tasten deines Herzens etwas länger gedrückt halten, wenn du diese TAN eingibst: GGGGGGGGGeeeeeeeeeeeddddddddddduuuuuuuuulllllllllllddddddddddddddd!!!!!!!!!!!!

Wenn du geglaubt hast, was Gott dir versprochen hat, wenn du getan hast, was er dir gesagt hat, dann warte. Wenn dein Herz dir sagt, dass du im Frieden Gottes bist, bleibe in diesem Frieden. Grabe nicht im Unglauben wieder aus, was du im Glauben gesät hast.

Gib nicht auf!

6. Wie kommt man an seine iTANs?

Wie erfährst du nun in einer konkreten Situation, welches die jetzt zu verwendende iTAN ist? Diese Frage ist eigentlich falsch. Die richtige Frage ist: von wem erfährst du deine iTAN? “Von Gott natürlich”, denkst du jetzt. Aber du solltest es genauer wissen: “Von dem Gott, der dein Freund geworden ist.” Oder noch genauer: “Von dem Gott, dessen Freund du geworden bist.”

Erinnere dich: auch wenn du die iTAN noch suchst, die PIN hast du schon. Der Zugang zu ihm ist frei. Wenn du auf Erden noch Schulden hast, im Himmel hast du keine. Dort wartet nicht der Gerichtsvollzieher, sondern der Vater. Mach von deiner PIN nicht nur Gebrauch, wenn du Kohle brauchst oder ähnliches. Mach von ihr Gebrauch, weil es bei Gott schön ist.

“Der Herr ist denen Freund, die ihn fürchten (höher achten als alles andere), und seinen Bund lässt er sie wissen” (Psalm 25,14). Gott sucht Freunde, und an sie verteilt er seine iTANs. Suche nicht nur iTANs, suche Gott. Vertiefe deine Freundschaft mit ihm, und er flüstert dir deine iTANs zu.

Aber erwarte jetzt nicht eine Schrift aus Wolken am Himmel, einen Chor von Engeln in deinem Schlafzimmer, eine Stimme aus deinem Kamin oder eine Hotline zum Prophetenbüro “O. Fenbar”. Warum sollte Gott von außen zu dir reden, wenn er in dir wohnt?

Häufig erfährst du deine iTAN so: Du verbringst Zeit mit Gott, füllst dein Denken mit seinem Wort und beschäftigst dich mit seinen Taten und Verheißungen. Im Nachdenken verbindest du sie mit deinen Anliegen. Du stellst dir Gottes Lösungen vor. (Ja, ich rede vom Visualisieren! Habe keine Angst davor, auch wenn manche Ketzerjäger das für New Age halten. Wenn du es nämlich nicht tust, wird dein inneres Auge nicht untätig bleiben. Du wirst die Absichten des Teufels visualisieren - man nennt das “Sorge”. Davor sollten die Ketzerjäger dich warnen.)

Wenn du dich so auf Gott ausrichtest, werden dir Gewissheiten kommen oder Ideen einfallen, die in deinem Herzen Sicherheit oder Entschlossenheit auslösen. Das sind deine iTANs.

Anschaulich ist besser. Gehen wir noch einmal zu den drei geheilten Personen zurück, von denen schon die Rede war. Wie erhielten sie ihre iTAN?

Für den blindgeborenen Mann war es wirklich einfach. Er hatte sich nicht mit Jesus beschäftigt. Jesus hatte sich mit ihm beschäftigt (Johannes 9,1-3). Der Mann saß bettelnd am Weg und erwartete nichts Böses und nichts Gutes. Da trat Jesus auf ihn zu und strich ihm seine iTAN auf die Augen. Der anschließende Schritt des Glaubens, sich diesen Brei am nahe gelegenen Teich wieder abzuwaschen, wurde sicher durch sein Reinlichkeitsbedürfnis erleichtert. Nichts gesucht und alles gefunden. Manchmal geht es so.

Jetzt stelle dir die “blutflüssige” Frau vor. Zwölf Jahre körperliches Leiden. Zwölf Jahre “unrein” (nach damaligem Verständnis). Zwölf Jahre immer von anderen getrennt, kein gemeinsamer Raum, kein gemeinsamer Tisch, keine gemeinsamen Unternehmungen. Zwölf Jahre soziales Leiden. Natürlich auch kein Gang zur Synagoge, und schon gar nicht nach Jerusalem zum Tempel. Von Gott getrennt und verstoßen, sagten die Leute. Zwölf Jahre geistliches Leiden. Viele erfolglose Arztbesuche, bei Quacksalbern, die heute keine Kassenzulassung bekämen. Deshalb zahlte auch keine Kasse. Am Ende war sie arm. Zwölf Jahre finanzielles Leiden.

Dann hört sie von Jesus. Er heilt Menschen. Hoffnung kommt in ihr Herz. Und gleich stirbt die Hoffnung wieder. Sie ist ja unrein. Sie kann nicht zu ihm gehen. Aber ihre Gedanken kommen von diesem Jesus nicht los. Immer wieder kreisen ihre Vorstellungen um ihn. Sogar Aussätzige soll er geheilt haben. Gibt es nicht doch eine Möglichkeit? Man erzählt, dass manchmal so viel Kraft von ihm ausgeht, dass Leute durch eine bloße Berührung gesund werden. Da kommt ihr eine Idee: “Jesus trägt sicher wie alle Männer einen Tallit (einen Gebetsmantel). Von den Ecken dieses Mantels baumeln Quasten herab. Er wird es überhaupt nicht merken, wenn ich eine von diesen Quasten kurz antippe. In der Menge fällt das nicht auf.”

Mit diesen Gedanken kommt Entschlossenheit in ihr Herz. Äußerlich mag sie nervös sein, Angst vor Entdeckung haben. Schließlich ist es ein religiöses Verbrechen, was sie vorhat. Sie verunreinigt jeden, den sie berührt. Erwischen lassen darf sie sich nicht. Aber tief in ihrem Herzen ist diese Sicherheit: “Wenn ich nur seine Quaste berühre, werde ich gesund.” Sie hat ihre iTAN gefunden.

Oder stell dir den Hauptmann von Kapernaum vor. Sein Diener, der ihm mehr als ein Diener geworden war, liegt krank im Bett. Sehr krank. Unheilbar. Es ist schrecklich, seinen Verfall ansehen zu müssen, ohne helfen zu können. Die Ärzte der Stadt haben nichts vermocht.

Da taucht ein Wunderheiler in Kapernaum auf - Jesus aus Nazareth. Es gibt so viele Heilungen, dass man auch in der römischen Kaserne davon hört. Hoffnung kommt in das Herz des Offiziers. Er lässt sich alles berichten, was über diesen Jesus zu erfahren ist.

Der Diener ist nicht transportfähig. Wird Jesus auch zu einem Nichtjuden kommen? Der Hauptmann kennt die religiösen Skrupel der Juden. Aber versuchen kann er es ja. So sendet er eine Delegation zu Jesus und bittet ihn, in sein Haus zu kommen. Geschickterweise findet er einige jüdische Fürsprecher. Vielleicht können sie Jesus überreden?

Nun ist diese Delegation auf dem Weg. Aber der Hauptmann ist mit seinen Gedanken nicht fertig. Er sinnt weiter über Jesus nach. Woher hat dieser Mann seine Autorität? Von Autorität versteht der Hauptmann etwas. Er hat selber das Sagen in seinem Revier. Er weiß, woher Autorität kommt. Seine eigene kommt daher, dass er sich den Weisungen des Kaisers unterordnet. Er weiß, wie man Autorität ausübt: Sage deinen Untergebenen, was sie tun sollen, und sie tun es.

Da wird ihm klar: Mit Jesus ist das genauso. Seine Autorität kommt daher, dass er sich den Weisungen Gottes unterordnet. Deshalb erstreckt sie sich nicht nur auf Soldaten und Adjutanten, sondern auch auf Krankheiten und sonstige Nöte. Gott ist größer als der Kaiser. Deshalb muss auch Jesus nur sprechen, und schon verhalten sich Krankheiten wie gedrillte römische Legionen.

“Das ist die Lösung”, entfährt es dem Hauptmann. Jesus muss überhaupt nicht in mein Haus. Er muss nur ein Wort sprechen, und mein Diener wird gesund. Sein Herz hat seine iTAN vernommen. Und bald ist sein Diener und Freund wieder auf den Beinen.

Wenn du über Jesus, sein Wort und seine Absichten nachsinnst, wenn du Zeit mit ihm verbringst, werden in dir Gedanken aufsteigen, in denen dein Herz zur Gewissheit und zur Ruhe kommt. Das sind deine iTANs. Manchmal musst du darauf warten. Manchmal musst du sie suchen. Es lohnt sich.

Unser Gott ist berechenbar. In seinem Bund hat er Festlegungen getroffen, die so gewiss sind wie mathematische Gleichungen. Unser Gott ist unberechenbar. Ständig lässt er sich neue Wege einfallen, um seinen Bund zu halten. Dem Außenstehenden kommt das verwirrend und bedrohlich vor. Aber du bist kein Außenstehender. Du bist Gottes Freund.

Gott ist gut, und Gott ist Gott. Er ist immer für uns, und er ist immer souverän. Er hilft uns, aber er handelt auf seine Weise. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren (Psalm 145,19), und ist doch kein Automat. Er ist der Gott des PIN-TAN-Glaubens.

Sonntag, 1. April 2012

Voll von Gott bleiben

Ein Rundbrief von Andrew Wommack

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Rundbrief März 2012

Von Gott erfüllt bleiben

Liebe Freunde,

habt ihr schon einmal das Gefühl gehabt, dass ihr euch von Gott entfernt und dass die Freude und Liebe, die ihr einmal bei ihm erfahren habt, nicht mehr da ist? Wenn das bei dir der Fall ist, dann bist du nicht allein. Die meisten Christen empfinden, dass die Erfahrungen, die sie mit Gott haben, mit der Zeit weniger werden, und dass sie eine neue Berührung brauchen. Aber das ist nicht, was die Bibel lehrt.

Die Bibel sagt, Gott will uns niemals aufgeben noch uns verlassen (Hebr 13,5). Wenn das wahr ist – und es ist wahr –, wer hat sich dann wegbewegt? Als wiedergeborene Gläubige sind wir alle in der Lage, jeden Tag unseres Lebens in der Fülle Gottes zu leben. Gott schüttet beständig Liebe, Freude, Frieden, Offenbarungserkenntnis und jeden erdenklichen Segen aus. Aber wir können an einen Punkt gelangen, wo wir nicht mehr von ihm empfangen und uns so „fühlen“, als ob er sich entfernt hätte.

In Römer 1,21 lesen wir:

Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.

Diese Schriftstelle enthält vier unterschiedliche Elemente oder Schlüssel, die uns in die Fülle Gottes führen und uns beständig aus dieser Fülle heraus handeln lassen. In positiver Weise ausgedrückt können wir den Vers so lesen: Gott verherrlichen ..., dankbar sein ..., sich der Macht der Gedanken bewusst sein … und ein verständiges Herz haben … Wir haben die Vollmacht, jedes dieser Dinge in unserem Leben zu beeinflussen.

Gott verherrlichen

In vielen Stellen quer durch die Bibel ist das Wort preisen (groß machen) dasselbe Wort, dass als verherrlichen übersetzt wird. Deshalb können beide Wörter austauschbar verwendet werden. Preisen heißt also auch größer machen. 2 Wusstest du, dass du Gott größer machen kannst? Im Grunde genommen ist Gott natürlich der, der er ist, unabhängig davon, was man denkt. Aber wenn es um deine Wahrnehmung geht, kann er groß oder klein sein. Du hast es in der Hand, ihn in deinem Leben zu dem Einen oder zu dem anderen zu machen.

Die meisten von uns sind Meister darin geworden, Probleme aufzublähen und Gott und sein Wort dagegen klein werden zu lassen. Ich erinnere mich an eine Dame, die dachte, sie wäre schwanger, aber dann herausfand, dass sie stattdessen Krebs hatte. Die Ärzte sagten, ihre Gebärmutter müsste sofort entfernt werden. Sie sagten, sie hätte nur eine 50-prozentige Überlebenschance. Ohne Operation hätte sie nicht länger als zwei Wochen zu leben.

Sie kam weinend zu mir: „Andrew, hast du gehört, was die Ärzte gesagt haben?“ Nun, ich reagiere nicht immer auf diese Art und Weise, aber ich glaube, Gott führte mich, ihr so zu antworten, wie ich es tat. Ich begann zu lachen und verkündete: „Krebs ist kein Problem bei Gott. Die Lichter im Himmel werden dadurch nicht schwächer leuchten, wenn Gott die Kraft aufwendet, dich zu heilen! Es ist kein bisschen schwieriger, von Krebs geheilt zu werden, als von einer Erkältung.“

Ich begann damit, Gott zu preisen und zu verherrlichen. Ich machte den Herrn größer und den Krebs kleiner. Das Einzige, das den Krebs unüberwindbar zu machen schien, war der Wert, den sie dem beigemessen hat, was die Ärzte sagten. Diese bezeichneten sie als töricht, weil sie die Behandlung ablehnte und ließen sie unterschreiben, dass sie die Ärzte von jeglicher Verantwortung entbindet, sollte sie sterben. Doch die Frau beschloss, sich nicht unterkriegen zu lassen und Gott zu glauben. Es ist nun schon fast zwanzig Jahre her, seit sie die Operation ablehnte – und hat danach viele Kinder bekommen.

Welchen Dingen misst du Wert bei? Was ist für dich groß? Du kannst den Herrn preisen und ihn und sein Wort größer machen als jedes Problem, indem du ihn verherrlichst, lobst und ihm dankst. Finde eine Person, die im Wort beschrieben ist und in einer ähnlichen Situation wie deiner überwunden hat. Sinne über das Wort nach und mach es für dich realer als dein Problem! Du musst an einen Punkt gelangen, wo Gottes Wort für dich wahr ist und wo Gott größer ist als alle Umstände.

Alles ist möglich dem, der glaubt! (Mk 9,23).

Dankbarkeit

Paulus nennt Undankbarkeit als eines der Zeichen der Endzeit und zählt sie im gleichen Vers mit Habgier, Stolz, Gotteslästerung und Unheiligkeit auf (2 Tim 3,1-2). Nicht viele Leute würden bestreiten, dass wir in einer von Undankbarkeit geprägten Gesellschaft leben – und das, obwohl wir heute mehr Wohlstand und Chancen haben, als jede Generation vor uns. 3

Der zweite Schlüssel, um von Gott erfüllt zu bleiben, ist ein dankbares Herz. Gott zu verherrlichen, ihn zu preisen und ihm zu danken, das hängt alles zusammen – aber um Gott zu verherrlichen, musst du zuerst dankbar sein. Wenn du nun anfängst, ihm zu danken, erinnerst du dich selbst wieder daran, was er gesagt und getan hat und was ihn groß macht.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat! (Ps 103,2).

Dankbar zu sein beinhaltet sowohl Demut als auch Erinnerungsvermögen. Demut ist das Verständnis, dass du diese Dinge nicht selbst zustande gebracht hast. Dann führt ein demütiges Erinnern immer zu Dankbarkeit. Deshalb ist es also wichtig, zurück zu schauen und sich die Siege der Vergangenheit vor Augen zu führen, um sich daran zu erinnern, wessen Kraft und Macht sie zustande gebracht hat.

Geht ein zu seinen Toren mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; dankt ihm, preist seinen Namen! Denn der Herr ist gut; seine Gnade währt ewiglich und seine Treue von Geschlecht zu Geschlecht (Ps 100,4-5).

Jedes Mal wenn du versucht bist, wegen eines Problems zu meckern, lass es sein! Stattdessen tritt lieber in die Gegenwart Gottes ein und verbringe die nächsten zehn Minuten damit, ihm für seine Güte zu danken. Wenn du das wirklich tust, wirst du herausfinden, dass das natürliche Verlangen zu meckern einfach verschwindet und das Problem plötzlich viel kleiner wird, wenn du beginnst, es aus der richtigen Perspektive zu sehen.

Vorstellungskraft

Unsere Gedankenwelt hat viel mehr Bedeutung als es den meisten Leuten bewusst ist. Das hebräische Wort, das mit Gedankenwelt oder Vorstellungskraft übersetzt wurde, bedeutet wörtlich Empfängnis. Es ist unsere Vorstellungskraft, wo wir mit neuen Gedanken und Ideen schwanger werden. Ohne Vorstellungskraft wären Menschen sowohl geistlich als auch schöpferisch unfruchtbar.

Vor ein paar Jahren unternahm ich eine Reise nach Israel. Ich erinnere mich, wie wir im Tal Elah anhielten. Ich verließ den Bus und lief hinunter zu einem kleinen Bach. Ich hob fünf glatte Steine auf, genau wie David es einst getan hatte. Ich begann mir vorzustellen, wie es für David gewesen sein musste, als er vor Goliath stand. Die Geschichte wurde plötzlich lebendig.

Das Wort Gottes wird lebendig, wenn du dir in deinen Gedanken ausmalen kannst, worum es geht. Lass das Wort Gottes deine Gedanken bestimmen, indem du über Bibelstellen nachdenkst, und du wirst in Gottes Wort Dinge sehen, die du mit deinen natürlichen Augen nicht sehen kannst, sondern nur in deiner Vorstellungskraft. 4 Wenn die Bibel sagt, du bist geheilt, musst du über diese Wahrheit nachsinnen, bis du dich selbst als geheilt siehst. Die meisten Menschen lassen es zu, dass ihre Gedanken fruchtlos und leer bleiben und stimmen eher mit dem Bild überein, das die Ärzte entworfen haben, als mit dem Wort Gottes. Man hat ihnen gesagt, was geschehen würde, und sie stellen es sich in ihren Gedanken als Wahrheit vor.

Wenn es uns nicht gelingt, dankbar zu sein und Gott zu verherrlichen, bleiben unsere Gedanken automatisch fruchtlos und leer. Das bedeutet nicht, dass unsere Vorstellungskraft nicht funktioniert; es bedeutet nur, dass sie gegen uns arbeitet. Diejenigen von uns, die gemäß Römer 1,21 nichtige Gedanken haben, sind Pessimisten, die sich vorstellen zu scheitern statt Erfolg zu haben. Wir brauchen unsere Vorstellungskraft, um mit Gottes Wort übereinzustimmen und uns selbst so zu sehen, wie Gott uns sieht: fröhlich, gesund und erfolgreich.

Ein verständiges Herz

Die Schrift macht es sehr deutlich, dass die Haltung deines Herzens viel wichtiger ist als deine Taten.

Jesus sagt es folgendermaßen in Matthäus 23, 25-25: Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt, inwendig aber sind sie voller Raub und Unmäßigkeit! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde!

Dem Herrn geht es mehr um dein Herz als um deine Taten.

Matthäus 12,35, Markus 7,21-23 und Sprüche 23,7 machen es sogar noch klarer: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus seinem bösen Schatz Böses hervor.

Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen.

Denn wie er in seinem Herzen denkt, so ist er. (Übersetzt nach dem Wortlaut der englischen King James-Bibel.)

Unser Herz bestimmt das, was wir sagen, und bestimmt auch das, was wir tun.

Alle diese bösen Dinge sind ein Produkt unseres Herzens. Das Gegenteil davon kann aber ebenso der Fall sein: Liebe, Freude, Frieden, Geduld und alle anderen Früchte des Geistes sind ebenfalls ein Produkt dessen, was unser Herz glaubt. 5 Warum reagiert unser Herz auf negative Art und Weise? Weil wir es zulassen, dass es von äußerlichen oder sichtbaren Dingen beherrscht wird, statt durch das Wort Gottes.

Dadurch wird unser Verständnis verfinstert und wir werden unempfänglich für Gott. Wir bewirken damit sogar, dass sich unsere Herzen verhärten. Das Wort verhärten, bedeutet nach einer Wörterbuchdefinition: kalt, unempfänglich, gefühllos und unnachgiebig werden.

Wenn dein Herz sich verhärtet oder unempfänglich für Gott ist, wird es automatisch empfänglich für die natürlichen Sinne und lässt sich von ihnen dominieren.

Also, was tun die meisten Leute, wenn sie erkennen, dass ihre Handlungen von ihrem Herzen bestimmt werden und diese ihnen und anderen Menschen Probleme bereiten? Sie sehen es als das Naheliegendste an, ihr Verhalten zu verändern. Sie versuchen ihr Handeln zu ändern ohne ihre Herzen zu verändern, was auf lange Sicht niemals funktioniert. Wenn Menschen ihr Verhalten ändern wollen, müssen sie ihre Herzen verändern. Sie müssen sichergehen, dass das Wort Gottes der dominierende Einfluss ist.

Wenn du diese vier Schlüssel in deinem Leben in die Tat umsetzt, wirst du nie wieder derselbe sein. Es wird die Art und Weise verändern, wie du über alles und jeden um dich herum denkst. Du wirst die Dinge aus Gottes Perspektive sehen.

Was ich hier geschrieben habe, ist nur ein Auszug aus meiner Lehre zu diesem Thema.

Mein Buch Discovering the Keys to Staying Full of God (Die Schlüssel, wie du beständig von Gott erfüllt bleiben kannst) wird dir ein vollständigeres Verständnis vermitteln. Ich habe auch einen begleitenden Studienführer herausgegeben, ein großartiges Hilfsmittel zum Einzel- oder Gruppenstudium. Hier lehre ich sehr ausführlich über dieses Thema. Leider ist dieses Material derzeit nur in englischer Sprache verfügbar. Bestellungen sind online über unsere Webseite www.awme.de möglich oder telefonisch in unserem deutschen Büro (Telefon 0 67 82 – 9 84 64 05).

In Liebe verbunden,

Andrew und Jamie

PS: Fast täglich lese ich das Gästebuch auf unserer Webseite. Menschen aus aller Welt posten ihre Berichte darüber, wie Gottes bedingungslose Liebe und Gnade ihr Leben verändert hat. Wenn du diese Berichte noch nie gelesen hast, nimm dir einmal Zeit dafür.

Diese veränderten Leben sind das unmittelbare Ergebnis deines treuen Gebens. Im Namen all dieser Menschen sagen Jamie und ich: DANKE SCHÖN!